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Was folgt auf den Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan?

Die offene Aussprache über sexuellen Missbrauch mag für die Kirche ein großer Schritt gewesen sein. Doch nicht nur die Opfer verlangen mehr. Aus Deutschland kommen Vorschläge, was auf das historische Spitzentreffen folgen muss.



Opfer demonstrieren
Opfer von sexuellem Missbrauch und Mitglieder des ECA (Ending Clergy Abuse) demonstrieren auf dem Petersplatz.   Foto: Alessandra Tarantino/AP

Rufe nach verbindlichen Weisungen des Papstes und konkreten Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche werden nach dem Spitzentreffen im Vatikan immer lauter.

Nach deutschen Theologen meldeten sich am Montag auch Politiker zu Wort. «Ich erwarte von der Kirche, dass sie verlässliche dauerhafte Strukturen schafft, um Missbrauch aufzudecken, aufzuklären und möglichst zu verhindern. Und das muss schnell und konkret geschehen», erklärte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) am Montag.

Papst Franziskus hatte am Sonntag zum Abschluss der historischen Konferenz zum Thema Missbrauch zwar klare Worte gesprochen sowie konsequentes Durchgreifen gegen Täter und ein Ende der Vertuschung zugesagt. Konkrete Schritte, wie er das in Zukunft erreichen will, nannte er aber nicht.

Der Vatikan arbeitet nun an einer Task Force zur Unterstützung der Ortskirchen bei der Bewältigung des Themas und an einem Praxishandbuch zum Umgang mit Missbrauchsfällen für die Bischöfe, wie die Organisatoren der Konferenz im Anschluss erklärten. Ein Dekret vom Pontifex soll es auch geben - aber nur für den Vatikan und die Kurie, nicht für die ganze Weltkirche.

Den Opfern reicht das nicht. Die Organisation Ending Clergy Abuse (ECA) legte am Montag in Rom einen «Schlachtplan» vor, mit dem Papst Franziskus aus ihrer Sicht dem Missbrauch Minderjähriger in der Kirche ein Ende setzen könnte. Sie forderten erneut, dass die Entlassung von Missbrauchstätern und Vertuschern aus dem Klerikerstand im Kirchenrecht verankert wird. Auch verlangten sie, dass Akten über Missbrauchsfälle an die Zivilbehörden ausgehändigt und ihre Vernichtung verboten wird.

Aus Deutschland kamen Vorschläge, wie es nach dem Anti-Missbrauchsgipfel weitergehen könnte. Der Passauer Bischof Stefan Oster sprach sich in der «Passauer Neuen Presse» (Montag) unter anderem für eine eigene kirchliche Gerichtsbarkeit für Missbrauchsfälle aus, «damit die Verfahren für Priester nicht immer langwierig und zum Teil ergebnislos über Rom laufen müssen».

Der Freiburger Theologieprofessor Magnus Striet schlug eine Synode aller deutschen Bistümer vor. «In Deutschland gibt es eine allgemeine Verwirrung, wie es weitergehen soll. Eine deutsche Synode wäre sinnvoll», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die deutschen Bischöfe unterstützten zwar grundsätzlich den Kampf gegen sexuellen Missbrauch von Kindern durch Geistliche. «Aber viele sind erschrocken, was das konkret bedeuten würde.» Kirchliche Aussagen zur Sexualität müssten auf den Prüfstand - ebenso wie die Pflicht zum Zölibat, also zur Ehelosigkeit von Priestern. Zum Kampf gegen Missbrauch gehöre auch, den hierarchischen Aufbau der Kirche zu überdenken, sagte Striet.

Nach einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Funke Mediengruppe sind 82 Prozent der Bundesbürger für eine Abschaffung des Zölibats. Bei den Katholiken ist der Anteil der Kritiker sogar noch minimal höher: etwa 83 Prozent halten den Zölibat für nicht mehr zeitgemäß.

Der Theologe Michael Seewald kritisierte, dass Papst Franziskus den Ball wieder ins Feld der nationalen Bischofskonferenzen gespielt hat. Diese gingen mit dem Thema sehr unterschiedlich um, sagte der Professor für Dogmatik an der Universität Münster der dpa.

In vielen Ländern wird das Thema Missbrauch sowohl in der Gesellschaft als auch in der Kirche nicht als Problem anerkannt. Während in Deutschland, Irland oder den USA die Aufarbeitung der Missbrauchsskandale zumindest begonnen hat, steht die Debatte darüber vielerorts noch ganz am Anfang.

«Viele (Bischöfe) kamen her, überzeugt, dass das Thema überzogen ist», bestätigte der deutsche Pater Bernd Hagenkord, der die Konferenz als Sprecher verfolgte, in seinem Blog. Im Lauf der Konferenz seien viele zur Überzeugung gekommen, dass eine gemeinsame kirchliche Linie nötig sei.

Papst Franziskus hat damit eines seiner Ziele für den Gipfel erreicht. Er wollte die Bischöfe aus aller Welt sensibilisieren, dass sexueller Missbrauch ein Problem ist und ihnen das Leid der Opfer vor Augen führen. Doch bringt das allein die nötige Veränderung? «Nach der Konferenz ist vor der Praxis», schreibt Hagenkord. «Jetzt wird sich zeigen, ob die Bischöfe wirklich den Mumm haben, die vielen Ideen zu Beteiligung, Kontrolle, zu Verfahren und Verantwortlichkeit umzusetzen.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
25. 02. 2019
16:51 Uhr

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