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Spektakuläre Flucht in Kanada: Mordverdächtige sind tot

Zwei junge Männer, drei Morde und eine filmreife Flucht auf Straßen und Flüssen über Tausende Kilometer in der kanadischen Wildnis: Die Suche nach zwei Teenagern, die ein ganzes Land in Atem hielt, scheint nun vorbei. Doch es bleiben Fragen.



Pressekonferenz
Polizeisprecherin Jane MacLatchy bei einer Pressekonferenz in Winnipeg zum Fund der Leichen.   Foto: David Lipnowski/The Canadian Press/AP

Die Suche ist vorbei»: Nach drei Morden und einer spektakulären Flucht durch halb Kanada hat die Polizei die Leichen von zwei tatverdächtigen jungen Männern gefunden.

Die beiden Teenager hatten das Land in Nordamerika in den vergangenen drei Wochen in Atem gehalten, bis sie am Mittwoch schließlich nahe dem Fluss Nelson in der zentralkanadischen Provinz Manitoba gefunden wurden. Letzte Sicherheit über die Identität der Toten soll eine Obduktion bringen.

Die Flucht der Teenager, die heute beide 19 Jahre alt wären, war filmreif: Alles begann mit einem Mord an einem jungen Touristenpärchen, sie 24 und aus den USA, er 23 und aus Australien, im Norden der Pazifikprovinz British Columbia. Einige Autostunden entfernt wurde dann die Leiche eines 64 Jahre alten kanadischen Botanik-Lehrers gefunden - nur zwei Kilometer entfernt von dem ausgebrannten Wohnmobil, in dem die beiden Männer unterwegs gewesen sein sollen.

Die Verdächtigen sollen den Geländewagen des Botanik-Lehrers gestohlen haben - sie tauchten erst Tage später und knapp 2000 Kilometer entfernt in der Provinz Alberta wieder auf, wo der Fluchtwagen gesichtet wurde. Einige Hinweise ließen vermuten, dass sie weiter Richtung Osten unterwegs waren, oft abseits der großen Straßen, um der Polizei nicht ins Netz zu gehen.

Der Fall entwickelte sich zu Kanadas größter Menschenjagd seit vielen Jahren mit Schlagzeilen und Sonderberichten Tag für Tag. Bei der Royal Canadian Mounted Police gingen mehr als 1000 Hinweise aus der Bevölkerung ein, um die beiden mutmaßlichen Mörder in dem riesigen Land mit fast zehn Millionen Quadratkilometern Fläche und dichten Wäldern zu finden.

Die Polizei suchte mit Hunden, Drohnen, Hubschraubern und sogar Militärflugzeugen und konzentrierte sich zuletzt auf die Region um die 1000-Einwohner-Gemeinde Gillam, fernab der sonstigen Zivilisation im Norden der Provinz Manitoba. Dort - nach etwa 3000 Kilometern Flucht aus British Columbia - war der ausgebrannte Geländewagen gefunden worden. Die zurückgelegte Strecke aus British Columbia bis nach Gillam entspricht in etwa dem Weg von Lissabon nach Berlin.

Doch die Spur verlor sich wieder, und in Manitoba ging die Angst um. In dem kaum bewohnten, tundraartigen Gebiet gab es kein anderes Thema mehr als die beiden mutmaßlichen Mörder, die sich irgendwo in der Wildnis versteckt halten und neue Opfer suchen könnten. Es wurde gemutmaßt, dass die beiden in der kargen Landschaft verhungert oder von einem Bären gefressen worden sein könnten. Züge wurden von schwer bewaffneten Polizisten durchsucht, um die Flucht der Männer als blinde Passagiere zu verhindern.

Schließlich, Anfang August, entdeckten Beamte aus einem Hubschrauber heraus ein beschädigtes Boot am nahen Fluss Nelson, der in die Hudson Bay fließt. Die Polizei sprach davon, dass «mehrere Gegenstände mit direktem Bezug zu den Verdächtigen» gefunden wurden. Teams begannen, das Gebiet drumherum abzusuchen, und vermeldeten am Mittwoch (Ortszeit) den Durchbruch: «Um zehn Uhr heute Morgen haben Polizisten aus Manitoba die Leichen zweier Männer gefunden, von denen angenommen wird, dass sie die Verdächtigen aus British Columbia sind», teilte die Polizei mit.

Die Erleichterung im ganzen Land ist nun groß. Doch es bleiben offene Fragen. Die nach der zweifelsfreien Identität und der Todesursache soll eine Obduktion in der Provinzhauptstadt Winnipeg beantworten. Schwieriger dürfte es werden, die Motive der beiden Männer zu klären. Warum mussten drei Menschen sterben? Das fragt sich nicht nur Kanada.

Spuren dazu könnten sich in der Biografie der jungen Männer finden. Sie stammten aus dem Ort Port Alberni auf der Pazifikinsel Vancouver Island. Nachdem sie mit der Schule fertig waren und ihre Jobs in einem Supermarkt schmissen, machten sie sich am 12. Juli auf, um anderswo «richtig Geld» zu machen. Stattdessen mordeten sie offenbar - und fanden schließlich selbst den Tod.

Veröffentlicht am:
08. 08. 2019
16:23 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
08. 08. 2019
16:23 Uhr



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