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Rekord auf deutschen Autobahnen: Mehr als 2000 Staus pro Tag

Nichts geht mehr - ein Gefühl, das Autofahrer auf Deutschlands Straßen nur allzu gut kennen. Vor allem drei Bundesländer fallen in der Stau-Statistik negativ auf.



Stau auf der Autobahn
Die Staulängen summierten sich laut ADAC auf eine Gesamtlänge von etwa 1,5 Millionen Kilometer.   Foto: Julian Stratenschulte

Die Blase drückt, die Kinder nörgeln, die Nerven liegen blank: Ein Stau ist für Autofahrer der Horror. Im vergangenen Jahr gab es auf Deutschlands Autobahnen so viele Blechlawinen wie nie zuvor.

Mehr als 2000 Staus pro Tag hat der ADAC im Schnitt gezählt. In der Summe kam der Verkehrsclub auf rund 745.000 - und damit auf ein Plus von drei Prozent im Vergleich zu 2017.

Die gemeldeten Staulängen wuchsen um rund fünf Prozent und summierten sich auf etwa 1,5 Millionen Kilometer - «eine Blechschlange, die etwa 38 Mal um die Erde reichen würde», wie der ADAC am Donnerstag in München mitteilte. Immerhin blieb die Zeit, in der die Räder stillstanden, mit rund 459.000 Stunden auf Vorjahresniveau.

Für die Zunahme an Staus nannte der ADAC zwei Gründe: Zum einen sei die sogenannte Kfz-Fahrleistung um 0,4 Prozent gestiegen - also die Strecke, die jedes Auto pro Jahr zurücklegt. Das klingt erstmal wenig. Doch laut Kraftfahrt-Bundesamt waren bereits vor einem Jahr knapp 64 Millionen Autos in Deutschland gemeldet, Tendenz steigend. Wenn die alle im Schnitt auch nur einige Kilometer mehr gefahren werden, wird es auf den Straßen automatisch enger. Zum anderen kommt hinzu, dass es im vergangenen Jahr auf den Autobahnen rund drei Prozent mehr Baustellen gab.

Rechtzeitig ihren Toilettenstopp machen sollten Autofahrer vor allem in Nordrhein-Westfalen: Gut ein Drittel (35 Prozent) aller Staus mit einer Gesamtlänge von 486.000 Kilometern entfielen 2018 auf Deutschland bevölkerungsreichstes Bundesland. Mit weitem Abstand dahinter folgten ebenfalls wie in den Vorjahren Bayern (17 Prozent) und Baden-Württemberg (11 Prozent). Damit entfallen gut zwei Drittel der Problemfälle auf nur drei Regionen.

Unter den Fernautobahnen hat die A3 von Köln über Frankfurt nach Passau zu recht einen üblen Ruf - dort staute es sich proportional betrachtet am längsten. Dazu dürfte die Passage zwischen der österreichischen Grenze und Passau besonders beigetragen haben: Wegen der andauernden Grenzkontrollen der Bayern ist dies bundesweit der staureichste Streckenabschnitt. Aber auch die A1 (Lübeck - Hamburg - Köln) und die A5 (Basel - Karlsruhe - Frankfurt) nervten regelmäßig mit Verkehrsbehinderungen.

Am häufigsten staut es sich übrigens inzwischen an den Mittwochen - die Differenz zu den anderen Werktagen mit Ausnahme des Montags ist jedoch klein. Der staureichste Tag des Jahres 2018 war aber ein Donnerstag: An jenem 28. Juni kam zum Berufsverkehr noch der Reiseverkehr hinzu, weil in drei Bundesländern die Schulferien begonnen hatten. Folge: Staus auf 13.000 Kilometern Länge.

Für seine Berechnung wertet der ADAC anonymisierte Geschwindigkeits- und Positionsdaten von rund 260.000 Fahrzeugen aus, die zum Beispiel von Flotten großer Speditionen oder Navigationsgeräten stammen. Auch Angaben von Polizei und Staumeldern fließen mit ein. Dann gilt: Rollen mehrere Fahrzeuge auf einem Kilometer Strecke über fünf Minuten hinweg im Schnitt langsamer als mit Tempo 20, gilt das als Stau. Die längste Ausdehnung dieser Staustrecken wird gezählt.

Der Staatssekretär im NRW-Verkehrsministerium, Hendrik Schulte, zweifelt diese Staumessungen indes an. «Die ADAC-Werte auf einen Tag berechnet, soll es im vergangenen Jahr in NRW täglich 1300 Kilometer Stau gegeben haben - alle Feiertage, Ferien und sonstigen verkehrsarmen Tage mit einbezogen. Ein solcher Wert deckt sich nicht ansatzweise mit unseren Erhebungen und erscheint mir auch wenig plausibel», sagte er der «Rheinischen Post» (Freitag).

Der ADAC-Wert liegt mehr als viermal so hoch wie die vom NRW-Ministerium erfassten 103.562 Kilometer. Das Ministerium erfasse seine eigenen Daten durch sogenannte Induktionsschleifen an allen Ein- und Ausfahrten der Autobahnen, sagte Schulte. «Durch dieses bewährte System ist eine jährliche Vergleichbarkeit unserer Daten gewährleistet.»

Wie entsteht nun eigentlich ein Stau? Klar, nach einem Unfall werden einzelne Spuren oder die ganze Fahrbahn gesperrt. Und in einer Baustelle geht es oft nur langsam voran. Doch das ist nicht die Hauptursache: Die meisten Staus entstehen schlicht durch hohes Verkehrsaufkommen. Wenn zu viele Autos und Lastwagen zeitgleich unterwegs sind, stoßen die Verkehrsanlagen an ihre Kapazitätsgrenzen.

Wenn dann noch mehrere Fahrer nacheinander abbremsen müssen, entsteht eine Kettenreaktion, weil jeder unterschiedlich bremst. «Dadurch kommt es zu unregelmäßigen Verzögerungen, und der Verkehrsfluss wird instabil und kann in der Folge einbrechen», erläuterte der ADAC. Häufig zwingen übrigens Spurwechsler die Nachfahrenden zum abrupten Bremsen - wenn sie nicht gleich selbst einen Unfall verursachen.

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17. 01. 2019
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