Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Brennpunkte

Thailand: Prinzessin will Premierministerin werden

An Überraschungen mangelt es in Thailands Politik nie. Aber dass eine Schwester des Königs plötzlich Premierministerin werden will, ist so etwas wie eine Sensation. Die regierenden Militärs stecken nun in großen Schwierigkeiten - auch wenn der Bruder auf Distanz geht.



Prinzessin Ubolratana
Die thailändische Prinzessin Ubolratana tritt überraschend als eine der Spitzenkandidatinnen für die Parlamentswahl an.   Foto: Guillaume Payen/SOPA via ZUMA Wire

In Thailand hat die Politik wenige Wochen vor der geplanten Parlamentswahl eine völlig überraschende Wendung genommen. Die älteste Schwester des Königs, Prinzessin Ubolratana, kündigte am Freitag ihre Kandidatur für das Amt der Premierministerin an.

Das gab es in der langen Geschichte des südostasiatischen Königreichs noch nie. Die 67-Jährige ist im Volk sehr populär. Mit ihrer Bewerbung stellt sich die Prinzessin gegen Thailands Generäle, die seit einem Militärputsch 2014 an der Macht sind. Getragen wird die Kandidatur von einer Partei, die aus dem Umfeld der damals gestürzten Regierungschefin Yingluck Shinawatra kommt. Thailändische Medien sprachen von einer «Sensation».

Am Abend (Ortszeit) ging ihr Bruder, König Maha Vajiralongkorn, jedoch klar auf Distanz zu seiner Schwester. In einer Erklärung, die im Fernsehen verlesen wurde, bezeichnete der 66-Jährige die Bewerbung als «unangemessen». Sie stehe auch im Widerspruch zur Verfassung. Das Königshaus stehe «über der Politik».

Wenn es trotzdem bei der Kandidatur bleibt, ist die Prinzessin direkte Konkurrentin des amtierenden Regierungschefs Prayut Chan-o-Cha (64). Der Putsch-General hatte einst versprochen, sich nach getaner Arbeit aus der Politik zurückzuziehen. Am Freitag gab er - wie erwartet - jedoch bekannt, dass er Premierminister bleiben will.

Die Wahl zum neuen Parlament ist nach wiederholter Verschiebung nun am 24. März geplant. Für das 68-Millionen-Einwohner-Land wäre dies ein wichtiger Schritt wieder in Richtung Demokratie. Verlässliche Umfragen gibt es bislang nicht. Weltweit wäre es ein Novum, wenn die Schwester eines Königs demokratisch gewählte Regierungschefin würde.

Thailand wird seit 1782 von der Chakri-Dynastie beherrscht. Seit 1932 ist das Land eine konstitutionelle Monarchie. Das Königshaus hat nicht nur wegen seines enormen Reichtums weiter großen Einfluss. Der alte König Bhumibol wurde bis zu seinem Tod 2016 - nach sieben Jahrzehnten auf dem Thron - gottesähnlich verehrt.

Heute steht der älteste Sohn, Maha Vajiralongkorn, an der Spitze der Monarchie. Offiziell gekrönt ist der König, der sich häufig in Deutschland aufhält, allerdings noch nicht. Dies soll Anfang Mai geschehen - sechs Wochen nach der Wahl.

Über eine Kandidatur der Prinzessin war seit Tagen spekuliert worden. Viele glaubten nicht daran. Schließlich bestätigte die Partei Thai Raksa Chart - gegründet von Anhängern der Shinawatras - die Gerüchte. Die Prinzessin selbst schrieb auf Instagram: «Wir werden zusammen vorangehen. Danke für Eure Liebe und Unterstützung.»

Die «Königliche Hoheit» - mit vollem Namen Thunkramom Ying Ubolratana Rajakanya Sirivadhana Barnavadi - hat enge Kontakte zu den Shinawatras, die Thailands Politik seit langem mitbestimmen. Familienoberhaupt Thaksin Shinawatra wurde 2006 als Premierminister vom Militär gestürzt. Acht Jahre später ereilte seine Schwester Yingluck das gleiche Schicksal. Beide leben inzwischen im Ausland.

Die Kandidatur der Prinzessin macht die Dinge für die Militärs nun viel komplizierter. Thailands Königshaus ist durch ein sehr strenges Gesetz praktisch gegen jede Kritik geschützt. Prayut versicherte der Königsfamilie immer wieder seine Loyalität. Schon vor der Erklärung des Königs wurden aber auch Zweifel laut, ob die Prinzessin überhaupt kandidieren darf. Darüber entscheidet ein staatlicher Wahlausschuss.

Ubolratana wurde 1951 in der Schweiz geboren. Sie hat einen Abschluss der amerikanischen Elite-Uni MIT. Wegen ihrer Hochzeit mit einem bürgerlichen US-Amerikaner 1972 verlor sie viele Privilegien. Ein Vierteljahrhundert lang lebte sie unter bürgerlichem Namen in den USA. Nach der Scheidung kehrte sie nach Bangkok zurück. Sie spielte auch schon in mehreren Filmen mit und nahm Platten auf.

Veröffentlicht am:
08. 02. 2019
18:09 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bhumibol Adulyadej Brüder Königshäuser Monarchie Premierminister Prinzessinnen Regierungschefs Schwestern Sensationen Shinawatra Thaksin Yingluck Shinawatra
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Buschfeuer in Australien

11.11.2019

Verheerende Buschfeuer in Australien: Notstand ausgerufen

Mindestens drei Menschen sind bei den jüngsten Buschbränden im Südosten Australiens schon gestorben. Ein Bundesstaat ruft den Notstand aus - weil die schlimmsten Feuer wohl erst noch bevorstehen. » mehr

Brexit

03.11.2019

Johnson setzt im Brexit-Streit auf Mäßigung

Wer ist schuld am Brexit-Chaos? Zum Wahlkampfauftakt schieben sich der britische Premier Johnson und die Opposition die Verantwortung zu. Und dann ist da noch eine Drohung von Brexit-Parteichef Farage. » mehr

Prinzessin Ubolratana

13.02.2019

Thai-Prinzessin entschuldigt sich für Ausflug in die Politik

Die älteste Schwester von Thailands König, Prinzessin Ubolratana, hat sich für ihren schnell wieder beendeten Ausflug in die Politik entschuldigt. Auf ihrem Instagram-Konto bedauerte die 67-Jährige, dass sie überflüssige... » mehr

Brexit

25.10.2019

Brexit: Verschiebung bis nächste Woche in der Schwebe

London schaut nach Brüssel - und umgekehrt: Die EU-Staaten lassen Großbritannien nach dem Antrag auf Fristverlängerung beim EU-Austritt zappeln. Nur Boris Johnson frohlockt. » mehr

Johnson gibt Erklärung ab

19.10.2019

Britische Regierung will Brexit-Verschiebung beantragen

Hin und Her in Sachen Brexit: Erst erleidet Premierminister Boris Johnson eine Niederlage im Parlament, das seinen Ausstiegsvertrag ablehnt. Dann gibt er sich zunächst unbeugsam - und lässt sich am Abend offenbar doch au... » mehr

EU-Gipfel

18.10.2019

Juncker geht verbittert: «Historischer Fehler» im Westbalkan

Jean-Claude Juncker hält sich für einen Vollblut-Europäer. Sein wohl letzter EU-Gipfel endet emotional. Und mit einem Scheitern. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Coburger Weihnachtsbaum 2019

Anlieferung Coburger Weihnachtsbaum | 18.11.2019 Coburg
» 19 Bilder ansehen

BBC Coburg - Gießen 46ers Rackelos 101:78 (58:34) Coburg

BBC Coburg - Gießen 46ers Rackelos 101:78 (58:34) | 17.11.2019 Coburg
» 46 Bilder ansehen

Rathaussturm in Steinberg Steinberg

Rathaussturm in Steinberg | 16.11.2019 Steinberg
» 8 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
08. 02. 2019
18:09 Uhr



^