Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 30 Jahre WiedervereinigungCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Brennpunkte

USA wollen Türkei aus F-35-Programm ausschließen

Der türkische Präsident Erdogan hält eisern am Kauf eines russischen Raketenabwehrsystems fest. Die USA drohen dem Nato-Partner dafür mit dem Rauswurf aus dem F-35-Kampfjetprogramm - und machen nun ernst.



F-35
Wegen des geplanten Kaufs eines russischen Raketenabwehrsystems durch die Türkei leiten die USA Schritte zum Ausschluss des Nato-Partners aus dem F-35-Kampfjetprogramm ein.   Foto: Alexander Cook/U.S. Air Force

Wegen des geplanten Kaufs des russischen S-400-Raketenabwehrsystems durch die Türkei leiten die USA Schritte zum Ausschluss des Nato-Partners aus dem F-35-Kampfjetprogramm ein.

In einem am Freitag (Ortszeit) veröffentlichten Schreiben informierte der geschäftsführende US-Verteidigungsministers Patrick Shanahan seinen türkischen Kollegen Hulusi Akar über die geplanten Maßnahmen, um die türkische Teilnahme an dem Programm ab Ende Juli auszusetzen. Shanahan warnte Akar, die Türkei werde keine F-35-Kampfjets bekommen, wenn die Regierung das russische S-400-System entgegennehme. Noch könne die Regierung in Ankara ihren Kurs ändern.

In einem Anhang des auf Donnerstag datierten Schreiben heißt es, das türkische Personal, das an dem neuen F-35-Jet ausgebildet werde, müsse die USA bis zum 31. Juli verlassen. Das Ausbildungsprogramm werde danach ausgesetzt. Das Personal im gemeinsamen F-35-Projektbüro müsse ebenfalls bis Ende Juli ausreisen. Von der Teilnahme am Runden Tisch der F-35-Programmpartner, dessen nächste Sitzung am 12. Juni geplant sei, werde die Türkei ausgeschlossen. Die Türkei werde keine neuen Fertigungsaufträge im F-35-Programm erhalten. Materiallieferungen blieben auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hält bislang an dem mit Russland vereinbarten Kauf des Raketenabwehrsystems S-400 fest. Erste S-400-Lieferungen an die Türkei soll es schon im Sommer geben. Nach US-Angaben hat die Türkei den Kauf von mehr als 100 F-35-Kampfjets geplant und bereits mehr als 1,25 Milliarden Dollar (1,11 Milliarden Euro) in das Programm investiert. Die Türkei ist Partner beim Bau des Kampfjets. An dem F-35-Programm beteiligen sich neben den USA und der Türkei zwölf weitere Staaten. Das Flugzeug wird vom US-Rüstungskonzern Lockheed Martin produziert.

Ankara reagierte am Samstag gelassen auf die Ankündigung der USA. In Shanahans Schreiben gehe es um Verteidigungs- und Sicherheitsfragen, teilte das türkische Verteidigungsministerium mit, ohne das F-35-Kampfjetprogramm direkt zu erwähnen. «Der Brief drückt die Erwartung aus, eine Lösung für existierende Probleme im Rahmen der strategischen Partnerschaft zu finden und die umfassende Sicherheitszusammenarbeit weiter aufrecht zu erhalten.»

Washington argumentiert, dass Russland über die in der Türkei installierten Raketen an Daten über die Fähigkeiten der neuen F-35-Tarnkappenflugzeuge gelangen könnte. Die USA hat der Türkei angeboten, statt des russischen S-400-Systems das Raketenabwehrsystem Patriot aus US-Produktion zu kaufen.

Shanahan verwies in seinem Schreiben an Akar darauf, dass es im US-Kongress parteiübergreifende Unterstützung für Sanktionen gegen die Türkei gebe, sollte Ankara mit dem Kauf des S-400-Systems fortfahren. Auch die Zusammenarbeit mit den USA und innerhalb der Nato werde dadurch beeinträchtigt. Der türkische Kurs könne zum Verlust von Arbeitsplätzen und zu Handelseinbußen führen.

Russland hatte erklärt, von Seiten der Türkei habe es keine Anfrage gegeben, die unterzeichneten Verträge zu überarbeiten. «Alles - Lieferung und Montage - wird in diesem Sommer ausgeführt», sagte Vizeregierungschef Juri Borissow der Agentur Interfax zufolge. Nach Angaben des russischen Staatskonzerns Rostec wurde die Ausbildung türkischer Spezialisten an der Waffe abgeschlossen. «Ich hoffe, dass wir in zwei Monaten mit den Lieferungen beginnen», sagte Rostec-Leiter Sergej Tschemesow im russischen Fernsehen.

Der russische Vizeregierungschef Juri Borissow sagte der Agentur Tass zufolge am Samstag beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg, Russland sehe trotz der Behinderungen durch die USA weiterhin Interesse im Ausland an seinem Abfangraketensystem S-400. Es gebe keinen Mangel an Bestellungen für S-400-System. «Alle (Kunden) werden von den Amerikanern unter Druck gesetzt.» Aber noch befürchte man nicht, dass es an Lieferungen ins Ausland mangeln könnte. Zahlen und Einzelheiten nannte Borissow dem Bericht zufolge nicht.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
08. 06. 2019
21:58 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bau Dollar Flugzeuge Interfax Kongress der Vereinigten Staaten Lockheed Martin Mitarbeiter und Personal Nato Recep Tayyip Erdogan Regierungen und Regierungseinrichtungen Russisches Fernsehen Verteidigungsminister der USA Verteidigungsministerien
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Konflikt in Berg-Karabach

05.10.2020

Konflikt in Berg-Karabach fordert immer mehr Todesopfer

Seit mehr als einer Woche dauern die schweren Gefechte im Südkaukasus an. Ein schnelles Ende des Blutvergießens ist nicht in Sicht. Die Nato hofft nun, dass die Türkei auf Aserbaidschan einwirken kann. » mehr

Ankunft S-400 Raketenabwehrsystem in der Türkei

17.07.2019

Trump: Verständnis für Türkei wegen russischen Waffensystems

Die Türkei kauft ein russisches Raketenabwehrsystem und verärgert damit das US-Verteidigungsministerium. Donald Trump aber kann den Argumenten Ankaras etwas abgewinnen. » mehr

Duda und Trump

25.06.2020

Trump: Abgezogene US-Soldaten gehen zum Teil nach Polen

Wenige Tage vor der Wahl in Polen holt sich Präsident Duda Lob im Weißen Haus ab. US-Präsident Trump macht erneut deutlich, dass er Berlin abstrafen will - und sagt, wo ein Teil der in Deutschland stationierten US-Truppe... » mehr

Donald Trump

11.10.2020

Trump will nun gegen Coronavirus «immun» sein

Vor einer Woche lag US-Präsident Trump noch im Krankenhaus. Jetzt zieht es ihn zurück in den Wahlkampf. Sein Arzt gibt grünes Licht dafür - doch wichtige Fragen zu seiner Gesundheit bleiben unbeantwortet. » mehr

Militärübung in Zypern

26.08.2020

Spannungen zwischen Athen und Ankara auch nach Maas-Reise

Vor einem «Spiel mit dem Feuer» hatte Außenminister Maas bei seiner Vermittlungsreise nach Athen und Ankara gewarnt. Auch nach seiner Rückkehr geht das äußerst gefährliche Spiel aber weiter - als wenn nichts gewesen wäre... » mehr

Alexej Nawalny

09.09.2020

Fall Nawalny: Moskau kritisiert Berlin

Ungewöhnlich scharf tritt Berlin im Fall Nawalny auf. Doch auch Russland schießt zurück. Für Außenminister Lawrow ist das Verhalten aus Berlin «absolut inakzeptabel». Der deutsche Botschafter wird zum Gespräch gebeten. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Flensburg - HSC 2000 Coburg

Flensburg - HSC 2000 Coburg | 25.10.2020 Flensburg
» 114 Bilder ansehen

BBC vs. Oberhaching

BBC - Oberhaching | 25.10.2020 Coburg
» 32 Bilder ansehen

Tödlicher Bahnunfall in Kronach Kronach

Tödlicher Bahnunfall in Kronach | 24.10.2020 Kronach
» 4 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
08. 06. 2019
21:58 Uhr



^