Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Brennpunkte

Stockholm setzt nach Anschlag Zeichen gegen Gewalt

Mitten in Stockholm trotzen Tausende dem Terror. Nach dem Lkw-Anschlag hat die Polizei inzwischen zwei Verdächtige festgenommen. Einer von ihnen sollte abgeschoben werden.



Trauer in Stockholm
Passanten haben Blumen an einer Absperrung vor dem Stockholmer Kaufhaus Åhléns City befestigt. Foto: Kenta Jönsson/Bildbyran via ZUMA Wire   » zu den Bildern

Nach dem Lkw-Anschlag haben tausende Menschen in Stockholm ein Zeichen gegen Gewalt und Terror gesetzt. Bei einer Kundgebung auf einem zentralen Platz in der schwedischen Hauptstadt gedachten sie am Sonntag der vier Todesopfer mit einer Schweigeminute.

Die Polizei geht davon aus, dass ein 39-jähriger Usbeke am Freitag mit einem Lkw in einer Einkaufsstraße in eine Menschenmenge gerast war. Der Mann hat sich nach Behördenangaben einer Abschiebung entzogen und Sympathien für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und andere «extreme Organisationen» gezeigt. Die Ermittler nahmen derweil am Sonntag eine zweite Person unter Terror- und Mordverdacht fest.

Bei dem mutmaßlichen Terroranschlag in der belebten Stockholmer Drottninggatan waren vier Menschen getötet worden, 15 wurden verletzt. Zwei der Toten stammten den Behörden zufolge aus Schweden, die anderen beiden aus Großbritannien und Belgien. Mehr Angaben zu den Opfern machte die Polizei aus Rücksicht auf die Angehörigen nicht bekannt.

«Wir haben leider beim Attentat von Stockholm eine Landsmännin verloren», teilte Belgiens Außenminister Didier Reynders am Sonntag auf Twitter mit. Der Engländer war ein langjähriger Mitarbeiter des Musik-Streamingdienstes Spotify, wie dessen Gründer Daniel Ek am Sonntag in einem Facebook-Post bestätigte. «Es gibt keine Worte um zu beschreiben, wie sehr wir ihn vermissen werden und wie traurig wir sind, ihn auf diese Weise verloren zu haben», schrieb Ek. Bei den beiden Schweden soll es sich laut Medienberichten um ein elfjähriges Mädchen und eine Frau aus Westschweden gehandelt haben.

Der Anschlag war nach London und St. Petersburg der dritte in Europa innerhalb von drei Wochen.

In der Nähe des Anschlagsortes in Stockholm versammelten sich am Sonntagnachmittag Tausende zu einer «Liebes-Kundgebung». Um 14.53 Uhr, der Uhrzeit des Anschlags vom Freitag, war es auf dem Platz komplett still. Viele hielten sich an den Händen und weinten. Am Montag soll es eine landesweite Schweigeminute geben.

Die Beweislage gegen den am Freitag festgenommenen 39-Jährigen habe sich erhärtet, sagte Jan Evensson von der Stockholmer Polizei. «Die Ermittlungen laufen sehr gut.» Den Ermittlern zufolge beantragte der Mann 2014 eine Aufenthaltsgenehmigung in Schweden. Im Juni 2016 entschied die Migrationsbehörde demnach, ihn auszuweisen. Da er das Land nicht verließ, wurde nach ihm gesucht. Details zu der zweiten Festnahme gab die Staatsanwaltschaft zunächst nicht bekannt.

Auch der Attentäter vom Berliner Weihnachtsmarkt, der als islamistischer Gefährder eingestufte Anis Amri, war ausreisepflichtig. In Deutschland wird vor allem darüber gestritten, ob Behörden Möglichkeiten versäumten, ihn rechtzeitig festzusetzen und abzuschieben. Amri war ebenfalls mit einem Lkw in Menschen gefahren. Er tötete insgesamt zwölf Menschen.

Die schwedische Polizei sucht derweil weiter nach möglichen Helfern des mutmaßlichen Attentäters. «Wir haben viele Kontrollen durchgeführt und Wohnungen in Stockholm durchsucht», sagte Evensson. «Ungefähr fünf» Personen würden festgehalten. Etwa 500 Menschen seien befragt worden.

Der Verdächtige aus Usbekistan war am Samstag zum ersten Mal verhört worden. Ob er sich dabei zu seinem Motiv äußerte, wollte die Polizei nicht sagen. Die Ermittler untersuchten außerdem einen verdächtigen Gegenstand, der auf dem Lkw-Fahrersitz gefunden worden war. Medien hatten spekuliert, es könnte sich um eine Bombe handeln. Das bestätigte die Polizei nicht.

Die schwedische Polizei will künftig verstärkt Präsenz zeigen. Zehn Tage lang sollen zudem alle Ausreisenden an den Grenzen kontrolliert werden.

Schwedens König Carl XVI. Gustaf verurteilte den Lkw-Anschlag am Wochenende als «verachtenswürdig». Doch ihm gebe Hoffnung, «dass all diejenigen unter uns, die helfen wollen, viel zahlreicher sind als diejenigen, die uns schaden wollen», sagte der Monarch vor dem Königspalast in der Hauptstadt. Carl Gustaf und seine Frau, Königin Silvia, hatten eine Brasilien-Reise abgebrochen und waren nach dem Anschlag nach Schweden zurückgekehrt.

Papst Franziskus gedachte der Opfer der jüngsten Terroranschläge in Schweden und Ägypten bei seinem Angelus-Gebet zum Palmsonntag.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
09. 04. 2017
21:25 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abschiebungen Anis Anschläge António Guterres Attentäter Aufenthaltserlaubnis Ausreisepflicht Auswärtiges Amt Bundeskriminalamt Deutsche Presseagentur Didier Reynders Ermittler Europol Facebook Festnahmen Finnisches Außenministerium Frank-Walter Steinmeier Hauptstädte von Staaten und Teilregionen Interpol Islamischer Staat Islamistischer Fundamentalismus Jean-Claude Juncker Jens Stoltenberg Olof Palme Papst Franziskus I. Polizei Real Madrid Schwedische Regierungen Steffen Seibert Twitter UNO Victoria von Schweden Wladimir Wladimirowitsch Putin
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Zerstört

22.04.2019

Nach Anschlägen: Islamisten aus Sri Lanka unter Verdacht

Es war die tödlichste Attacke in Sri Lanka seit dem Ende des Bürgerkrieges vor zehn Jahren. War eine islamistische Gruppe für die Anschlagsserie verantwortlich? Und wurden Hinweise auf die Taten ignoriert? Die Angriffe m... » mehr

Anis Amri

12.12.2019

BKA spielte Anschlagsrisiko durch Anis Amri herunter

Warum wurde der spätere Weihnachtsmarkt-Attentäter nicht engmaschig überwacht oder festgenommen? Das könnte auch mit einer Einschätzung des BKA zusammenhängen. Die Behörde schürte Anfang 2016 Zweifel an der Glaubhaftigke... » mehr

Annegret Kramp-Karrenbauer

24.10.2019

Nato reagiert verhalten auf Kramp-Karrenbauers Syrien-Plan

In Deutschland musste die Verteidigungsministerin für ihren Syrien-Plan viel Kritik einstecken. Auch auf dem internationalen Parkett löst Annegret Kramp-Karrenbauer damit keine Begeisterung aus. Aber zumindest stößt sie ... » mehr

Am Tatort

01.12.2019

Boris Johnson gibt Labour Mitschuld an London-Attentat

Zwei Tage nach dem Terrorlauf an der London Bridge mit zwei Opfern kehrt die britische Politik in den Wahlkampfmodus zurück. Gefeiert werden die Männer, die sich dem Attentäter mit einem Narwal-Stoßzahn, einem Feuerlösch... » mehr

Synagoge

10.10.2019

Seehofer garantiert Juden nach Anschlag Sicherheit

Vier Schusswaffen, Sprengsätze, Bekennervideo und ein «Manifest». Für die Ermittler gibt es keinen Zweifel: Der rechtsextremistische Schütze von Halle plante ein Massaker in der Synagoge mit weltweiter Wirkung. Und die B... » mehr

Militäroffensive der Türkei

15.10.2019

Trump kündigt Sanktionen gegen Türkei an

Die USA können die türkische Wirtschaft stilllegen, wenn sie wollen - das war die Drohung der US-Regierung an die Türkei. Wegen der umstrittenen Militäroffensive in Nordsyrien will sie nun Ernst machen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Tödlicher Unfall bei Gleisenau Gleisenau

Tödlicher Unfall bei Gleisenau | 12.12.2019 Gleisenau
» 5 Bilder ansehen

Schwerer Unfall auf der B 303 Ebersdorf

Unfall auf der B 303 | 12.12.2019 Ebersdorf
» 16 Bilder ansehen

Brand in Kronach

Brand in Kronach | 12.12.2019 Kronach
» 8 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
09. 04. 2017
21:25 Uhr



^