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Salvini lässt Minderjährige von Bord der «Open Arms»

Der Kapitän der «Open Arms» spricht von einer tickenden Zeitbombe. Die Migranten auf dem Rettungsschiff verlieren nach 17 Tagen Irrfahrt und mit Lampedusa vor Augen langsam die Nerven. Nun ließ Innenminister Salvini 27 Minderjährige an Land - gegen seinen Willen.



«Open Arms»
Das Rettungsschiff «Open Arms» vor der Küste von Lampedusa.   Foto: Friedrich Bungert/SeaWatc

Kurz vor einer möglicherweise gefährlichen Eskalation an Bord des spanischen Rettungsschiffs «Open Arms» hat Italiens Innenminister Matteo Salvini am Samstag etwas eingelenkt.

In einem Schreiben erlaubte er, dass mehr als zwei Dutzend Minderjährige auf dem vor Lampedusa ausharrenden Schiff auf der Insel an Land gehen durften. Am Nachmittag wurden die Jugendlichen von der Küstenwache abgeholt, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. «Gegen meinen Willen», schrieb der rechte Politiker - und auch nur, weil Ministerpräsident Giuseppe Conte ihn zu dem Schritt aufgefordert habe. Nach Angaben der Hilfsorganisation Proactiva Open Arms handelte es sich um 27 nicht begleitete Minderjährige.

Zuletzt befanden sich noch 134 Menschen an Bord, so dass immer noch 107 auf der «Open Arms» verbleiben müssen - darunter zwei Minderjährige, die mit Familienmitgliedern unterwegs sind. Die Situation war zuvor Augenzeugen zufolge immer kritischer geworden. «Jede Sekunde, die vergeht, rückt die Explosion dieser Bombe näher. Entweder jemand schneidet jetzt das rote Kabel durch und deaktiviert sie, oder die «Open Arms» wird explodieren», hatte Kapitän Marc Reig mit Blick auf eine drohende Eskalation der Lage gewarnt. Die Menschen harren zum Teil seit mehr als zwei Wochen auf engstem Raum aus.

Die «Open Arms» befindet sich seit Donnerstag in unmittelbarer Nähe von Lampedusa, darf wegen des harten Kurses des rechten Innenministers Matteo Salvini aber nicht anlegen. Der spanische Fernsehsender RTVE zeigte am Samstag Bilder erschöpfter und aufgebrachter Migranten, die Land sehen, dieses aber nicht betreten dürfen. «Warum? Warum?», rief ein Mann immer wieder. Kapitän Reig versuchte, ihn und andere resignierte Migranten zu beruhigen.

«Die Menschen verlieren die Geduld und sind sehr nervös», sagte eine Reporterin an Bord. Es sei schwer zu ertragen, die nur 800 Meter entfernte Insel nicht betreten zu dürfen. Einige Migranten hätten gedroht, Selbstmord zu begehen oder ins Wasser zu springen. Proactiva-Gründer Oscar Camps sagte in einem Twitter-Video, die Lage sei «untragbar», es gebe «ständigen Streit und Diskussionen». Open Arms zufolge kommt der erzwungene Aufenthalt der Menschen an Bord einer Geiselnahme gleich. Staatsanwälte im sizilianischen Agrigent wollten diesem Vorwurf nachgehen, so die Nachrichtenagentur Ansa.

In ihrer zweieinhalbwöchigen Irrfahrt hatte die «Open Arms» zeitweise fast 160 Migranten an Bord. Jedoch waren einige gesundheitlich so angeschlagen, dass sie in den vergangenen Tagen nach Malta und Italien gebracht wurden.

Salvini hatte zuvor getwittert, er werde nicht nachgeben. «In den vergangenen 16 Tagen hättet ihr in aller Ruhe nach Spanien fahren können», schrieb er mit Blick auf die spanische Herkunft der NGO Proactiva Open Arms. Sechs EU-Länder, darunter Deutschland und Spanien, hatten sich zuletzt bereit erklärt, Migranten zu übernehmen. Dennoch darf die «Open Arms» bislang nicht in den Hafen einfahren.

Südlich von Sizilien wartete auch das Rettungsschiff «Ocean Viking» mit 356 Migranten auf die Erlaubnis, in einen sicheren Hafen fahren zu können. Die Organisationen SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen hatten die Menschen in mehreren Einsätzen in Sicherheit gebracht.

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dpa

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Veröffentlicht am:
17. 08. 2019
17:35 Uhr

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17. 08. 2019
17:35 Uhr



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