Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Brennpunkte

Tausende Demonstranten fordern Erhalt des Hambacher Forstes

Widerstand hoch in den Baumwipfeln, tief unter der Erde und am Rande des Hambacher Forstes: Die Braunkohlegegner halten die Polizei auf Trab. Die Einsatzkräfte kommen aber bei der Räumung voran.



Demonstration
Die Demonstrationen von mehreren tausend Braunkohlegegnern haben die weitere Räumung des Hambacher Forstes am Wochenende nicht stoppen können.   Foto: Christophe Gateau » zu den Bildern

Mehrere tausend Braunkohlegegner haben am Sonntag am Hambacher Forst gegen die Räumung und geplante Rodung des uralten Waldes demonstriert. Die Lage spitzte sich am Nachmittag zu, als rund 200 Demonstranten in den von der Polizei abgesperrten Wald vordrangen.

Einsatzkräfte setzten den vierten Tag in Folge die Räumung der Baumhäuser der Aktivisten fort. Bei der Räumung kam es zu Rangeleien und Scharmützeln. Mehrere Aktivisten hatten sich angekettet. Dutzende Umweltaktivisten wurden seit Samstag nach Polizeiangaben vorübergehend festgenommen. Es habe auch Verletzte gegeben.

Die Einsatzkräfte haben seit Beginn der Maßnahmen 27 Baumhäuser (von rund 50) geräumt und 19 davon abgebaut, wie die Polizei Aachen am Sonntagabend mitteilte.

Rund 100 Demonstranten zogen nach Angaben von dpa-Reportern zu der inzwischen vollständig geräumten Baumhaus-Siedlung «Oaktown». In einer weiteren Siedlung namens «Gallien» verstärkten die Demonstranten die Barrikaden der Waldbesetzer. Die Polizei berichtete am Abend, es sei «immer wieder zu Konfrontationen mit Polizeibeamten» gekommen. «Um die Störer von den teilweise bereits demontierten Baumhäusern fern zu halten und vor herabfallenden Bauteilen und Ästen zu schützen, setzten die Beamten auch hier körperliche Gewalt und Reizgas ein.»

Tausende Umweltschützer forderten bei der Demonstration an der Grenze zum Hambacher Forst den Erhalt des Waldes westlich von Köln und einen schnellen Ausstieg aus der Kohleverstromung. Die Polizei sprach von mehr als 4000 Demonstranten, die verschiedenen Aktivistengruppen von 5000 bis zu 9000 Teilnehmern. Einige trugen junge Bäume mit sich, die sie in bereits gerodetem Gebiet anpflanzen wollten.

Der Energiekonzern RWE will im Herbst weite Teile des Hambacher Forstes abholzen, um weiter Braunkohle abbauen zu können. Der Wald gilt als Symbol des Widerstands gegen die Kohle und die damit verbundene Klimabelastung.

Nach einem stundenlangen Einsatz drang die Grubenwehr Herne am frühen Sonntagmorgen zu zwei in einem selbstgebauten Schacht verschanzten Aktivisten vor. Die beiden Männer hätten den instabilen und einsturzgefährdeten Schacht schließlich nach einem Appell des Notarztes freiwillig verlassen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr Kerpen.

In dem elf Meter tiefen Schacht mit zwei Kammern sei eine lebensbedrohlich hohe Kohlenstoffdioxid-Konzentration gemessen worden. Rettungskräfte hatten seit Samstag Luft in den Schacht gepumpt. Beide Aktivisten wurden medizinisch versorgt. Sie hatten laut Feuerwehr drei Tage in den unterirdischen Kammern ausgeharrt und Vorräte bei sich gehabt.

Die Polizei beendete am Samstag nach mehreren Stunden die Blockade von Baggern und zwei Förderbändern im Braunkohlekraftwerk Niederaußem in der Nähe des Hambacher Forstes. Der Betrieb des Kraftwerks wurde durch die Aktion der Braunkohlegegner zeitweise behindert.

Der Einsatz im Hambacher Forst bringe die Polizei insgesamt «an die Grenzen ihrer Belastbarkeit», erklärte die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG). «Dabei schieben wir bereits Millionen Überstunden vor uns her», sagte der Landesvorsitzende Erich Rettinghaus. Andere polizeiliche Aufgaben müssen derzeit in allen Bereichen zwangsläufig vernachlässigt werden. Die Gewerkschaft warf den Umweltaktivisten vor, ihr eigenes Leben und das der Einsatzkräfte aufs Spiel zu setzen. Die Polizei kritisierte auch das «entwürdigende Verrichten der Notdurft» über den einschreitenden Polizisten.

Unterdessen richteten sich die Hoffnungen der Hambach-Aktivisten auf die Kohlekommission in Berlin. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte den sofortigen Stopp der Räumungsaktion. Die Landesregierung solle zunächst die Ergebnisse der Kohlekommission abwarten, die bis Ende des Jahres einen Pfad für den Ausstieg aus der Kohleverstromung festlegen soll, sagte Martin Kaiser, Greenpeace-Geschäftsführer und Mitglied der Kohlekommission, in Kerpen der Deutschen Presse-Agentur. «Vielleicht muss der Hambacher Forst dann gar nicht mehr gerodet werden.» Offiziell hat die Kommission nach eigenen Angaben kein Mandat für den Wald.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
16. 09. 2018
21:45 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aktivistinnen und Aktivisten Braunkohlekraftwerke Demonstranten Deutsche Presseagentur Greenpeace Martin Kaiser Polizei Polizeigewerkschaft RWE AG Umweltaktivisten Umweltschutzorganisationen Waldgebiete
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Berlin

09.10.2019

Für die Umwelt: Extinction Rebellion setzt Proteste fort

Auch am dritten Tag gehen die Proteste der Bewegung Extinction Rebellion in der Hauptstadt weiter. Berlins Innensenator Geisel findet: Proteste muss der Rechtsstaat aushalten. » mehr

Kontrolle

13.09.2018

Hambacher Forst: Massiver Einsatz gegen Braunkohlegegner

Die Baumhäuser im Hambacher Forst sind längst ein Symbol des Widerstands gegen die Braunkohle. Jetzt lassen die Behörden sie räumen. Die Aktivisten kündigen Aktionen «massenhaften zivilen Ungehorsams» an, die Justiz gibt... » mehr

CSU-Chef Markus Söder

22.06.2019

Söder will Kohleausstieg schon 2030

Spätestens im Jahr 2038 soll Schluss sein mit Kohlestrom aus Deutschland. Doch vielen Klimaaktivisten geht der Ausstieg zu langsam. CSU-Chef Söder legt sich nun ebenfalls auf ein früheres Datum fest. Das gefällt nicht al... » mehr

Protest in NRW

23.06.2019

Klimaproteste im Rheinischen Revier nach drei Tagen beendet

Die Polizei hatte alle Hände voll zu tun. Für den Klimaschutz blockierten mehrere 1000 Aktivisten an drei Tagen Anlagen von RWE. Der Energieversorger nannte das Eindringen unverantwortlich und widerrechtlich. » mehr

Gestoppt

22.06.2019

Demonstranten stürmen Tagebau Garzweiler

Schüler, Naturschützer und Aktivisten: Tausende demonstrieren am Tagebau Garzweiler. Das Bündnis «Ende Gelände» stürmt mit Hunderten das Abbaugebiet - und verletzt nach Angaben der Polizei mehrere Beamte. Die Demonstrant... » mehr

Carola Rackete in Berlin

07.10.2019

Blockaden für das Klima in Berlin

«Ziviler Ungehorsam» für das Klima: Extinction Rebellion wollte Berlin blockieren. Rund 3000 Aktivisten folgten dem Aufruf. Während es in Berlin friedlich blieb, sah es in der Heimat der radikalen Klimaschützer ganz ande... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

25 Jahre Eigenständigkeit Untermerzbach

25 Jahre Eigenständigkeit Untermerzbach | 21.10.2019 Untermerzbach
» 13 Bilder ansehen

Ausstellung "Bunte Palette" Steinwiesen

Ausstellung "Bunte Palette" | 20.10.2019 Steinwiesen
» 32 Bilder ansehen

HC Elbflorenz Dresden - HSC 2000 Coburg 28:32 (13:16) Dresden

HC Elbflorenz Dresden - HSC 2000 Coburg 28:32 (13:16) | 20.10.2019 Dresden
» 141 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
16. 09. 2018
21:45 Uhr



^