Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Brennpunkte

Separatisten im Süden bringen Aden unter ihre Kontrolle

Im Winter gab es noch Hoffnungen, dass die Wogen zwischen der Regierung des Jemen und den Separatisten im Süden sich glätten. Jetzt heizt sich ihr simmernder Konflikt wieder an. Und der eigentlich gemeinsame Kampf gegen die Huthi-Rebellen wird noch schwieriger.



Brand Wohnhaus Lichte
Separatisten des sogenannten Südlichen Übergangsrats fahren durch Aden (Archiv).   Foto: Privat

Im Jemen spitzt sich die Krise zwischen der Regierung und den Separatisten im Süden des Landes wieder zu. Die Separatisten des sogenannten Südlichen Übergangsrats brachen mit einem zuvor ausgehandelten Friedensabkommen und brachten die Hafenstadt Aden vollständig unter ihre Kontrolle.

Der Rat rief am späten Samstagabend den Notstand aus und erklärte, die strategisch wichtige Stadt ab sofort selbst zu verwalten. Die international anerkannte Regierung von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi, die in Aden ihren Sitz hat, warnte vor «katastrophalen Folgen». Sie sprach am Sonntag von einer «eindeutigen Revolte und einem Putsch». Zugleich forderte sie die Weltgemeinschaft auf, den Schritt der Separatisten zu verurteilen.

Die Separatisten und die Hadi-Regierung kämpfen im Land eigentlich gemeinsam gegen die schiitischen Huthi-Rebellen. Diese hatten den Jemen 2014 überrannt. Trotz des gemeinsamen Feindes war ihr Bündnis stets wacklig. Schon im Sommer wurden Rufe der Separatisten nach einer erneuten Abspaltung vom Norden wieder lauter - der Nord- und Südjemen hatten sich erst 1990 zu einem Staat zusammengeschlossen. Die Hadi-Regierung hat in Aden eigentlich vorübergehend ihren Sitz, seit die Huthis sie aus der Hauptstadt Sanaa vertrieben.

Schon vergangenen August wurde der interne Konflikt deutlich, als Einheiten des Übergangsrats Aden einnahmen und die Regierung von dort vertrieben. Experten warnten seinerzeit vor einem «Bürgerkrieg im Bürgerkrieg». Im November einigten sich beide Seiten nach monatelangen Kämpfen zwar auf einen Friedensplan. Danach sollte die Regierung unter anderem zurück nach Aden ziehen und die Separatisten in die regulären Streitkräfte eingegliedert werden.

Beide Seiten warfen sich nun vor, Details des in Riad geschlossenen Abkommens nicht oder nicht zügig genug umgesetzt zu haben. Der Südliche Übergangsrat werde verantwortlich sein für die «gefährlichen und katastrophalen Folgen» der nun angekündigten Selbstverwaltung von Aden, schrieb der jemenitische Außenminister Mohammed al-Hadrami bei Twitter.

Mehrere Provinzen sprachen sich gegen den aus ihrer Sicht «unverantwortlichen» Schritt des Rats aus. Es handle sich um einen Rechtsbruch und einen Verstoß gegen das Abkommen von Riad, teilten etwa die Verwaltungen der Provinz Hadramut mit, die von der Regierung kontrolliert wird. Gleichzeitig versammelten sich mit den Separatisten verbündete Einheiten in Aden, wie Augenzeugen berichteten.

Der Konflikt zeigt auch Brüche im Bündnis aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, die 2015 gemeinsam Angriffe gegen die Huthis begannen. Beide Staaten verfolgen unterschiedliche Ziele im Jemen: Saudi-Arabien unterstützt die Hadi-Regierung und will die vom Iran unterstützten Huthis im Nord zurückdrängen, die von dort mit Raketen und Drohnen immer wieder in Saudi-Arabien angreifen. Die Emirate wollen dagegen den Hafen von Aden und den dortigen Handelsweg kontrollieren. Sie unterstützen die Separatisten im Süden.

In Aden kam es am Samstag laut Augenzeugen zu Protesten wegen schlechter öffentlicher Dienste. Berichten zufolge zogen Hunderte auf die Straße, nachdem die Stromversorgung mehrere Tage unterbrochen worden war. Hintergrund sind schwere Überschwemmungen nach starkem Regen, bei denen in Aden mindestens zehn Menschen ums Leben kamen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
26. 04. 2020
20:27 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abed Rabbo Mansur Hadi Aufstände und Revolutionen Bürgerkriege Friedensverträge Hafenstädte Hochwasser und Überschwemmung Südjemen Twitter
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Im Oval Office

11.09.2020

Trump: Auch Bahrain normalisiert Beziehungen zu Israel

Donald Trump wirbt im Wahlkampf mit seiner Israel-freundlichen Nahost-Politik. Nun verkündet er einen weiteren «historischen Durchbruch». Der US-Präsident spricht bereits von einem möglichen Frieden im Nahen Osten. » mehr

Krieg im Jemen

09.04.2020

Jemen-Krieg: Saudisches Militärbündnis kündigt Waffenruhe an

Offiziell sind im Jemen noch keine Coronavirus-Fälle gemeldet. Nun will Saudi-Arabien dort überraschend die Waffen schweigen lassen, um der Pandemie entgegenzuwirken. Tatsächlich könnte das Virus für Riad ein Ausweg aus ... » mehr

Gotabhaya Rajapaksa

07.08.2020

Deutliche Mehrheit für Sri Lankas Regierungspartei

Der Präsident hatte seine Bürger aufgefordert, ihm eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament zu verschaffen. Die Bürger haben fast auf ihn gehört. Die Macht des starken Mannes an der Spitze wächst. » mehr

Husni Mubarak

25.02.2020

Ägyptens Ex-Machthaber Husni Mubarak ist tot

Er stand länger an der Staatsspitze als jeder andere Präsident Ägyptens. Die Welt schaute auf sein Land, als Massenproteste Husni Mubarak im Jahr 2011 schließlich aus dem Amt zwangen. Fast zehn Jahre nach den arabischen ... » mehr

Überschwemmungen im Jemen

09.08.2020

Regen und Übeschwemmungen im Jemen: Mehr als 130 Tote

Schwere Regenfälle und Überschwemmungen haben im Bürgerkriegsland Jemen zu lebensgefährlichen Fluten mit mehr als 130 Toten geführt. Mindestens 120 weitere seien mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden, teilt da... » mehr

Rodrigo Londoño

13.01.2020

Attentat gegen Farc-Parteichef vereitelt

Eine Splittergruppe der Farc-Guerilla plante ein Attentat auf Rodrigo Londoño. Die kolumbianische Polizei konnte noch rechtzeitig eingreifen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Parking Day in Coburg

Parking Day in Coburg | 18.09.2020 Coburg
» 23 Bilder ansehen

Schaeffler Aktionstag in Eltmann Eltmann

Schaeffler Aktionstag in Eltmann | 16.09.2020 Eltmann
» 7 Bilder ansehen

WG: Totschlags-Prozess Coburg

Gerichtsprozess in Coburg | 14.09.2020 Coburg
» 16 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
26. 04. 2020
20:27 Uhr



^