Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Brennpunkte

Rückkehr der Gewalt zum Jahrestag der «Gelbwesten»-Proteste

In den letzten Monaten war von den «Gelbwesten» kaum noch die Rede. Den ersten Jahrestag wollte die Bewegung nutzen, um noch einmal Stärke zu zeigen. Doch wieder prägten Randalierer den Protest.



Randale in Paris
Ein Feuerwehrmann löscht in Paris ein von «Gelbwesten» in Brand gesetztes Auto.   Foto: Kong Fan/XinHua/dpa

Der erste Jahrestag der «Gelbwesten»-Proteste war in Paris wieder überschattet von Krawalle und heftigen Ausschreitungen. Im Süden von Paris randalierten am Samstag größtenteils Vermummte und lieferten sich einen regelrechten Straßenkampf mit der Polizei.

Ein Großteil von ihnen trug keine gelbe Warnweste, das Erkennungszeichen der «Gelbwesten». Der Pariser Polizeipräsident Didier Lallement sprach von «systematischen Angriffen auf Sicherheitskräfte und Feuerwehrleute».

Am Wochenende des 17. Novembers 2018 fanden die ersten großen landesweiten Proteste der «Gelbwesten» in Frankreich statt. Der erste Jahrestag sollte der sozialen Bewegung, die zuletzt an Stärke verloren hatte, wieder neuen Auftrieb verleihen. Die Zahl der Demonstranten war allerdings deutlich niedriger als beim Auftakt vor einem Jahr. Nach offiziellen Angaben des Innenministeriums gingen in ganz Frankreich 28.000 Menschen auf die Straße, davon 4700 in Paris.

Das sind zwar deutlich mehr als in den vergangenen Monaten, kommt aber bei weitem nicht an die Zahlen von damals heran. Zum Vergleich: Am ersten großen Demonstrationswochenende vor einem Jahr waren es mehr als 280.000 «Gelbwesten», in den darauffolgenden Wochen mehr als hunderttausend.

Die Polizei wollte Krawalle wie in der Vergangenheit unbedingt verhindern. Zahlreiche Metro-Stationen in Paris bleiben am Wochenende geschlossen. Auf der Prachtmeile Champs-Élysées und anderen Orten in der Hauptstadt waren Demonstrationen verboten. Die berühmte Einkaufsstraße blieb dieses Mal von den Ausschreitungen verschont, stattdessen eskalierte die Lage im Süden von Paris, am Place d'Italie.

«Wir müssen unterscheiden zwischen den anfänglichen Forderungen der «Gelbwesten», dieser tiefen Wut, (...), die wir hören mussten und gehört haben, und denen, die sehr schnell nur von Hass und Gewalt angetrieben wurden», sagte Innenminister Christophe Castaner am Sonntag im Interview mit Europe 1. «Gestern sahen wir nur wenige Demonstranten, aber dafür Schläger und Gauner, die gekommen waren, um zu kämpfen, sich mit der Polizei zu schlagen und die Feuerwehr an ihrer Arbeit zu hindern.»

Vermummte randalierten, schlugen Scheiben ein, warfen Steine und zündeten Fahrzeuge, Mülleimer oder Werbetafeln an. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Ein großes Einkaufszentrum am Place d'Italie schloss seine Pforten, als die Lage ernster wurde. Auch Polizeipräsident Lallement betonte, dass die Gewalt von Personen begangen würde, die nicht gekommen seien, um eine Sache zu verteidigen.

Eigentlich sollte am Nachmittag vom Place d'Italie ein angemeldeter Demonstrationszug starten. Die Polizei verlangte die Absage der Demo. Am späten Nachmittag konnte die Polizei den Platz schließlich räumen, die Gewalt verlagerte sich in die anliegenden Straßen. Eine besonders verstörende Szene spielte sich in einem Waschsalon im Zentrum der Stadt ab. Ein Video zeigt, wie Polizisten Zuflucht in dem Salon suchten, indem auch Kunden waren. Randalier verfolgen sie, schlugen die Scheiben ein, nutzten eine Baustellenabsperrung als Rammbock.

Wieder wurde bei der Randale ein Denkmal beschädigt - dieses Mal handelte sich um eine Tafel zum Gedenken an einen bekannten französischen Marschall. In der Vergangenheit wurde bei den Protesten der Pariser Triumphbogen schwer beschädigt, aber auch eine Gedenktafel für einen getöteten Polizisten.

Kurzzeitig blockierten am Samstagmorgen einige Hundert «Gelbwesten» die Pariser Ringautobahn im Nordwesten der Stadt. Die Polizei löste die Blockade aber schnell auf. Auch an der Porte de Champerret und am Place de Clichy im Norden von Paris versammelten sich zahlreiche Demonstranten. Die «Gelbwesten» zogen dort weitgehend friedlich durch die Straßen. Ab und an kam es zu Spannungen, so etwa auch am Abend im Einkaufsviertel Les Halles. In anderen Regionen Frankreichs gab es ebenfalls Demonstrationen, die ohne größere Zwischenfälle verliefen. In Städten wie Lyon, Marseille oder Nantes war die Lage aber angespannt.

In der Vergangenheit hatten sich immer wieder Randalierer unter die «Gelbwesten» gemischt. Viele Anhänger der Bewegung besetzten zur Hochzeit der Proteste friedlich Kreisverkehre und Straßen. Die Gewalt eskalierte mehrmals in der Hauptstadt, dort herrschte an den ersten Demonstrationswochenenden regelrechter Ausnahmezustand. Die «Gelbwesten» protestierten gegen soziale Ungerechtigkeit und die Politik von Präsident Emmanuel Macron.

Auch in Belgien demonstrierten «Gelbwesten» zum Jahrestag ihrer Bewegung. Am Samstagabend blockierten rund 20 Personen an der französisch-belgischen Grenze bei Hensies einige Lastwagen auf der Autobahn Paris-Brüssel, wie die Nachrichtenagentur Belga meldete. Die Aktion wurde nach drei Stunden ohne größere Zwischenfälle beendet. Auch in Namur und vor einem Kraftstoffdepot bei Feluy wurde protestiert. Vor einem Jahr hatte sich wie in Frankreich auch eine «Gelbwesten»-Bewegung im Nachbarland Belgien formiert.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
17. 11. 2019
13:07 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Christophe Castaner Demonstranten Denkmäler Emmanuel Macron Feuerwehren Feuerwehrleute Hass Innenminister Krawalle Polizei Polizistinnen und Polizisten Sicherheitskräfte Sozialer oder politischer Protest
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Bundestruppen in Portland

26.07.2020

Proteste in Portland: Regierung kündigt härteres Vorgehen an

Der Einsatz von Sicherheitskräften der US-Regierung in Portland ist hoch umstritten. Wieder kommt es zu Zusammenstößen mit Demonstranten. Heimatschutzminister Wolf sieht die Stadt nachts außer Kontrolle. » mehr

Geschlossen

05.12.2019

Krawalle bei Protesten gegen Rentenreform in Frankreich

Das französische Rentensystem reformieren? Daran haben sich schon viele die Zähne ausgebissen. Nun wagt Macron einen Versuch - und treibt die Franzosen auf die Straße. » mehr

Proteste in Bulgarien

21.07.2020

Proteste in Bulgarien vor Misstrauensvotum

Die Proteste in Bulgarien gegen die Regierung lassen nicht nach. Ein Misstrauensvotum wird von Demonstranten gegenüber dem Parlament in Sofia unterstützt. Hauptstraßen und Kreuzungen werden blockiert. » mehr

Protest in Venezuela

11.03.2020

Venezuela: Sicherheitskräfte gehen gegen Demonstranten vor

Der venezolanische Oppositionsführer Juan Guaidó hat erstmals seit seiner Rückkehr aus dem Ausland wieder zu einem Protest aufgerufen. Zur Nationalversammlung dringen seine Unterstützer nicht vor. Die Polizei blockiert d... » mehr

Jean Castex

06.07.2020

Frankreichs Präsident Macron wechselt mehrere Minister aus

Ein neues Team für einen neuen Anfang: Frankreichs neues Kabinett hält einige neue Gesichter bereit - so richtige Überraschungen bleiben aber - bis auf einen Starverteidiger - weitgehend aus. In zwei zentralen Ressorts m... » mehr

Proteste gegen Rassismus

27.07.2020

Linke fordert Stopp von Waffenexporten in die USA

Die durch den Tod von George Floyd ausgelösten Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus in den USA halten seit Wochen an. Dass US-Polizisten auch Waffen und Ausrüstung aus Deutschland erhalten, sorgt nun für Kritik aus... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Der Coburger Bahnhof der Zukunft Coburg

Der Coburger Bahnhof der Zukunft | 03.08.2020 Coburg
» 21 Bilder ansehen

Fridays for Future und Critical Mass in Coburg Coburg

Fridays for Future und Critical Mass in Coburg | Coburg
» 32 Bilder ansehen

Repatatur des Windrades bei Untermerzbach

Reparatur des Windrads bei Untermerzbach |
» 7 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
17. 11. 2019
13:07 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.