Lade Login-Box.
Topthemen: Die Videos der WocheDer BachelorCotubeVor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-Theater

Brennpunkte

Schutz für Insekten: Wandel in der Agrarpolitik gefordert

Nach einer Autofahrt kleben heute kaum noch Mücken und Fliegen auf der Scheibe. Mittlerweile ist auch wissenschaftlich belegt: Es gibt viel weniger Insekten. Als Hauptverursacher sehen Naturschützer die Landwirtschaft - aber es gibt noch mindestens einen anderen Grund.



Schmetterling
Ein Tagpfauenauge saugt Nektar aus den Blüten eines Baumes.   Foto: Frank Rumpenhorst

Untersuchungen in einigen Regionen Deutschlands belegen einen immensen Insektenschwund in den vergangenen Jahrzehnten. Detailanalysen zeigen nun, welche Arten besonders im Sinkflug sind.

«Es ist ein Rückgang, der sich durch ganz unterschiedliche Gruppen zieht», sagte die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Beate Jessel, in Bonn. So seien 96 Prozent der Köcherfliegenarten rückläufig. Bei Wildbienen nähmen die Bestände bei 52 Prozent aller Arten ab. «Auch bei den Laufkäfern und bei den Ameisen haben wir sehr hohe Gefährdungsgrade und Rückgänge zu verzeichnen.» Neben vielen Verlierern gebe es auch einige Gewinner wie bestimmte Libellenarten. Sie profitierten möglicherweise von der Renaturierung von Gewässern oder auch vom Klimawandel. Die Verliererarten seien allerdings deutlich in der Überzahl.

Der Entomologische Verein Krefeld (EVK), der seit 1989 Insektenbestände misst, hatte bereits zuvor ermittelt, dass die Gesamtmasse flugfähiger Insekten an untersuchten Standorten in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg in den vergangenen drei Jahrzehnten im Mittel um mehr als 75 Prozent abgenommen hat. Es sei vor allem dieser massive Rückgang der gesamten Biomasse, der beunruhige, sagte EVK-Vorstandsmitglied Martin Sorg in Bonn. Denn: «Ein normales terrestrisches Biotop ist ohne Insekten undenkbar.»

Die Bestände seien «unstrittig stark rückläufig», bestätigte Jessel. Anschaulich könne man das als Normalbürger am «Windschutzscheibeneffekt» sehen: Anders als vor 20 oder 30 Jahren kleben nach einer längeren Autofahrt kaum noch Mücken und Fliegen auf der Scheibe. Das sei natürlich noch kein wissenschaftlicher Beweis, aber anschaulich für jedermann.

Der Insektenrückgang habe viele Ursachen, die ineinander griffen. Hauptverursacher sei aber die intensive Landwirtschaft. «Wir brauchen dringend eine Wende in der Agrarpolitik hin zu einer naturverträglicheren Landwirtschaft», forderte Jessel.

Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze mahnte einen Wandel beim Umgang mit Pestiziden an. «Die intensive Landwirtschaft ist hauptverantwortlich für den dramatischen Rückgang im Bestand von Bienen, Fliegen, Käfern, Schmetterlingen», sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Der natürliche Lebensraum der Insekten schwinde «beängstigend schnell».

Als eine weitere Ursache für den Insektenrückgang nannte Jessel Lichtverschmutzung. «Schon eine einzige Straßenlampe in der Nähe eines Gewässers entfaltet einen sogenannten Staubsaugereffekt.» Sie ziehe in einer Nacht so viele Köcherfliegen an, wie in einem Gewässerstreifen von 200 Metern Breite schlüpften. Die Tiere schwirren dann um die Lichtquelle herum, bis sie schließlich erschöpft zu Boden fallen oder zur leichten Beute für Fledermäuse werden.

Insekten gelten als «Dienstleister am Ökosystem», denn sie bestäuben Obstbäume und Gemüsepflanzen, zersetzen Aas, Totholz und Kot. Außerdem sind sie eine Nahrungsquelle vieler anderer Tiere, etwa von Vögeln. Auch deren Zahl hat in den vergangenen Jahren stark abgenommen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
07. 11. 2018
21:09 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundesamt für Naturschutz Deutsche Presseagentur Insekten Landwirtschaftspolitik Mücken Svenja Schulze
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Bauernproteste

22.10.2019

Bauern protestieren - Schulze mahnt mehr Insektenschutz an

Tausende Bauern wollen in vielen Städten gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung demonstrieren. Allein in Bonn werden bis zu 10.000 erwartet. Die Umweltministerin pocht unverdrossen auf ein Thema, das den Landwirten e... » mehr

Insektenschwund

30.10.2019

Weitere Belege für massiven Insektenschwund in Deutschland

Viel wird seit einiger Zeit diskutiert über den dramatischen Insektenschwund und seine Ursachen. Doch belastbare Daten sind rar. Eine Studie zu drei Naturregionen Deutschlands liefert wertvolle neue Zahlen. » mehr

Bauernprotest in Nürnberg

18.01.2020

Ärger um rechtsextreme Symbole auf Nürnberger Bauern-Demo

Tausende Landwirte demonstrierten am Freitag in Nürnberg gegen Vorwürfe, sie seien für Umweltverschmutzung und Klimawandel verantwortlich. Doch einige Teilnehmer versuchten wohl, den Protest noch für ganz andere Parolen ... » mehr

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen

11.12.2019

Von der Leyen vergleicht «Green Deal» mit der Mondlandung

Nur elf Tage nach Amtsantritt legt die EU-Kommission ein ehrgeiziges neues Klimaziel vor - und erste Pläne für die Umsetzung. Doch noch warten viele Widerstande. » mehr

Kernkraftwerk Philippsburg

16.01.2020

Fahrplan für Kohleausstieg steht: Milliarden für Betreiber

Der Weg zum Ende der Kohleverstromung in Deutschland ist nach langem Ringen abgesteckt. Die Kohleländer bekommen Strukturhilfen, die Energiekonzerne Entschädigungen für stillgelegte Kraftwerke. Eine weitere Entscheidung ... » mehr

Svenja Schulze

07.01.2020

Schulze begrüßt Rückgang der CO2-Emissionen

Deutschland könnte 2019 deutlich weniger Treibhausgas produziert haben als zuvor. Die Umweltministerin sieht das als Bestätigung für den Kurs der Bundesregierung. Ein Ressort nimmt Schulze aber erneut in die Pflicht. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Büttensitzung Zeiler Narrenzunft

Büttensitzung Zeiler Narrenzunft | 20.01.2020 Ralf Naumann
» 12 Bilder ansehen

Büttenabend Wallenfels

Büttenabend in Wallenfels | 20.01.2020 Wallenfels
» 30 Bilder ansehen

BBC Coburg - Orange Academy 93:70 Coburg

BBC Coburg - Orange Academy 93:70 | 19.01.2020 Coburg
» 69 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
07. 11. 2018
21:09 Uhr



^