Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Brennpunkte

Saudis versprechen im Fall Khashoggi Aufklärung

In Genf muss sich Saudi-Arabien bei den UN zur Situation der Menschenrechte im Land äußern. Der Zeitpunkt kommt für die Saudis ungünstig - der Fall Khashoggi hat die Weltgemeinschaft aufgebracht. Und es gibt noch weitere Probleme.



Khashoggi-Söhne
König Salman bin Abdulaziz Al Saud (2.v.r) von Saudi-Arabien und Kronprinz Mohammed bin Salman bin Abdulaziz Al Saud (r.) sprechen Sahl Khashoggi (2.v.l) und Salah Khashoggi ihr Beileid aus.   Foto: SPA » zu den Bildern

Fünf Wochen nach der Tötung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi haben zahlreiche Staaten Saudi-Arabien vor dem UN-Menschenrechtsrat zur Aufklärung aufgefordert.

«Wir sind zutiefst erschüttert über das Schicksal von Jamal Khashoggi und wir rufen Saudi-Arabien dazu auf, eine detaillierte und vollständige Erklärung in diesem Fall zu liefern», hieß es von der deutschen Delegation. Kroatien empfahl den Saudis, die Umstände aufzuklären und die Täter «eines solch abscheulichen Verbrechens» zur Rechenschaft zu ziehen.

Saudi-Arabien selbst hatte bei der Sitzung versprochen, für Aufklärung zu sorgen. «König Salman hat Anweisungen erteilt und die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen in diesem Fall eingeleitet, um die ganze Wahrheit zu erlangen und alle Angeklagten vor Gericht zu stellen und die nachgewiesen Schuldigen zu verurteilen», sagte Bandar al-Aiban, der Vorsitzende der saudischen Menschenrechtskommission. Bei der Verlesung des Berichts Saudi-Arabiens zur Lage der Menschenrechte in der absoluten Monarchie betonte er, dass die Führung des Königreichs bereits früher ihren Schmerz angesichts des Mordes ausgedrückt habe.

Mehrere Länder forderten Saudi-Arabien dazu auf, die Vollstreckung der Todesstrafe auszusetzen und die Presse- und Meinungsfreiheit zu garantieren. Auch die Kriegsführung des saudischen Militärs im Konflikt im Jemen wurde scharf kritisiert.

Der im US-Exil lebende Regierungskritiker Khashoggi war am 2. Oktober in das saudische Konsulat in Istanbul gegangen, um dort Papiere für seine geplante Hochzeit mit einer Türkin abzuholen. In dem Gebäude wurde er getötet. Riad präsentierte unterschiedliche Erklärungen zu seinem Verschwinden und erst nach Wochen die Version, der Regierungskritiker sei im Konsulat umgebracht worden.

Am Sonntagabend forderten die Söhne Khashoggis in einem CNN-Interview, sie wollten endlich die Wahrheit über die Geschehnisse in der saudischen Botschaft in Istanbul wissen. «Ich warte einfach darauf, dass die Fakten ans Tageslicht kommen», sagte Khashoggis Sohn Salah. Sein Bruder Abdullah sagte: «Was auch immer ihm zugestoßen ist, ich hoffe wirklich, dass es nicht schmerzhaft für ihn war - oder zumindest schnell ging. Oder dass er einen friedlichen Tod starb.»

Bisherige Berichte und Behördenerklärungen zum Schicksal Khashoggis zeichnen allerdings ein anderes Bild. Laut der türkischen Justiz wurde Khashoggi kurz nach Betreten des Konsulats erwürgt, seine Leiche zerstückelt und «vernichtet». Türkische Ermittler gehen davon aus, dass der Befehl für die Tötung des «Washington-Post»-Kolumnisten aus höchsten Regierungskreisen kam.

Die regierungsnahe türkische Zeitung «Sabah» berichtete, Saudi-Arabien habe nach dem Mord an Khashoggi Spezialisten geschickt, um Spuren zu beseitigen. Zu dem Team, das am 11. Oktober in Istanbul angekommen sei, habe ein Chemiker und ein Toxikologe gehört, berichtete die «Sabah» unter Berufung auf «vertrauenswürdige Quellen». Ein Großteil der türkischen Ermittlungsergebnisse war bislang zunächst über Medien verbreitet worden.

Der Termin für die Prüfung der Menschenrechtslage vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf stand lange vor der Tötung Khashoggis fest. Es handelt sich um ein Prozedere, das alle Länder regelmäßig durchlaufen müssen. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, hatte bereits vor wenigen Tagen Zweifel an einer unabhängigen saudischen Untersuchung geäußert und die Beteiligung internationaler Experten gefordert.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
05. 11. 2018
14:42 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aufklärung Kolumnisten und Kolumnistinnen Konsulate Leichen Menschenrechtslage Menschenrechtsorganisationen Michelle Bachelet Recht und Justiz in Türkei Sabah Söhne UN-Menschenrechtsrat
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Frauen am Bahnhof von Medina

02.08.2019

Saudi-Arabien: Frauen sollen ohne Erlaubnis reisen dürfen

Das islamisch-konservative Saudi-Arabien öffnet seine Gesellschaft. Die junge Generation bejubelt deswegen Kronprinz Mohammed bin Salman. Doch über den neuen Freiheiten hängt ein dunkler Schatten. » mehr

Angriff auf Migrantenzentrum in Libyen

03.07.2019

44 Tote bei Angriff auf Migrantenlager in Libyen

Für Tausende afrikanische Migranten führt der beschwerliche Weg nach Europa über Libyen. Dutzende von ihnen werden dort nun Opfer des blutigen Machtkampfs im Land. Die Vereinten Nationen sprechen von einem Kriegsverbrech... » mehr

Pompeo in Saudi-Arabien

17.10.2018

Fall Chaschukdschi: Pompeos Krisentreffen in Saudi-Arabien

Vor mehr als zwei Wochen verschwand der saudische Journalist Dschamal Chaschukdschi unter mysteriösen Umständen. Zu dem Fall gibt es viele offene Fragen. Auch für US-Präsident Trump steht viel auf dem Spiel. Nun durften ... » mehr

Ägyptens Parlament

16.04.2019

Ägyptens Präsident Al-Sisi bekommt mehr Macht

Vor acht Jahren stürzten die Ägypter den verhassten Langzeitherrscher Husni Mubarak. Doch dessen Nach-Nachfolger Abdel Fattah Al-Sisi regiert das Land noch autoritärer. Menschenrechtler zeigen sich bestürzt. » mehr

Guaidó und Duque

26.02.2019

Venezuela: Maduro droht Herausforderer Guaidó mit der Justiz

Der Druck wächst, aber Venezuelas umstrittener Präsident zeigt sich unbeeindruckt. Das Militär steht zu ihm und Forderungen nach Neuwahlen lässt er ins Leere laufen. Seinem Herausforderer Guaidó droht er nun mit der Just... » mehr

Außenminister Maas

11.11.2018

Trotz Kritik: Maas will in China Lage der Uiguren ansprechen

China setzt Berlin wegen Kritik an der Menschenrechtslage der Uiguren unter Druck. Außenminister Maas will das Thema beim Antrittsbesuch in Peking trotzdem ansprechen. Wie die Gesprächspartner wohl reagieren? » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

TV Hüttenberg - HSC 2000 Coburg 23:22

TV Hüttenberg - HSC 2000 Coburg 23:22 | 21.09.2019 Hüttenberg
» 64 Bilder ansehen

Klima-Demo in Haßfurt Haßfurt

Klima-Demo in Haßfurt | 20.09.2019 Haßfurt
» 56 Bilder ansehen

Klima-Demo in Kronach

Klima-Demo in Kronach | 20.09.2019 Kronach
» 66 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
05. 11. 2018
14:42 Uhr



^