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USA: Erstmals mehr als 60.000 Corona-Neuinfektionen am Tag

Die USA bekommen die Corona-Krise nicht in den Griff. Einem Modell zufolge drohen in dem Land bis zum Herbst Zehntausende weitere Tote. Präsident Trump will dennoch mit aller Macht zurück zur Normalität - auch beim Schulbetrieb.



Messe
Betende Gläubige in der römisch-katholischen Kirche St. Bartholomew in New York. Die Kirche hat nach fast vier Monaten zum ersten Mal eine Messe abgehalten.   Foto: Jessie Wardarski/AP/dpa » zu den Bildern

Die USA haben erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie mehr als 60.000 Neuinfektionen an einem einzelnen Tag verzeichnet. Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität (JHU) vom Mittwoch lag die Zahl der am Vortag registrierten Neuansteckungen bei 60.021.

Den zuvor höchsten Wert verzeichnete JHU mit gut 54.000 Fällen am vergangenen Donnerstag. Bis November könnten nach einem weithin beachteten Modell des Instituts IHME der Universität Washington in Seattle in den USA insgesamt rund 208.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus sterben.

Der deutliche Anstieg der täglichen Fallzahl könnte auch auf eine verzögerte Meldung von Fällen nach dem langen Feiertags-Wochenende zurückzuführen sein, am Vortag waren noch rund 45.000 Neuinfektionen registriert worden. Das gilt auch für die Zahl der Toten, die am Dienstag der JHU zufolge sprunghaft von 325 auf 1195 anstieg.

Insgesamt liegt die Zahl der Toten infolge einer Covid-19-Erkrankung in den USA inzwischen bei mehr als 130.000. Seit Beginn der Pandemie wurden in den Vereinigten Staaten der JHU-Statistik zufolge mehr als drei Millionen Infektionen mit dem Coronavirus verzeichnet. Die Zahl der Neuansteckungen in den USA, einem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern, ist seit Mitte Juni im Zuge der Lockerung der Corona-Auflagen dramatisch angestiegen - vor allem in den Bundesstaaten Florida, Texas, Georgia, Arizona und Kalifornien.

Trotz der dramatisch hohen Fallzahlen drängt US-Präsident Donald Trump auf eine Öffnung der Schulen im Land nach den Sommerferien. «Wir werden Druck auf die Gouverneure (der Bundesstaaten) und alle anderen ausüben, die Schulen zu öffnen», sagte Trump am Dienstag (Ortszeit) bei einem Runden Tisch zu dem Thema im Weißen Haus. Der Republikaner warnte davor, Schulen aus politischen Erwägungen geschlossen zu halten. Er spielte damit auf demokratische Gouverneure von Bundesstaaten an, die sich in großer Zahl gegen Trumps Druck für eine schnelle Rückkehr zur Normalität wehren.

Trump schrieb am Mittwoch auf Twitter: «Die Demokraten denken, es wäre für sie politisch schlecht, wenn die US-Schulen vor der Wahl im November öffnen, aber es ist wichtig für die Kinder und Familien.» Er drohte Bundesstaaten im Fall von weiterhin geschlossenen Schulen mit einem Entzug von Bundesmitteln, ohne dabei ins Detail zu gehen. Trump schrieb weiter, in Deutschland, Dänemark, Norwegen, Schweden und vielen anderen Ländern hätten Schulen ohne Probleme geöffnet. Der Präsident teilte außerdem mit, er stimme mit den «sehr strengen und teuren Richtlinien» der Gesundheitsbehörde CDC nicht überein.

Trump schloss am Dienstag einen erneuten Lockdown wegen der Pandemie aus. «Wir bleiben offen, wir schließen nicht.» Der Präsident betonte, die Zahl der Todesfälle habe deutlich abgenommen - das ist im Vergleich zum Höhepunkt der Krise richtig. Allerdings sagte er auch, dass die Sterblichkeitsrate in den USA «die niedrigste auf der Welt» sei, was nicht stimmt. Am Mittwoch relativierte er auf Twitter, die Sterblichkeitsrate in den USA gehöre zu den niedrigsten weltweit. Nach JHU-Daten haben unter den 20 am schwersten von der Pandemie betroffenen Ländern 13 eine niedrigere Sterblichkeitsrate pro 100 bestätigter Corona-Infektionen als die USA.

Trump übte scharfe Kritik an der US-Eliteuniversität Harvard, die zuvor mitgeteilt hatte, wegen des Coronavirus im Wintersemester alle Vorlesungen online abzuhalten. «Ich denke, dass sie es sich leicht machen, und ich denke, sie sollten sich schämen», sagte Trump. Die US-Einwanderungsbehörde ICE hatte am Montag mitgeteilt, ausländische Studierende an US-Universitäten, die im Wintersemester wegen des Coronavirus ausschließlich Online-Kurse anbieten, müssten das Land verlassen oder an Hochschulen mit persönlichen Vorlesungen wechseln.

Harvard kündigte am Mittwoch an, gemeinsam mit der US-Eliteuniversität MIT juristisch gegen die Regelung vorzugehen. Die beiden Hochschulen hätten beim Bundesgericht in Boston den Erlass einer einstweiligen Verfügung beantragt, teilte die Universität Harvard im Bostoner Vorort Cambridge am Mittwoch mit. Harvards Präsident Lawrence Bacow kritisierte, die Regelung erwecke den Eindruck, als wolle die Regierung Druck auf Universitäten ausüben, die Lehrsäle ohne Rücksicht auf Gesundheitsbedenken wieder zu öffnen.

© dpa-infocom, dpa:200708-99-711071/6

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08. 07. 2020
19:11 Uhr

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