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Spenden - wie viel Geld kommt an?

Bei Hilfsorganisationen fließt zu viel Geld in die Verwaltung - und die Hilfsbedürftigen gehen nahezu leer aus. Diesen Eindruck haben manche Menschen. Mit Recht?



Spendenjahr 2018 - Spendenaufrufe
Wie viel Geld für die Projektarbeit eingesetzt wird, hängt davon ab, welcher Organisation man spendet.   Foto: Stephanie Pilick

In Deutschland spenden Privatleute jährlich schätzungsweise rund fünf Milliarden Euro. Dabei sind Großspenden von mehr als 2500 Euro nicht berücksichtigt.

Aber funktioniert bei den Organisationen eigentlich alles so, wie es soll? Faktencheck einer verbreiteten These.

BEHAUPTUNG: Von Spenden kommt kaum etwas bei Hilfsbedürftigen an.

BEWERTUNG: Nicht haltbar. Wie viel Geld für die Projektarbeit eingesetzt wird, hängt davon ab, welcher Organisation man spendet.

FAKTEN: «Der weitaus größte Teil der Organisationen in Deutschland arbeitet seriös», urteilt Burkhard Wilke, der wissenschaftliche Leiter des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI). Das Institut vergibt ein anerkanntes Spenden-Siegel für gemeinnützige Organisationen. Aktuell dürfen 231 das Siegel tragen.

Eine wichtige Anforderung ist, dass eine Organisation ihre Mittel nachweislich sparsam verwendet. Bedeutet: Die Ausgaben für Werbung und Verwaltung betragen in der Regel nicht mehr als 30 Prozent der gesamten Ausgaben. Tatsächlich liegen sie bei den aktuellen Siegel-Trägern durchschnittlich bei 13 Prozent, so Wilke. Weitere Kriterien für das Siegel sind wahre, sachliche Werbung sowie ein unabhängiges Aufsichtsorgan.

Unter den Siegel-Trägern sind viele große Hilfsorganisationen wie etwa das Deutsche Rote Kreuz, Ärzte ohne Grenzen und die Deutsche Welthungerhilfe. Letztere wird in der Datenbank des DZI als Organisation mit niedrigen Werbe- und Verwaltungskosten geführt. Ein Blick in den Jahresabschluss 2017 bestätigt dies: Von den gesamten Ausgaben der Welthungerhilfe gingen 92,8 Prozent direkt an Projekte (Projektförderung und Projektbegleitung). Weitere 1,5 Prozent flossen in die Bildungs- und Aufklärungsarbeit. Und nur 5,7 Prozent wurden für Werbung und Verwaltung ausgegeben.

Kein Siegel, lieber keine Spende - das ist aber auch ein falscher Schluss. Das DZI überprüft nur Vereinigungen, die in den vergangenen beiden Geschäftsjahren mindestens 25.000 Euro jährlich eingenommen haben. Kleine, regional arbeitende Vereinigungen mit geringeren Einnahmen können das Siegel also nicht beantragen. Was natürlich nicht heißt, dass man diese nicht finanziell unterstützen sollte. Das Logo der «Initiative Transparente Zivilgesellschaft» ist ein guter Anhaltspunkt dafür, dass eine gemeinnützige Organisation grundlegende Transparenz-Kriterien erfüllt.

Manche Organisationen entscheiden sich wegen der Kosten des DZI-Siegels dagegen, es zu beantragen. Eine Beispiel-Rechnung: Wer Gesamteinnahmen von einer Million Euro im Jahr hat, muss für den Erstantrag gut 1600 Euro zahlen. Und danach jährlich gut rund 1000 Euro für die Verlängerung.

Auch unabhängig vom Siegel bewertet das DZI die Arbeit von Hilfsorganisationen. So rät das Institut derzeit bei 23 Organisationen vom Spenden ab. Dabei beruft es sich etwa darauf, dass aussagekräftige Informationen über die Arbeit einer Vereinigung nicht zugänglich sind. Oder aber es gab wiederholt Hinweise, dass eine Organisation beim Spendensammeln unangemessen vorgeht.

Apropos Sammeln: Ernsthafte Hürden für das Bitten um Spenden auf der Straße oder an der Haustür gibt es in nur drei Bundesländern. In Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Thüringen braucht man dafür eine Genehmigung. Festgelegt ist das in Sammlungsgesetzen. Die restlichen Länder schafften diese im Laufe der Zeit ab. Allerdings bedeutet die fehlende Aufsicht nicht automatisch, dass auf der Straße vor allem unseriöse Organisationen unterwegs sind. Betrug sei grundsätzlich bei allen Formen des Spenden-Sammelns möglich, so Wilke.

Nichtsdestotrotz begrüßt das DZI eine Kontrolle wie in Rheinland-Pfalz. Dort erlasse die Aufsichtsbehörde regelmäßig Sammlungsverbote, wodurch die Bevölkerung vor unseriösen Organisationen geschützt werde. Im Bundestag wurde indes im vergangenen Jahr ein Antrag der Grünen-Fraktion abgelehnt, der unter anderem darauf abzielte, in allen Bundesländern eine Sammlungsaufsicht nach dem Vorbild von Rheinland-Pfalz zu etablieren.

Veröffentlicht am:
27. 11. 2018
14:22 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
27. 11. 2018
14:22 Uhr



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