Lade Login-Box.
Corona Ticker
Topthemen: CoronavirusVideosCoburger OB-Kandidaten vor der KameraCotubeBlitzerwarner

Brennpunkte

Spahn: Mindestens 14 Euro Stundenlohn für Pflegefachkräfte

Pflegerinnen und Pfleger werden in Deutschland händeringend gesucht. Doch der Verdienst macht den Beruf nicht eben attraktiv. Das soll sich ändern. Gesundheitsminister Spahn nennt eine Hausnummer - und zieht damit Kritik auf sich.



Jens Spahn
Gesundheitsminsiter Jens Spahn (CDU) will für Pflegekräfte einen Mindestlohn von 14 Euro.   Foto: Kay Nietfeld

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will für Pflegefachkräfte einen Monatslohn von mindestens 2500 Euro erreichen und damit besonders Beschäftigte in Ostdeutschland besserstellen.

Dem ARD-Hauptstadtstudio sagte der CDU-Politiker zur Höhe eines Mindestlohns in der Pflege: «Gute 14 Euro - und das ist immer noch wirklich ein Mindestlohn.» Spahn wies darauf hin, dass dies für viele Beschäftigte eine erhebliche finanzielle Verbesserung wäre: «Gerade in der Altenpflege verdienen Zigtausende zum Teil deutlich weniger als diese 2500 Euro.»

Laut Bundesgesundheitsministerium verdienten Fachkräfte in der Altenpflege 2017 in Westdeutschland im Schnitt 2855 Euro brutto und in Ostdeutschland 2356 Euro. Für Pflegehilfskräfte betrug das Durchschnittseinkommen im Westen 2026 und im Osten 1759 Euro.

Der Mindestlohn für Hilfskräfte in der Altenpflege liegt derzeit bei 11,05 Euro pro Stunde im Westen und in Berlin, im Osten sind es 10,55 Euro. Der allgemeine gesetzliche Mindestlohn beträgt derzeit 9,19 Euro in der Stunde.

Das Bundeskabinett hatte im Juni ein Gesetz für höhere Löhne in der Alten- und Krankenpflege auf den Weg gebracht. Ziel ist es, dass möglichst in der gesamten Pflegebranche künftig Tariflöhne gezahlt werden. Gelingt dies nicht, sollen die geltenden Mindestlöhne in der Pflege angehoben und in Ost und West vereinheitlicht werden. Das Gesetz soll im Herbst vom Bundestag verabschiedet werden.

Im Bereich Alten- und Krankenpflege arbeiten rund 1,6 Millionen Menschen. Es sind aber fast 40.000 Stellen unbesetzt - doch die Zahl Pflegebedürftiger wächst. Nach einer noch unveröffentlichten Krankenhausstudie der Unternehmensberatung Roland Berger, aus der die «Wirtschaftswoche» zitiert, suchen allein die rund 1900 Krankenhäuser etwa 30.000 Pflegerinnen und Pfleger. Gut jedes zehnte Krankenhaus (11 Prozent) befürchte, dass es Betten in Intensivstationen sperren müsse, oder dass die Stationen ganz infrage stünden.

Die bislang vergleichsweise schlechte Bezahlung ist einer der Gründe dafür, dass der Pflegeberuf unattraktiv ist. Offen ist noch, wie die steigenden Kosten in der Pflege - auch durch höhere Löhne - finanziert werden sollen.

Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums sagte am Freitag, noch sei nicht klar, wie hoch die Kosten ausfallen würden. Wenn dies bekannt sei, «werden wir ein tragfähiges Finanzierungskonzept dazu vorlegen». Vereinbart sei, dass Pflegebedürftige und ihre Angehörigen nicht überlastet werden sollen.

Der Vorsitzende des Arbeitgeberverbands bpa, Rainer Brüderle, warf dem Gesundheitsminister vor, er werfe «eine völlig willkürlich gegriffene Zahl in den Raum». Man frage sich zudem, warum eine Kommission von Fachleuten einberufen werden soll, um einen Pflegemindestlohn festzulegen, wenn Spahn schon jetzt politische Vorgaben mache. «Statt populistisch über Zahlen zu fabulieren, sollte der Bundesgesundheitsminister seiner ureigensten Aufgabe nachkommen und endlich Vorschläge vorlegen, wie höhere Löhne finanziert werden.»

Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz mahnte eine Finanzierungskonzept an. Gehälter unter 16 Euro pro Stunde dürfe es in der Altenpflege nicht geben, sagte ihr Vorstand Eugen Brysch der dpa. «Der Gesundheitsminister muss jetzt erklären, dass die berechtigten Lohnsteigerungen nicht von den Pflegebedürftigen gezahlt werden können. Denn die Betroffenen sind am Limit. Es ist unverantwortlich, dass Jens Spahn hierzu schweigt.» Der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe vermisste ebenfalls «verbindliche Antworten» Spahns auf die Finanzierungsfrage.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
05. 07. 2019
15:22 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitgeberverbände Bundesgesundheitsminister Bundeskabinett Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung Deutsche Presseagentur Deutscher Bundestag Fachkräfte Gesundheitsminister Jens Spahn Krankenpflege Löhne und Einkommen Mindestlohn Rainer Brüderle Roland Berger Strategy Consultants Seniorenpflege Stundenlöhne Tarife (Löhne und Einkommen)
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Kliniken rüsten sich für Ansturm

21.03.2020

Streit um Milliardenhilfe für Kliniken

Was brauchen die Kliniken in der Coronavirus-Krise? Der Gesundheitsminister wollte rund drei Milliarden Euro zusätzlich geben - und löste einen Proteststurm bei den Krankenhäusern aus. » mehr

Jens Spahn in Pristina

29.01.2020

Rund 5800 ausländische Pflegekräfte in Deutschland

Pflege in Not: Tausende Pflegekräfte sind in den vergangenen Jahren angeworben worden. Höhere Löhne sollen die Pflege zudem attraktiver machen. Das kostet Milliarden. » mehr

Abstrichbesteck

05.03.2020

Keine pauschalen Schulschließungen in Deutschland geplant

Zwangsferien wegen Coronavirus? Was in Italien seit heute Realität ist, ist in Deutschland zurzeit nicht geplant. Um die Ausbreitung des Virus zu stoppen, schotten einige Länder sich zunehmend ab - und verwehren Besucher... » mehr

Hilfe für Kliniken

23.03.2020

Milliardenhilfe für Kliniken und Praxen in Corona-Krise

Die Krankenhäuser rüsten sich für eine größere Zahl an Patienten mit dem Coronavirus. Das kostet zusätzlich, während anderswo Einnahmen ausfallen - ebenso in Praxen. Dafür soll nun ein Schutzschirm kommen. » mehr

Berlin

26.03.2020

Breite Zustimmung für beschlossene Corona-Maßnahmen

Die im Kampf gegen das Coronavirus erlassene Kontaktsperre trifft auf breite Zustimmung in der Bevölkerung - obwohl sie die persönliche Freiheit massiv einschränkt. Die Regierung erwägt Quarantäne für Passagiere von Flüg... » mehr

Im Pflegeheim

19.06.2019

Pflegekräfte sollen mehr Geld bekommen

Immer mehr Menschen sind auf Pflege angewiesen, aber es gibt zu wenige, die den Job machen wollen. Heute will die Bundesregierung darum ein Gesetz zur besseren Bezahlung von Pflegerinnen und Pflegern auf den Weg bringen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Stichwahl in Coburg Coburg

Stichwahl 2020 Coburg und Kronach | 29.03.2020 Coburg
» 22 Bilder ansehen

Rad-Reisebericht

Ehepaar aus den Haßbergen erkundet Jerusalem mit Rad | 24.03.2020 Jerusalem
» 15 Bilder ansehen

SPD-Wahlparty in der Loreley Coburg

Kommunalwahl 2020 Coburg | 15.03.2020 Coburg
» 27 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
05. 07. 2019
15:22 Uhr



^