Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

Brennpunkte

Syrien: Von Berlin geförderte Kliniken in Idlib getroffen

Die Truppen von Syriens Machthaber Baschar al-Assad wollen das letzte große Rebellengebiet einnehmen. Russische und syrische Jets fliegen regelmäßig Angriffe - und zerstören lebenswichtige Infrastruktur.



Konflikt in Syrien
Rauch steigt aus der Stadt Chan Schaichun auf.   Foto: XinHua/dpa » zu den Bildern

Bei der Regierungsoffensive auf Syriens letzte große Rebellenhochburg Idlib sind auch mehrere von Deutschland geförderte Kliniken und Helfer Ziel von Angriffen geworden.

Insgesamt seien seit April sechs unterstützte Gesundheitseinrichtungen getroffen worden, erklärten das Auswärtige Amt und das Entwicklungsministerium (BMZ) auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Sie wurden beschädigt oder zerstört.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes wurden zudem vier Krankenwagen und zwölf Zentren der Rettungsorganisation Weißhelme, die ebenfalls von Deutschland gefördert werden, bombardiert. Es habe sich um «gezielte Luftangriffe» gehandelt. Dabei habe es auch mehrere Tote gegeben, darunter Mitarbeiter von Partnerorganisationen sowie weitere Zivilisten. Komplett zerstört wurde eine früher vom BMZ unterstützte Schule.

Die Region um die Stadt Idlib im Nordwesten Syriens ist nach mehr als acht Jahren Bürgerkrieg das letzte große Gebiet unter Kontrolle von Rebellen. Dominiert werden diese von der Al-Kaida-nahen Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS). Russland als Verbündeter der Regierung sowie die Türkei als Unterstützer der Rebellen hatten Idlib zu einer sogenannten Deeskalationszone erklärt. Syriens Regierung begann jedoch im April eine Offensive und konnte mittlerweile vorrücken. In dieser Woche nahmen sie die strategisch wichtige Stadt Chan Schaichun ein.

Der Vormarsch am Boden wird von heftigen Luftangriffen syrischer und russischer Jets begleitet. Dabei werden immer wieder Kliniken getroffen. UN-Generalsekretär António Guterres ordnete Anfang August auf Bitten des Sicherheitsrates eine Untersuchung der Zerstörungen von Krankenhäusern und ähnlichen Einrichtungen in Idlib an.

Die Regierungsgegner werfen Syrien und Russland vor, gezielt Kliniken und andere lebenswichtige Infrastruktur zu bombardieren, um die Menschen zur Aufgabe zu zwingen. Bei den UN wuchs die Sorge, dass deren geografische Koordinaten gezielt für Angriffe benutzt wurden - obwohl diese Informationen eigentlich von den UN mit den Kriegsparteien geteilt werden, um zivile Infrastrukturen zu schützen.

Gleich zweimal wurde in den vergangenen Monaten nach Angaben der Hilfsorganisation Malteser International ein von Deutschland unterstütztes Höhlenkrankenhaus in dem Ort Kafr Nubl getroffen. Dabei handele es sich um die einzige chirurgische Klinik in einem Umkreis von 50 Kilometern. Sie sei jeweils für bis zu zwei Wochen außer Betrieb gewesen und werde jetzt noch zur Notfallversorgung genutzt.

Die Bundesregierung fördert in der Region Idlib humanitäre Nothilfe sowie weitere Maßnahmen, die die Gesundheit und das Überleben der Menschen sicherstellen sollen. Das Auswärtige Amt hat für Maßnahmen im Nordwesten Syriens in diesem Jahr bisher 36 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Das Entwicklungsministerium hatte in diesem Jahr Mittel in Höhe von 17,4 Millionen Euro für die Region geplant, davon rund ein Drittel von anderen Ländern mitfinanziert.

Die Not in dem Gebiet ist riesig. Allein seit Beginn der Offensive im April wurden nach UN-Angaben mehr als 570 000 Menschen von Kämpfen und Angriffen vertrieben. Insgesamt leben in dem Rebellengebiet nach Schätzungen rund drei Millionen Menschen. Viele Vertriebene müssen in Zelten auf Feldern und in Rohbauten hausen. Die benachbarte Türkei hat ihre Grenzen für Flüchtlinge geschlossen.

Das BMZ erklärte, wegen der militärischen Eskalation habe die Unterstützung in Kampfgebieten immer wieder suspendiert werden müssen. Deutschland werde die Hilfe aber fortsetzen, solange es die Sicherheitslage erlaube. Beendet würden die Maßnahmen nur in Gebieten, die das syrische Regime unter Kontrolle gebracht habe.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
23. 08. 2019
09:44 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
António Guterres Aufständische und Rebellen Auswärtiges Amt Baschar al-Assad Chirurgie Deutsche Presseagentur Krankenwagen Kriegsparteien Malteser International Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Regierungsgegner UNO-Generalsekretäre Vertriebene Zerstörung Zerstörungen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Konflikt in Syrien

07.05.2019

Assad-Truppen zerstören Kliniken in syrischem Rebellengebiet

Die Region um die Rebellenhochburg Idlib erlebt die heftigsten Bombardierungen seit Monaten. Syriens Regierungstruppen greifen auch am Boden an. Helfer warnen vor einer humanitären Katastrophe. » mehr

Situation im Sudan

25.06.2020

Internationale Gemeinschaft verspricht Sudan Millionenhilfe

Die Revolution im Sudan brachte Euphorie - doch ein Jahr später steckt das Land immer noch in der Krise. Diese bedroht die ohnehin fragile politische Lage. Nun bittet das Land um Hilfe von der internationalen Gemeinschaf... » mehr

Not im Jemen

02.06.2020

Teilerfolg bei Jemen-Geberkonferenz: Neue Gelder zugesagt

Die volle Summe der benötigten Hilfsgelder bekommen die UN für den Jemen selten zusammen. Wegen Corona ist die Lage in diesem Jahr besonders schlecht: Nur 15 Prozent der benötigten Mittel wurde bisher erreicht. Eine Gebe... » mehr

Klimaschutz

27.04.2020

Ruf nach Klimaschutz trotz Corona

Eine Pandemie hält die Welt in Atem - und drängt den Klimaschutz in den Hintergrund. Doch Experten und Unternehmen fordern: Die vielen Milliarden, die nun ausgegeben werden, müssen dem Klima nützen. Darum geht es bei int... » mehr

UN-Generalsekretär Guterres

16.04.2020

UN: Hunderttausende Kinder könnten als Corona-Folge sterben

1,5 Milliarden Kinder sind laut UN von Schulschließungen weltweit betroffen. Einem neuen Bericht zufolge könnten sich diese und andere Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie tödlich für viele auswirken. » mehr

Kämpfen im Norden Syriens

02.12.2019

Aktivisten: Mehr als 100 Tote bei Kämpfen in Nordsyrien

Die Truppen von Syriens Machthaber Assad greifen wieder verstärkt Rebellen in der Provinz Idlib an. Auch Zivilisten werden zu Opfern, als Kampfjets dort einen Markt bombardieren. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Lagerhalle in Geiselwind brennt völlig aus Geiselwind

Lagerhalle brennt völlig aus | 23.06.2020 Geiselwind
» 31 Bilder ansehen

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen Redwitz an der Rodach

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen | 23.06.2020 Redwitz an der Rodach
» 8 Bilder ansehen

Motorradunfall bei Sonnefeld

Motorradunfall bei Sonnefeld | 23.06.2020 Sonnefeld
» 7 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
23. 08. 2019
09:44 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.