Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 30 Jahre WiedervereinigungCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Brennpunkte

Tödlicher Angriff auf Migranten: Libyen will Lager schließen

Dutzende Migranten starben bei einem Luftangriff auf ein Internierungslager bei Tripolis. Jetzt werden immer neue Details bekannt. Während die UN über den Fall streiten, reagiert die libysche Regierung mit einer Überraschung.



Trümmer
Trümmerteile des zerstörten Internierungslager nach dem mutmaßlichen Luftangriff.   Foto: Hazem Ahmed/AP » zu den Bildern

Nach einem tödlichen Luftangriff erwägt die libysche Regierung in Tripolis die Schließung der umstrittenen Internierungslager für Migranten in dem Bürgerkriegsland.

Die Regierung prüfe derzeit, die Lager aus Sicherheitsgründen zu schließen und die Migranten freizulassen, teilte Innenminister Fathi Baschagha am Donnerstag überraschend mit. Es liege außerhalb der Möglichkeiten der Regierung, die Lager gegen Angriffe von Kampfflugzeugen zu schützen.

Am Dienstag trafen zwei Luftangriffe das Flüchtlingslager in Tadschura, im Osten der Hauptstadt Tripolis. Eine Rakete habe eine leerstehende Garage getroffen, eine weitere eine Halle, in der sich etwa 120 Flüchtlinge aufgehalten hätten, schreibt das UN-Nothilfebüro Ocha in einem Bericht. Mindestens 53 Menschen seien nach jüngsten Erkenntnissen getötet, etwa 130 weitere verletzt worden. Das libysche Gesundheitsministerium sprach am Donnerstag von 35 Toten und etwa 65 Verletzten.

In seinem Bericht nannte das UN-Nothilfebüro weitere Details des Zwischenfalls. Es gebe Berichte, dass Wärter auf Flüchtlinge geschossen hätten, die nach der ersten Explosion fliehen wollten. Nach Ocha-Angaben werden rund 3800 Migranten in Lagern in und um die Hauptstadt Tripolis gegen ihren Willen festgehalten. Sie seien aufgrund der aktuellen Kämpfe hohen Gefahren ausgesetzt.

Seit drei Monaten gibt es rund um Tripolis schwere Gefechte zwischen Anhängern der von den Vereinten Nationen gestützten Regierung in Tripolis und den Truppen von General Chalifa Haftar, der vom Parlament im Osten des Landes unterstützt wird. Sowohl die Regierung in Tripolis als auch das Parlament in Tobruk in Ostlibyen beanspruchen die Macht für sich.

Die Einheitsregierung in Tripolis machte die Luftwaffe von General Haftar für den Angriff verantwortlich. Diese wies die Anschuldigungen zurück. Der Angriff wurde international scharf kritisiert. In einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates konnte sich das Gremium allerdings nicht auf eine gemeinsame Position einigen.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres hatte nach dem Angriff bereits eine unabhängige Untersuchung gefordert. Er sei «entrüstet» und verurteile die Tat nahe der Hauptstadt Tripolis auf Schärfste, teilte Guterres' Sprecher Stéphane Dujarric am Mittwoch (Ortszeit) in New York mit. Er betonte, dass die UN den Konfliktparteien die exakten Koordinaten des Lagers übermittelt hätten. Die Schuldigen müssten ausfindig gemacht werden. Es ist der folgenschwerste Angriff, seit der einflussreiche General Chalifa Haftar im April eine Offensive auf Tripolis angeordnet hatte.

Im ölreichen Libyen herrscht acht Jahre nach dem Sturz des Langzeitmachthabers Muammar al-Gaddafi Chaos. Im blutigen Machtkampf zwischen der international anerkannten Regierung in Tripolis und General Haftar mischen sich zahlreiche Länder ein. Regionale Milizen, Banden und Extremisten wie die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nutzten das aus. Der gescheiterte Staat in Nordafrika ist zudem auch wichtiges Transitland für Migranten, die nach Europa wollen.

Das mit Migranten überfüllte Lager Tadschura ist nach Angaben von UN und Menschenrechtsorganisationen ein Internierungslager. Dort seien mehr als 600 Migranten unterschiedlicher Nationalitäten untergebracht, hieß es. Seit April wurden bei den Kämpfen um die Hauptstadt Tripolis mehr als 700 Menschen getötet und 4400 verletzt.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
04. 07. 2019
17:25 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
António Guterres Gefechte Gesundheitsministerien Innenminister Islamischer Staat Libysche Regierungen Luftangriffe Luftwaffe Menschenrechtsorganisationen Muammar al- Gaddafi Muammar al-Gaddafi Parlamente und Volksvertretungen Regierungen und Regierungseinrichtungen Terrormilizen UN-Sicherheitsrat UNO UNO-Generalsekretäre US-Außenministerium
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Heiko Maas

05.10.2020

Neues Bekenntnis zum Stopp der Waffenlieferungen nach Libyen

Der Berliner Libyen-Gipfel brachte im Januar zumindest ein bisschen Hoffnung auf Frieden nach fast zehn Jahren Bürgerkrieg. Fast neun Monate später gibt es Fortschritte. Aber der Weg zu einer Konfliktlösung ist noch weit... » mehr

Konflikt in Berg-Karabach

30.09.2020

Aserbaidschan will Militäroperation fortsetzen

Seit Tagen wollen die Vereinten Nationen, Russland und auch Deutschland die Konfliktparteien im Südkaukasus zum Einlenken bewegen. Doch Aserbaidschan nennt Bedingungen für die Einstellungen der Kampfhandlungen. » mehr

Fajis al-Sarradsch

17.09.2020

Regierungschef von Libyen will zurücktreten

Libyen kommt seit dem Sturz von Machthaber Gaddafi vor neun Jahren nicht zur Ruhe. Dies könnte sich mit einer Einigung der Konfliktparteien des Bürgerkriegs bald ändern. Der Rücktritt des Regierungschefs in Tripolis könn... » mehr

Zivilistin im Bunker

29.09.2020

Tote in Berg-Karabach bei schwersten Kämpfen seit Jahren

Blutige Kämpfe im Südkaukasus kosten mehr als Hundert Menschen das Leben. Aserbaidschan hofft vor allem auf Hilfe aus dem Nachbarland Türkei. Diese enge Verbindung stört aber besonders Russland. Nun schaltet sich auch Bu... » mehr

Berg-Karabach

26.10.2020

Waffenruhe in Berg-Karabach scheitert

Es ist bereits der dritte Anlauf für eine Feuerpause im Südkaukasus. Und wieder gehen die Kämpfe weiter. Armenien und Aserbaidschan geben sich gegenseitig die Schuld. Wie geht es nun weiter? » mehr

UN-Generaldebatte

23.09.2020

Corona überschattet UN-Debatte - Sorge vor «Kaltem Krieg»

Das Coronavirus hat die Welt noch immer fest im Griff - das zeigt sich auch bei der größtenteils digitalen UN-Generaldebatte. Lösungen für zahlreiche Konflikte scheinen in einer zunehmend gespaltenen Welt fern. Und die S... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Flensburg - HSC 2000 Coburg

Flensburg - HSC 2000 Coburg | 25.10.2020 Flensburg
» 114 Bilder ansehen

BBC vs. Oberhaching

BBC - Oberhaching | 25.10.2020 Coburg
» 32 Bilder ansehen

Tödlicher Bahnunfall in Kronach Kronach

Tödlicher Bahnunfall in Kronach | 24.10.2020 Kronach
» 4 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
04. 07. 2019
17:25 Uhr



^