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Trotz Bootsdrama: Italien lässt Migranten auf Schiff

Der Lauf der Dinge ist bekannt: Migranten werden im Mittelmeer gerettet, dürfen aber nicht an Land, solange Europa sich nicht rührt. Auch das wohl schwerste Flüchtlingsdrama in diesem Jahr bringt Italien von diesem Kurs nicht ab.



Matteo Salvini
Italiens Innnenminister Matteo Salvini ist für seine rigorose Anti-Migrations-Politik bekannt.   Foto: Mourad Balti Touati/LaPresse/&ZUMA Press

In Europa kündigt sich ein neues zähes Ringen um Dutzende im Mittelmeer gerettete Migranten an. Rund 130 Menschen saßen am Sonntag weiter auf einem Schiff der italienischen Küstenwache fest.

Die Regierung in Rom will sie erst an Land gehen lassen, wenn ihre Verteilung auf andere EU-Staaten geklärt ist. Derweil verschlimmerte sich die Bilanz eines neuen Bootsdramas vor der Küste Libyens. Nach Angaben der Hilfsorganisation Roter Halbmond könnte es bis zu 200 Menschen das Leben gekostet haben.

Die italienische Küstenwache hatte nach Angaben des Innenministeriums in der Nacht zum Freitag 135 Migranten aufgenommen, denen zuvor ein italienisches Fischerboot geholfen hatte. In der Nacht auf Sonntag legte die «Gregoretti» im Hafen der sizilianischen Stadt Augusta an, wie der italienische Transportminister Danilo Toninelli erklärte. «Die EU muss jetzt antworten, denn die Migrationsfrage geht den ganzen Kontinent etwas an.»

Am Samstag konnte lediglich eine Schwangere mit ihrem Mann und zwei Kindern das Schiff verlassen, wie aus dem Innenministerium verlautete. Der Fall der «Gregoretti» erinnert an den des Küstenwachenschiffs «Diciotti» im vergangenen Sommer. An Bord waren 177 Migranten - einem Großteil der Geflüchteten hatte Innenminister Matteo Salvini damals fast eine Woche lang verboten, an Land zu gehen. Der Chef der rechten Lega ist für seine rigorose Anti-Migrations-Politik bekannt. Seit seinem Amtsantritt werden immer wieder Rettungsschiffe mit Migranten an Bord im Mittelmeer blockiert. Besonders hart geht Italien gegen private Seenotretter vor.

Papst Franziskus rief die internationale Gemeinschaft vor Gläubigen auf dem Petersplatz auf, schnell und entschieden zu handeln, um Tragödien im Mittelmeer zu verhindern. Er reagierte bestürzt auf das wohl schwerste Bootsunglück im laufenden Jahr. 67 Leichen seien bislang geborgen worden, sagte Osama al-Fadhili, Leiter des Roten Halbmonds in der Hafenstadt Al-Chums, der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. 138 Menschen würden noch vermisst.

Das Unglück hatte sich vergangene Woche etwa fünf Kilometer vor der libyschen Küste ereignet. Al-Fadhili zufolge waren 360 Menschen an Bord eines Bootes, das bei dem Versuch, nach Europa zu fahren, in zwei Teile zerbrochen sei. 160 der Insassen seien gerettet worden. Die genaue Zahl der Todesopfer lasse sich womöglich erst feststellen, wenn Leichen an die Küste gespült worden seien.

Hinsichtlich der Zahl der Vermissten gab es widersprüchliche Angaben. Der libyschen Küstenwache zufolge wurden nach dem Unglück 115 Migranten vermisst. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) und das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) sprachen von rund 150 Vermissten. Laut libyscher Küstenwache waren 250 Menschen an Bord.

Im Mittelmeer starben dieses Jahr der IOM zufolge bereits 686 Menschen, mehr als 400 davon im zentralen Mittelmeer zwischen Libyen und Italien. Die Fluchtroute gilt als gefährlichste der Welt. Private Seenotretter sind derzeit nicht in der Such- und Rettungszone vor Libyen unterwegs. Das Schiff der deutschen Hilfsorganisation Sea-Eye, die «Alan Kurdi», ist aber auf dem Weg dorthin und werde voraussichtlich am Montagvormittag dort eintreffen, sagte Sea-Eye-Sprecher Gorden Isler der dpa.

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dpa

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Veröffentlicht am:
28. 07. 2019
13:34 Uhr

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28. 07. 2019
13:34 Uhr



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