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Trumps düstere Botschaft zum US-Nationalfeiertag

Der Präsident warnt vor dem Feind im Inneren: Trump beschreibt zum Unabhängigkeitstag der USA eine finstere Lage. Die Corona-Pandemie kommt in seinem Weltbild hingegen nur noch am Rande vor.



Unabhängigkeitstag in den USA
US-Präsident Donald Trump spaltet auch am Unabhängigkeitstag weiter.   Foto: Patrick Semansky/AP/dpa

Donald Trump setzt vier Monate vor der Präsidentenwahl in den USA auf eine düstere und polarisierende Botschaft: Er inszeniert sich als Retter, der das Land vor «wütenden Mobs», der Auslöschung seiner Geschichte und vor «linksradikalem Faschismus» schützen will.

In Ansprachen zum Unabhängigkeitstag der USA setzte Trump am Wochenende ganz auf linke Feindbilder. Die Krise, die das Land schwer erschüttert - die zunehmend außer Kontrolle geratende Coronavirus-Pandemie - erwähnte er hingegen nur am Rande.

«Unsere Nation erlebt eine gnadenlose Kampagne zur Auslöschung unserer Geschichte, zur Diffamierung unserer Helden, zur Ausradierung unserer Werte und zur Indoktrinierung unserer Kinder», sagte Trump am Vorabend des Nationalfeiertags, den die USA am Samstag begingen. Der Republikaner warf den Linken vor, in den Städten eine «Welle von Gewaltverbrechen» auslösen zu wollen. Es gebe einen «neuen linksradikalen Faschismus, der absolute Gefolgschaft einfordert». Die «Anarchisten» würden «die Gesellschaft zerstören», warnte Trump vor dem Nationaldenkmal von Mount Rushmore, einem Berg in South Dakota mit den in Stein gemeißelten monumentalen Köpfen von vier Ex-Präsidenten.

Auch seine offizielle Ansprache im Garten des Weißen Hauses war von düsteren Warnungen geprägt. Mit Blick auf die Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus, in deren Folge auch Statuen historischer Persönlichkeiten in Frage gestellt werden, sagte Trump: «Wir werden niemals zulassen, dass ein wütender Mob unsere Statuen niederreißt oder unsere Geschichte auslöscht.» Trump machte in seiner Rede anlässlich des Feiertags - der normalerweise nicht parteipolitisch ausgeschlachtet wird - keinen Unterschied zwischen friedlichen Demonstranten und den wenigen gewaltsamen Unruhestiftern.

Am 4. Juli feiern US-Amerikaner jedes Jahr den «Independence Day». An dem Tag im Jahr 1776 nahmen Abgesandte der 13 amerikanischen Kolonien in Philadelphia offiziell eine Erklärung an, mit der sie sich als Vereinigte Staaten von Amerika von England lösten. Der Tag ist traditionell Anlass für Paraden, Ansprachen und Feuerwerke.

Trotz Sorgen vor neuen Coronavirus-Ansteckungen verzichtete Trump nicht auf üppige Feierlichkeiten in der US-Hauptstadt. Auf eine militärische Flugschau folgte ein gewaltiges Feuerwerk. Die Mehrheit der Gäste im Garten des Weißen Hauses trug keine Maske. Auch am Vorabend in South Dakota, als mehrere Tausend Menschen Trumps Auftritt verfolgt hatten, waren im Publikum kaum Masken zu sehen.

Die USA brachen in den vergangenen Tagen mehrmals in Folge Rekorde bei der Anzahl der nachgewiesenen Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Drei Tage in Folge lagen die Zahlen Ende vergangener Woche nach Angaben der Johns Hopkins Universität über 50.000 - so viele wie nie zuvor seit Beginn der Pandemie. Für Samstag wurden gut 45.000 Neuinfektionen gemeldet. Die Zahlen am Wochenende waren auch wegen verzögerter Meldungen zuletzt oft niedriger als jene der Wochentage.

Trump spielte die Corona-Krise am Samstag erneut herunter. «Unsere Strategie kommt gut voran», sagte Trump. Er behauptete, dass 99 Prozent der inzwischen festgestellten Corona-Fälle «komplett harmlos» seien. Insgesamt wurden in den USA bislang mehr als 2,8 Millionen Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 nachgewiesen. Rund 130.000 Menschen starben infolge einer Infektion.

Trump nutzte seinen Auftritt erneut für Angriffe auf seine politischen Gegner. «Amerikanische Helden» hätten die Nazis, Faschisten, Kommunisten und Terroristen besiegt, amerikanische Werte gerettet und Prinzipien hochgehalten, sagte Trump. «Wir sind jetzt dabei, die radikale Linke, die Marxisten, die Anarchisten, die Unruhestifter und Plünderer zu besiegen», sagte er.

In mehreren US-Städten, darunter in Washington und New York, kam es auch wieder zu Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt. In beiden Städten zündeten Demonstranten US-Fahnen an, wie Fotos zeigten.

Trump bewirbt sich bei der Wahl am 3. November für eine zweite Amtszeit. Umfragen sehen derzeit aber den designierten Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, Joe Biden, in Führung. Biden sagte zum Unabhängigkeitstag in einer Videobotschaft: «Wir haben die Chance, die Wurzeln des systematischen Rassismus aus diesem Land herauszureißen». Biden beklagte, dass das «Streben nach einer perfekteren Gemeinschaft» in den USA in den vergangenen Jahren aus der Bahn geworfen worden sei. «Und niemand trägt dafür mehr Verantwortung als Präsident Donald Trump.»

© dpa-infocom, dpa:200705-99-676624/7

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Veröffentlicht am:
05. 07. 2020
23:53 Uhr

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