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Regierungsparteien verlieren Mitglieder

Erst die Wahlaffäre in Thüringen, dann die Corona-Pandemie: Die Parteien im Bundestag hatten ein spektakuläres erstes Halbjahr 2020. Wirkt sich das auf ihre Mitgliederzahlen aus?



Bundestag
Blick in den Bundestag in Berlin.   Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Die CDU schrumpft trotz Umfragehochs, bei den Grünen ist es andersrum: Die Corona-Krise scheint die Mitgliederzahlen der großen Parteien kaum zu beeinflussen.

Etwas mehr als ein Jahr vor der Bundestagswahl 2021 kann nur die Opposition an Mitgliedern gewinnen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Die Regierungsparteien SPD und CDU dagegen setzen ihren Schrumpfkurs fort. Besonders viel Bewegung gab es bei der AfD.

Die mitgliederstärkste Partei in Deutschland bleibt die SPD. Ende Juni zählten die Sozialdemokraten nach eigenen Angaben fast 412.000 Mitglieder - rund 7000 weniger als zum Jahreswechsel. Auf das Jahr hochgerechnet schrumpfen die Sozialdemokraten damit allerdings nicht mehr ganz so stark wie im turbulenten Jahr 2019, als sie eine neue Parteispitze wählten und zugleich 18.500 Mitglieder verloren.

Prozentual fast ebenso stark verlor die CDU - was angesichts der deutlich gestiegenen Umfragezahlen für die Union in der Corona-Krise überraschend scheint. Während CDU und CSU in der Wählergunst auf um die 40 Prozent stiegen, zählten die Christdemokraten Ende Mai nur noch 402.000 Mitglieder - rund 5000 weniger als sechs Monate zuvor.

Für die Grünen lief es andersherum: Sinkende Umfragewerte, aber steigende Mitgliederzahlen. Sie rissen erstmals die Marke von 100.000 Mitgliedern - eine «neue Stufe in der Entwicklung der Partei», wie Geschäftsführer Michael Kellner sagte. Ende April zählten die Grünen mehr als 101.500 Mitglieder.

Parteichef Robert Habeck begründete die positive Entwicklung mit mehr Geschlossenheit innerhalb der Partei und dem Willen, «sich nicht mit sich selbst zu beschäftigen». Habeck hofft auf Rückenwind für den Wahlkampf: In Umfragen kommen die Grünen derzeit nur noch auf 17 bis 18 Prozent, liegen aber weiter deutlich vor der SPD.

Bei der AfD, in der ein hefiger Richtungsstreit wütet, fluktuierte die Mitgliederzahl im ersten Halbjahr stark. 3086 Mitglieder traten aus, 2286 ein. Damit zählte die Partei zum 1. Juli fast 34.000 Mitglieder. Prozentual schrumpfte die Partei damit so stark wie keine andere - jedoch seien fast 3400 Interessenten in der Aufnahmewarteschleife, sagte Parteisprecher Bastian Behrens. Zu Beginn der Corona-Pandemie habe es keine Aufnahmegespräche gegeben, daher gebe es Verzögerungen bei der Aufnahme neuer Mitglieder. Zugleich hätten Landesverbände ihre Listen bereinigt und Mitglieder ausgeschlossen, die keine Beträge gezahlt hätten.

Der Richtungsstreit der AfD hatte sich durch die Einstufung des rechtsnationalen «Flügels» als rechtsextremistische Bestrebung zuletzt noch einmal verschärft. Die prominentesten Vertreter des «Flügels», der sich inzwischen offiziell aufgelöst hat, waren der Thüringer AfD-Vorsitzende Björn Höcke und der brandenburgische Fraktionsvorsitzende Andreas Kalbitz, über dessen Mitgliedschaft das Bundesschiedsgericht der Partei Ende des Monats entscheiden will.

Die Linke konnte im ersten Halbjahr leicht zulegen. Die Mitgliederzahl stieg um 215 Personen auf 61.077. Vor allem in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Thüringen legte die Linke zu. «Dass die Partei trotz Corona wächst, ist ein Erfolg», sagte Bundesgeschäftsführer Jörg Schindler.

FDP und CSU gaben keine aktuellen Daten heraus. Die Liberalen waren im vergangenen Jahr auf mehr als 65.000 Mitglieder gewachsen. Die Mitgliederzahlen seien 2020 stabil mit leichter Steigerung, hieß es aus der Parteizentrale. Exakte Zahlen würden aber nur zum Jahresstichtag herausgegeben.

Besonders im Fokus stand die Partei während der Affäre um die Thüringer Regierungsbildung im Frühjahr. Im Februar war der FDP-Politiker Thomas Kemmerich dort mit entscheidenden Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten gewählt worden. Nach bundesweiter Empörung trat Kemmerich zurück, FDP-Chef Christian Lindner stellte dem Bundesvorstand die Vertrauensfrage, wurde jedoch im Amt bestätigt. Inzwischen regiert in Thüringen ein Bündnis aus Linken, SPD und Grünen. Im April 2021 soll ein neuer Landtag gewählt werden.

© dpa-infocom, dpa:200719-99-846327/4

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Veröffentlicht am:
19. 07. 2020
22:41 Uhr

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19. 07. 2020
22:41 Uhr



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