Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

Brennpunkte

Südafrikas Regierungspartei ANC droht bei Wahlen Denkzettel

Millionen Südafrikaner haben friedlich abgestimmt. Doch im Land herrscht Katerstimmung. Die regierende Partei ANC muss daher bei der Parlamentswahl mit Stimmverlusten rechnen. Profitieren könnte vor allem eine Partei linksgerichteter Populisten.



Stimmabgabe
Südafrika wählt die 400 Abgeordneten des Parlaments sowie Provinzvertretungen.   Foto: Jerome Delay/AP » zu den Bildern

Nach 25 Jahren an der Macht muss Südafrikas Regierungspartei ANC bei der Parlamentswahl mit einem Rückschlag rechnen. Viele Bürger sind nach Jahren der Korruptionsskandale, hoher Arbeitslosigkeit und anhaltender Armut enttäuscht vom Afrikanischen Nationalkongress (ANC).

Präsident Cyril Ramaphosa warb bei der Stimmabgabe um das Vertrauen der Wähler, um das Land auf Reformkurs zu bringen und die Korruption zu bekämpfen. «Eine Zeit des Neuanfangs ist auch eine Zeit der Hoffnung», sagte er.

Der ANC dürfte Umfragen zufolge Stimmen verlieren, kann aber erneut auf eine absolute Mehrheit hoffen. Das Parlament wird dann den Staatschef wählen, weswegen Ramaphosa eine zweite Amtszeit sicher scheint. Für sehr viele schwarze Südafrikaner käme es immer noch einem Verrat gleich, nicht für den als Partei der Befreier verehrten ANC zu stimmen. 2014 hatte sich die einst vom Anti-Apartheid-Kämpfer Nelson Mandela geführte Partei noch 62 Prozent der Stimmen gesichert. Umfragen prognostizierten nun ein Ergebnis zwischen 50 und 60 Prozent - womöglich das schlechteste Ergebnis der Partei seit 1994.

Oppositionsführer Mmusi Maimane von der Demokratischen Allianz (DA) sagte bei seiner Stimmabgabe, es sei «nach 25 Jahren gescheiterter ANC-Regierungen» Zeit für einen Wechsel. Millionen Südafrikaner hätten «leere Versprechen, Lügen und Korruption» satt, sagte Maimane in Johannesburgs Armenviertel Soweto.

Bis zum frühen Abend hatten bereits Millionen Südafrikaner friedlich abgestimmt, wie die Regierung erklärte. Insgesamt waren rund 27 Millionen Bürger aufgerufen, die 400 Abgeordneten des Parlaments in Kapstadt sowie Provinzvertretungen zu wählen. Es war die sechste Parlamentswahl seit dem Ende des rassistischen Apartheid-Regimes 1994. Mit Ergebnissen wurde nicht vor Samstag gerechnet.

Die oppositionelle DA kann mit rund 20 Prozent der Stimmen rechnen. Die Partei hat historisch großen Rückhalt bei der weißen Minderheit, die rund acht Prozent der 56 Millionen Südafrikaner ausmacht. Viele unzufriedene schwarze Südafrikaner könnten sich jedoch eher der linksgerichteten Partei der Wirtschaftlichen Freiheitskämpfer (EFF) zuwenden. Beobachter erwarten, dass die Populisten ihren Stimmanteil von zuletzt 6 Prozent deutlich ausweiten werden. Der EFF wirft der Regierung vor, nichts gegen die extreme Ungleichheit im Land getan zu haben. Die Partei fordert unter anderem Enteignungen weißer Landbesitzer und die Verstaatlichung großer Unternehmen.

Die Wahl wird auch ein Votum über das sein, was viele Südafrikas «verlorenes Jahrzehnt» nennen: Von 2009 bis 2018 regierte Präsident Jacob Zuma das Land. Unter seiner Führung florierten Korruption und Misswirtschaft; die Staatsschulden stiegen rasch, aber die Wirtschaft stagnierte und die Arbeitslosigkeit stieg weiter an. Zuma wurde schließlich vom ANC zum Rücktritt gedrängt. Sein bisheriger Vize Ramaphosa übernahm Partei- und Staatsführung. Der beliebte Politiker verspricht Reformen und einen entschlossenen Kampf gegen Korruption.

Südafrika ist die am meisten entwickelte Wirtschaft des Kontinents. Doch rund 30 Millionen Menschen - zumeist schwarze Südafrikaner - leben der Regierung zufolge in Armut. Die Arbeitslosenquote liegt nach offizieller Lesart bei über 27 Prozent. Die weiße Minderheit ist nach wie vor wesentlich besser gestellt. Die Weltbank bezeichnet Südafrika als eines der ungleichsten Länder weltweit.

Trotz der Kritik steht fest, dass ANC-Regierungen das Los der Bevölkerungsmehrheit seit 1994 deutlich verbessert haben. Es gibt im Land eine schwarze Mittelklasse, kostenfreie Gesundheitsversorgung und Millionen Menschen bekommen direkt Unterstützung vom Staat.

Der frühere Gewerkschaftsführer Ramaphosa war einst in Mandelas Auftrag für die Verhandlungen zur Beendigung des Apartheid-Regimes verantwortlich. Später ging er in die Privatwirtschaft und wurde Multimillionär, bevor er als Zumas Vizepräsident (2014-2018) wieder zurück in die Politik kam.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
08. 05. 2019
16:58 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Afrikanischer Nationalkongress Arbeitslosigkeit Armenviertel Armut Cyril Ramaphosa Gewerkschaftsbosse Jacob Zuma Nelson Mandela Parlamente und Volksvertretungen Parlamentswahlen Regierungen und Regierungseinrichtungen Regierungsparteien Staatsverschuldung Twitter Verstaatlichung Weltbank
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Stimmenauszählung

09.05.2019

Südafrikas Regierungspartei trotz Denkzettel vor Wahlsieg

Für die Regierungspartei ANC scheint das Wahlergebnis ein Denkzettel zu werden. Wegen großer Unzufriedenheit im Land rutscht der ANC erstmals unter 60 Prozent Zustimmung. Und so viele Wähler wie nie seit Beginn der Demok... » mehr

Denis Goldberg

30.04.2020

Prominenter Anti-Apartheid-Kämpfer Denis Goldberg gestorben

Jahrelang kämpfte er gegen das rassistische Apartheidregime in Südafrika. Neben Nelson Mandela wurde er verurteilt und verbrachte mehr als zwei Jahrzehnte in Haft. Denis Goldberg hinterlässt in einem noch immer gespalten... » mehr

Stimmabgabe

22.06.2020

Partei von Präsident Vucic gewinnt Parlamentswahl klar

Die Folgen der Corona-Pandemie und ein Oppositionsboykott überschatteten den Urnengang in Serbien. Die Übermacht der rechten Regierungspartei von Präsident Vucic ist erdrückend. Das Ergebnis ist ein Parlament fast ohne O... » mehr

Jerusalem

26.03.2020

In Zeiten von Corona krankt auch Israels Demokratie

Anfang März hat Israel zum dritten Mal innerhalb eines Jahres ein neues Parlament gewählt. Doch die Corona-Krise verschärft auch die Sorge um die demokratischen Grundsätze im Land. Regierungspolitiker stellen das Höchste... » mehr

Parlamentswahl in Südkorea

16.04.2020

Südkoreas Regierungspartei bei Parlamentswahl mit Sieg

Die Wahl ist ein Zeichen dafür, dass das Land den Covid-19-Ausbruch weiter gut unter Kontrolle hat. Das hilft dem gemäßigt linken Regierungslager mehr als erwartet. » mehr

Rauch über Belgrad

09.07.2020

Protest gegen Corona-Politik von Serbiens Präsident Vucic

Bis Anfang Mai galt in Serbien ein Lockdown, der strenger war als anderswo in Europa. Doch dann nahten die Parlamentswahlen und alle Einschränkungen fielen mit einem Schlag. Nun kehrt die Pandemie zurück, doch den Bürger... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Lkw bleibt in Unterführung stecken

Lkw bleibt in Unterführung stecken | 09.07.2020 Coburg
» 13 Bilder ansehen

Lagerhalle in Geiselwind brennt völlig aus Geiselwind

Lagerhalle brennt völlig aus | 23.06.2020 Geiselwind
» 31 Bilder ansehen

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen Redwitz an der Rodach

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen | 23.06.2020 Redwitz an der Rodach
» 8 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
08. 05. 2019
16:58 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.