Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Brennpunkte

Trauer um Stolpe: «Überragende politische Persönlichkeit»

Er war der erste Ministerpräsident von Brandenburg nach der Wiedervereinigung. Vor allem wegen seiner früheren Kontakte zur Stasi war Manfred Stolpe aber auch immer umstritten. Nun ist er im Alter von 83 Jahren gestorben.



Manfred Stolpe
Manfred Stolpe (SPD), ehemaliger Ministerpräsident von Brandenburg, ist im Alter von 83 Jahren gestorben.   Foto: Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa » zu den Bildern

Manfred Stolpe, erster Brandenburger Ministerpräsident im wiedervereinten Deutschland, ist tot. Stolpe starb am Sonntag im Alter von 83 Jahren, wie die Staatskanzlei am Montag mitteilte.

Der Potsdamer Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) sprach von einem Tag tiefer Trauer: «Wir nehmen Abschied von einem großen Mann, der unser junges Land geprägt hat wie niemand sonst.»

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Stolpe als «überragende politische Persönlichkeit». Er habe «weit über die Grenzen Brandenburgs hinaus den Weg Ostdeutschlands in die Demokratie des geeinten Deutschland geprägt und gestaltet», hieß es in einem Kondolenzschreiben des Staatsoberhauptes an Stolpes Witwe.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hob die Verdienste Stolpes für das Zusammenwachsen Deutschlands hervor. «Leidenschaftlich und geradlinig im Einsatz für seine Mitbürger prägte er die Politik unseres wiedervereinigten Deutschlands auf Landes- und Bundesebene entscheidend mit», erklärte Merkel. «Er war über viele Jahre Landesvater, Gesicht und Stimme Brandenburgs.»

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) bezeichnete Stolpe als «Mittler zwischen Ost und West». Dieser habe sich in zwei Systemen hohe Verdienste erworben - «vor der Wiedervereinigung im Bund der Evangelischen Kirchen der DDR als "kirchlicher Chefdiplomat", nach 1990 als Ministerpräsident und Bundesminister», schrieb Schäuble an die Witwe des früheren SPD-Politikers.

Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) erinnerte mit persönlichen Worten an seinen einstigen Weggefährten: «Manfred Stolpe war ein großer Sozialdemokrat, aber vor allem war er ein großartiger Mensch.» Das Brandenburger Innenministerium ordnete eine dreitägige landesweite Trauerbeflaggung an. Zudem liegt von diesem Dienstag an in der Staatskanzlei für die Öffentlichkeit ein Kondolenzbuch aus.

Stolpe wurde 1936 bei Stettin geboren und studierte nach dem Abitur in Greifswald ab 1955 an der Universität Jena Rechtswissenschaften. Danach zog es ihn in den Kirchendienst. In der DDR galt er als Vordenker einer Kirchenpolitik, die sich als «Kirche im Sozialismus» verstand. In den 1980er Jahren war er als Konsistorialpräsident der Ostregion der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg auch im Westen bekannt.

1990 wurde Stolpe SPD-Mitglied und im November von einer Ampelkoalition aus SPD, FDP und Bündnis 90 zum ersten Ministerpräsidenten Brandenburgs gewählt. Einen Namen machte er sich als Vertreter der Interessen Ostdeutschlands . Er forderte staatliche Programme zur Schaffung neuer Arbeitsplätze und eine Kurskorrektur bei der Treuhandanstalt, die Volkseigene Betriebe fit machen und privatisieren sollte.

Seine Vergangenheit wurde immer wieder kritisch thematisiert. Stolpe hatte als Kirchenfunktionär Kontakte mit der Stasi, die Behörde führte ihn gar als Inoffiziellen Mitarbeiter. Die Leitung der evangelischen Kirche erklärte Mitte der 1990er Jahre nach einer Untersuchung, Stolpe sei ein «Mann der Kirche und nicht der Stasi gewesen». 2005 - Stolpe sprach von später Genugtuung - entschied das Bundesverfassungsgericht zudem, dass Stolpe nicht als Stasi-Mitarbeiter zu bezeichnen sei.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, würdigte vor allem Stolpes unermüdlichen Einsatz für die evangelische Kirche in der DDR. «In seiner Verantwortung als Funktionsträger einer christlichen Kirche in der DDR ist Stolpe immer wieder auch in zwiespältige Situationen geführt worden, die ihn auch als Christ herausgefordert haben», erklärte Bedford-Strohm am Montag. «Wir haben in Manfred Stolpe einen Menschen kennengelernt, der mit schwierigen Entscheidungen gewissenhaft umgegangen ist.»

In den 1990er Jahren war Stolpe in Brandenburg sehr beliebt - doch Vorzeigeprojekte wie der Lausitzring, der Cargolifter oder die Chipfabrik in Frankfurt (Oder) scheiterten oder liefen nicht wie erhofft. Überraschend erklärte Stolpe 2002 seinen Rücktritt als Regierungschef, um einen Generationenwechsel zu ermöglichen.

Ähnlich überraschend wurde Stolpe wenige Monate später im zweiten Kabinett von SPD-Kanzler Gerhard Schröder als «Gesicht des Ostens» Verkehrsminister. Nach der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 trat Stolpe dann von der politischen Bühne ab. Im Hintergrund kümmerte er sich verstärkt um den Erhalt historischer Baukultur. Trotz einer Krebserkrankung nahm Stolpe zunächst noch viele Termine wahr und meldete sich auch immer wieder zu Wort.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
30. 12. 2019
20:38 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Ampelkoalition Bundeskanzler der BRD Bundeskanzlerin Angela Merkel Bundesverfassungsgericht CDU Cargolifter AG Christliche Kirchen DDR Dietmar Woidke Evangelische Kirche Evangelische Kirche in Deutschland FDP Frank-Walter Steinmeier Friedrich-Schiller-Universität Jena Gerhard Schröder Heinrich Manfred Stolpe Ministerium für Staatssicherheit Politikerinnen und Politiker der SPD Regierungschefs SPD SPD-Parteimitglieder Sozialdemokraten Stasi-Mitarbeiter Verkehrsminister Wolfgang Schäuble
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
75 Jahre Kriegsende

08.05.2020

Gedenken an Weltkriegsende vor 75 Jahren in vielen Städten

Berlin, Moskau, Paris, London - in vielen Hauptstädten wird am 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs der Millionen Opfer gedacht. Für Bundespräsident Steinmeier ergibt sich daraus eine besondere Verantwortung De... » mehr

Hans-Jochen Vogel

26.07.2020

Ehemaliger SPD-Chef Hans-Jochen Vogel ist tot

Im Lauf seiner Karriere hatte Hans-Jochen Vogel viele Ämter inne: Stadtoberhaupt in München und Berlin, Justizminister, SPD-Chef. Über die Parteigrenzen hinweg genoss er hohes Ansehen. Jetzt ist er mit 94 Jahren gestorbe... » mehr

Olaf Scholz

24.07.2020

SPD-Politiker wollen Scholz als Kanzlerkandidaten

Noch ist die K-Frage bei der SPD ungelöst. Maßgebliche Sozialdemokraten wollen Finanzminister Scholz auf den Kanzlerkandidatenschild heben. Der Vizekanzler hat gerade ganz andere Probleme. » mehr

Zeichen der Freundschaft

29.01.2020

Rivlin bei Gedenken im Bundestag

Jedes Jahr erinnert der Bundestag an die Millionen Opfer des Nationalsozialismus. Diesmal fällt die Gedenkstunde etwas anders aus als üblich. Und das liegt nicht nur daran, dass erstmals beide Staatschefs Deutschlands un... » mehr

Pressekonferenz

Aktualisiert am 30.04.2020

Corona-Regeln in Deutschland werden leicht gelockert

Es ist ein Vorantasten in kleinen Schritten - damit die Infektionskurve nicht plötzlich wieder steil nach oben zeigt. Familien mit Kindern und Gläubige werden sich freuen. Andere müssen noch geduldig sein. » mehr

Trauerfeier für Hans-Jochen Vogel

vor 48 Minuten

Trauerfeier für SPD-Politiker Vogel

Bei der Trauerfeier für Hans-Jochen Vogel in München hat der Verstorbene selbst das letzte Wort. Denn, wie seine Witwe sagt: Hans-Jochen Vogel wäre nicht er selber gewesen, hätte er ohne geordneten Abschied diese Welt ve... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Fridays for Future und Critical Mass in Coburg Coburg

Fridays for Future und Critical Mass in Coburg | Coburg
» 32 Bilder ansehen

Repatatur des Windrades bei Untermerzbach

Reparatur des Windrads bei Untermerzbach |
» 7 Bilder ansehen

Brand des Kompostplatzes in Birnbaum Birnbaum

Brand des Kompostplatzes in Birnbaum | Birnbaum
» 6 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
30. 12. 2019
20:38 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.