Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

Brennpunkte

Tausend Milliarden für die Klimawende der EU

Die EU will bis 2050 «klimaneutral» werden und ihre bisherige Wirtschaftweise umkrempeln. Neue Energien, neue Fabriken, neue Autos, optimal gedämmte Häuser: Es wird ein Kraftakt.



Ursula von der Leyen
Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will eine Billion Euro Investitionen für eine Klimawende.   Foto: Philipp von Ditfurth/dpa » zu den Bildern

Investitionen für eine Billion Euro sollen bis 2030 die europäische Klimawende anschieben. Das Geld soll etwa zur Hälfte aus dem EU-Haushalt kommen, der Rest von den EU-Staaten und privaten Investoren. Die EU-Kommission stellte das Investitionsprogramm in Straßburg vor.

Die Behörde betonte, der Umbau der Wirtschaft solle sozial abgefedert werden. Für besonders hart betroffene Regionen sind 100 Milliarden Euro eingeplant. Sie könnten auch deutschen Kohlerevieren zugute kommen.

Für die Pläne erhielt die Kommission grundsätzliche Unterstützung der großen Parteien im Europaparlament und auch der Bundesregierung. Der sogenannte Green Deal für ein klimaneutrales Europa bis 2050 sei auch eine Wachstumsstrategie, erklärte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Umweltschützer und Gewerkschaften kritisierten allerdings, dass vergleichsweise wenig neue Haushaltsmittel eingeplant seien. Der Plan für nachhaltige Investitionen sei «wenig mehr als die hübsche Verpackung eines leeren Pakets», monierte der Umweltverband WWF.

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte im Dezember das Ziel ausgegeben, die Europäische Union bis 2050 klimaneutral zu machen. Dann sollen alle Treibhausgase vermieden oder gespeichert werden, um die Erderwärmung zu bremsen.

«Beim europäischen Grünen Deal, unserer Vision für ein klimaneutrales Europa bis zum Jahr 2050, stehen die Menschen im Mittelpunkt», betonte von der Leyen am Dienstag. «Dieser Wandel wird nur geschafft, wenn er gerecht ist und für alle funktioniert.» Auch sie sprach von einer Wachstumsstrategie und wies Bedenken wegen der hohen Kosten zurück. Handle man jetzt nicht, wären die Kosten viel höher.

Mit dem Green Deal geplant ist eine Abkehr von Kohle, Öl und Gas und der Umbau von Wirtschaft, Landwirtschaft, Verkehr und privater Energienutzung. Schätzungen gehen von einem Investitionsbedarf von drei Billionen Euro oder mehr bis 2030 aus. Das geplante Investitionsprogramm wird demnach nur etwa ein Drittel abdecken. Daneben ruhen die Hoffnungen auf Großanlegern wie Pensionsfonds oder Versicherungen.

Für das Gesamtprogramm bis 2030 rechneten EU-Beamte vor, dass rund 500 Milliarden Euro aus dem EU-Gemeinschaftshaushalt kommen, dazu kämen 100 Milliarden Euro ergänzende Gelder von den EU-Staaten, 100 Milliarden für den «gerechten Wandel» und 300 Milliarden, die mit Hilfe des bestehenden EU-Programms InvestEU von privaten Investoren aufgebracht werden sollen.

Für die 100-Milliarden-Hilfen sollen wiederum binnen sieben Jahren nur 7,5 Milliarden Euro frisches Geld aus dem EU-Haushalt bereit stehen. Auch hier soll dann mit Beträgen der EU-Staaten sowie Hilfe von InvestEU und der Europäischen Investitionsbank (EIB) die Gesamtsumme erreicht werden. Gefördert werden sollen zum Beispiel Umschulungen oder die Ansiedlung neuer Unternehmen. Die EU-Kommission spricht von 108 besonders betroffenen Regionen in Europa und mehr als 250.000 Beschäftigten.

Die Grünen äußerten laute Zweifel am Finanzierungsmodell, das mit vergleichsweise geringen EU-Mitteln über finanzielle «Hebel» und private Investoren riesige Summen mobilisieren soll. «Die EU-Kommission rechnet mit Milliardenbeträgen, die ihr derzeit gar nicht zur Verfügung stehen», monierte der Grünen-Abgeordnete Sven Giegold. «Mit Luftbuchungen lässt sich das Klima nicht retten.» Die Finanzierung des Investitionsprogramms hängt auch von einer Einigung auf einen mittelfristigen Finanzrahmen für die Jahre 2021 bis 2027 ab, der bisher noch heftig umstritten ist.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
14. 01. 2020
20:38 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
CDU Deutsche Presseagentur Dämm-Technik EU-Gelder Erderwärmung Europäische Kommission Europäische Union Europäisches Parlament Gewerkschaften Peter Altmaier Peter Liese Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Treibhausgase Umweltschützer Umweltverbände Ursula von der Leyen Valdis Dombrovskis World Wide Fund For Nature
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Stau auf der Autobahn

05.03.2020

Deutschland muss beim Klimaschutz mehr tun

Die große Koalition müht sich bei der Umsetzung der eigenen Ziele - doch schon bald könnten EU-weit neue Vorgaben kommen. Unterm Strich heißt es: Nachlegen im Kampf gegen die Erderwärmung. » mehr

Merkel und Macron

18.05.2020

Berlin und Paris: Aufbauplan in Höhe von 500 Milliarden Euro

Die Corona-Krise verändert vieles - sogar deutsche Vorbehalte gegen eine gemeinsame Verschuldung der EU-Staaten. Gemeinsam mit Frankreichs Präsident Macron präsentiert Merkel Vorschläge, die vor Monaten noch undenkbar ge... » mehr

Corona-Aufbauplan

28.05.2020

Steuerzahlerbund kritisiert von der Leyens Corona-Aufbauplan

In Brüssel sind sich viele einig, dass die dramatische Wirtschaftskrise einer starken gemeinsamen Antwort bedarf. Aber das sehen längst nicht alle so. » mehr

Eisbär im Nordpolarmeer

10.02.2020

Folgen des Klimawandels in Deutschland noch abzumildern

Starke Stürme, Dürren, Überschwemmungen: Die Erderwärmung macht sich auch in Europa bemerkbar. Wie schlimm es wird, liegt aber noch in Menschenhand, sagen Experten. » mehr

Glasgow

02.04.2020

UN-Klimakonferenz in Glasgow wegen Corona verschoben

Die Coronavirus-Pandemie wirft auch den Fahrplan der internationalen Klimadiplomatie über den Haufen. Das wichtige Spitzentreffen in Glasgow kann im November nicht stattfinden. » mehr

«Green Deal»

20.05.2020

Europa soll grüner werden: Artenschutz und gute Lebensmittel

Eine grüne Revolution für gesünderes Essen und sichere Lebensräume für Bienen, Vögel und andere Tiere im dicht besiedelten Europa: Die EU-Kommission hat weitreichende Pläne für die nächsten zehn Jahre. Doch es gibt hefti... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Lastwagen auf Staatsstraße umgestürzt

Lastwagen auf Staatsstraße umgestürzt | 05.06.2020 Neustadt
» 15 Bilder ansehen

Graffiti-Serie im Coburger Stadtgebiet

Graffiti-Serie im Coburger Stadtgebiet | 04.06.2020 Coburg
» 5 Bilder ansehen

Segelflieger muss notlanden Coburg

Segelflieger muss notlanden | 01.06.2020 Coburg
» 21 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
14. 01. 2020
20:38 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.