Lade Login-Box.
Topthemen: Coronavirus in BayernDie Videos der WocheDer BachelorCotubeBlitzerwarner

Brennpunkte

Verbände warnen vor «E-Scooter-Chaos»

Auf deutschen Straßen rollen nun immer mehr E-Scooter. Es ist bereits zu vielen Unfällen gekommen, auf Bürgersteigen abgestellte Tretroller behindern Fußgänger. Wie soll es weitergehen?



E-Tretroller im Straßenverkehr
Auf zwei winzigen Rädern im Innenstadtverkehr, die Augen fest aufs Handy geheftet: Ein Tourist fährt durch Berlin-Mitte.   Foto: Bernd von Jutrczenka » zu den Bildern

Knapp einen Monat nach der Zulassung von E-Tretrollern haben Verkehrsverbände eine kritische Zwischenbilanz gezogen. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat und der ADAC forderten angesichts erster Unfälle eine bessere Aufklärung über Sicherheitsgefahren.

Aus Berlin und anderen Städten seien seit der Zulassung zum Teil schwere Unfälle gemeldet worden, sagte Christian Kellner, Hauptgeschäftsführer des Verkehrssicherheitsrats, der Deutschen Presse-Agentur. «Das zeigt, wie gefährlich das Fahren mit E-Scootern ist und wie sehr es von einigen unterschätzt wird.»

Dringend notwendig sei eine breite Aufklärung. «Alle müssen wissen, wie man mit den Fahrzeugen fährt und wann welche Unfallrisiken bestehen.» Gefordert seien dabei auch die Hersteller und Sharinganbieter, die per App oder über den E-Scooter direkt Sicherheitshinweise geben könnten.

Unachtsam abgestellte E-Scooter

«Immer häufiger sind unachtsam abgestellte E-Scooter Stolperfallen auf den Bürgersteigen», sagte Kellner. Das müsse verhindert werden - auch dass diese Fahrzeuge zu zweit benutzt werden. «Sollte sich die Unfallsituation weiter verschlechtern und sollten mehr Menschen mit Kopfverletzungen und Brüchen in Krankenhäuser eingeliefert werden, müssen wir über eine Helmpflicht nachdenken», sagte Kellner. «Dann müsste die Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern die Verordnung entsprechend anpassen.»

E-Tretroller dürfen zwischen 6 und 20 Kilometer pro Stunde schnell fahren und müssen eine Lenk- oder Haltestange haben. Vorgeschrieben sind auch zwei Bremsen, Licht und eine «helltönende Glocke». Erlaubt sind sie ab 14 Jahren, eine Helmpflicht gibt es nicht. Fahren müssen E-Scooter auf Radwegen - gibt es keine, muss es die Fahrbahn sein.

In den vergangenen Wochen war es der Polizei zufolge bereits zu einigen Unfällen auf den Straßen und Gehwegen gekommen. In Berlin wurden bislang mindestens sieben E-Tretroller-Unfälle und mindestens acht Schwerverletzte mit Knochenbrüchen und Kopfverletzungen registriert. Frankfurt und Hamburg meldeten eine einstellige Zahl an Unfällen, München zählte bislang mindestens sechs. In Stuttgart waren der Behörde zunächst keine Unfälle bekannt. In Sachsen spielen die mit Strom betriebenen Roller bisher kaum eine Rolle.

Zudem wurden in den Städten bereits zahlreiche E-Tretroller-Fahrer für Verwarnungsgelder zur Kasse gebeten - oft, weil sie auf den Rollern betrunken, zu zweit oder auf dem Gehweg unterwegs waren.

Verkehrsverbände

Kellner vom Verkehrssicherheitsrat sagte, die Koalition habe sich das Ziel gesetzt, die Zahl der Getöteten und Schwerverletzten im Verkehr zu senken. Neben umfassenden Aufklärungsmaßnahmen gehöre dazu dann auch, in infrastrukturelle Maßnahmen zu investieren. Wege müssten sicherer gemacht werden, es müsse ausreichend Platz für die ungeschützten Verkehrsteilnehmer geschaffen werden - so sicher, dass man auch mit E-Scootern sicher ankommen könne.

Auch eine Sprecherin des ADAC verwies auf zunehmende Probleme mit den E-Scootern. Der Automobilclub appelliere an die Nutzer, sich verantwortungsvoll, defensiv und vorausschauend verhalten. Fahrer auf dem E-Scooter seien «schutzlos», im Falle von Stürzen und Unfällen könne es zu schweren Verletzungen kommen. Wichtig sei es, sich vorab über die mögliche Route Gedanken zu machen und Strecken ohne Radweg möglichst zu vermeiden.

Dass es reihenweise zu Alkohol-Fahrten komme, zeige für den ADAC die Notwendigkeit verstärkter Aufklärung: «E-Scooter sind Kraftfahrzeuge, es gelten die gleichen strikten Regeln wie beim Autofahren.» Das sei angesichts von Geschwindigkeit und Gefährdung auch richtig. Mit Vernunft genutzt könnten die E-Tretroller jedoch eine gute Ergänzung gerade in den Städten sein.

Als positiv bewertet es der ADAC, dass einzelne Verleiher ihre Apps nutzen, um zusätzliche Sicherheitshinweise zu geben. «Das Engagement könnte allerdings noch deutlich größer sein», sagt die Sprecherin. Denkbar sei es etwa, dass Verleiher und Hersteller Trainings anbieten: «Es liegt im Interesse der Hersteller und Verleiher, dass es in unseren Städten nicht zu einem Scooter-Chaos kommt.»

Veröffentlicht am:
12. 07. 2019
22:07 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
ADAC Auto Autofahren Debakel Deutsche Presseagentur Fahrzeuge und Verkehrsmittel Fußgänger Gefahren Polizei Radwege Verkehr Verkehrsclubs Verkehrsteilnehmer
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
E-Scooter

29.01.2020

Zu rücksichtslos unterwegs? Der Streit um die E-Scooter

Rücksichtslose Fahrer, missachtete Verkehrsregeln, achtlos abgestellte Fahrzeuge, viele Unfälle, schwere Verletzungen, kaum Nutzen für den Mobilitäts-Mix: Experten sehen E-Scooter zunehmend kritisch. » mehr

Unfallort in Berlin

08.09.2019

Hitzige SUV-Debatte nach Unfall mit vier Toten in Berlin

Fassungslosigkeit und die Frage nach dem Warum prägen die Tage nach dem Berliner Innenstadt-Unfall mit vier Toten. Konsequenzen werden gefordert. Noch steht aber nicht fest, wie es passieren konnte. » mehr

CSU gegen generelles Tempolimit auf Autobahnen

02.02.2020

CSU-Kampagne gegen Tempolimit auf Autobahnen

«Tempolimit? Nein Danke!» Mit diesem Slogan und einer Kampagne im Internet bezieht die CSU noch einmal deutlich Stellung - bei einem der größten Reizthemen der deutschen Verkehrspolitik. » mehr

Parken für Anwohner

01.11.2019

Anwohnerparkausweise könnten künftig teurer werden

Neue Radwege oder Ladesäulen für E-Autos brauchen Platz. Der aber wird in vielen Städten knapp. Auch um Spielraum etwa für günstigere Nahverkehrstickets oder neue Radwege zu schaffen, könnten Kommunen künftig beim Anwohn... » mehr

Autobahn

26.01.2020

Autoindustrie hält an Nein zu Tempolimit fest

In die Diskussion um ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen kommt Bewegung: Der ADAC ist nicht mehr grundsätzlich dagegen. Doch die Autoindustrie hält an ihrem Nein fest. » mehr

E-Scooter

12.01.2020

Studie: E-Scooter-Unfälle führen oft zu Kopfverletzungen

Kleine Reifen, schmaler Lenker und eine Fahrt im Stehen auf einem schmalen Brett: Dass E-Scooter nicht die sichersten aller Gefährte sind, wird schon auf den ersten Blick klar. Kopfverletzungen sind bei Unfällen mit den ... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

VfL Gummersbach - HSC 2000 Coburg 24:24 (10:12) Gummersbach

VfL Gummersbach - HSC 2000 Coburg 24:24 (10:12) | 18.02.2020 Gummersbach
» 79 Bilder ansehen

Größte Jura-Schildkröte der Welt in Oberfranken Bamberg/Landkreis

Größte Jura-Schildkröte der Welt in Oberfranken | 18.02.2020 Bamberg/Landkreis
» 5 Bilder ansehen

Autonomes Fahren in der Region

Autonomes Fahren: Shuttle-Bus-Präsentation in Kronach | 18.02.2020 Kronach
» 45 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
12. 07. 2019
22:07 Uhr



^