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Weißer Ring will Stalkingopfern mit einer App helfen

Stalking kann Menschen zur Verzweiflung treiben und in panische Angst versetzen. Das Dunkelfeld ist riesig und Verurteilungen schwierig. Der Weiße Ring will das mit einer App ändern.



Jörg Ziercke
Bundesvorsitzende der Opferschutzvereinigung Jörg Ziercke: Das Dunkelfeld bei Stalking ist «riesengroß».   Foto: Peter Zschunke/dpa

Der Weiße Ring beklagt ein «riesiges Defizit» in der Strafverfolgung von Stalking und will Opfern mit einer App helfen, sich zu schützen und zugleich Beweise für die Strafverfolgung zu sammeln.

Rund 19.000 Stalking-Straftaten seien in der Polizei-Statistik registriert, aber nur in einem Prozent davon komme es zu Verurteilungen, sagte der Bundesvorsitzende der Opferschutzvereinigung, Jörg Ziercke, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Das Dunkelfeld sei zudem «riesengroß». Schätzungen gingen von mindestens 200.000 bis 300.000 Fällen aus. Das Problem sei es, Stalking zu beweisen.

Dem Strafgesetzbuch zufolge müsse die Beharrlichkeit des Nachstellens gegeben sein, also mindestens fünf, sechs Handlungen, sagte Ziercke. Das könnten auch ganz legale Handlungen sein, wie etwa alle drei Tage einen Liebesbrief schreiben, Blumen vor die Tür legen, «Ich liebe Dich» auf eine Parkbank schreiben oder ein Herz hinter den Scheibenwischer zu klemmen. «Jede Handlung an sich ist erstmal nicht relevant, die Summe ist entscheidend», betonte Ziercke.

Das Aufbauen eines psychischen Drucks, Hinterherrufen und Schreie: Mit der No Stalk App lasse sich alles in Foto, Video und Sprache sofort aufnehmen. Dabei könnten auch Zeugen aufgenommen werden oder die eigene Verfassung dokumentiert werden. Jede dieser Aufnahmen bekomme automatisch eine digitale Orts- und Zeitangabe, werde sofort verschlüsselt, dann an einen externen Server übersandt, und anschließend auf dem Handy des Opfers gelöscht. «Dem Täter bringt es nichts, sich in den Besitz des Handys zu bringen.» Bereits rund 8000 Mal sei die App bislang runtergeladen worden.

Solche ersten Handlungen könnten ausreichen, um bei der Polizei Anzeige wegen des Verdachts des Stalkings zu erstatten. Die Beamten könnten die Gefährder dann ansprechen und auffordern, ihr Verhalten zu unterlassen. «In 80 Prozent der Fälle ist eine solche Gefährderansprache erfolgreich. Der Stalker hat von seinem Verhalten abgesehen», sagte Ziercke.

Die Infos seien aber gleichzeitig auch für das Strafverfahren und das Gericht von Bedeutung. Mit der Zahl der dokumentierten Handlungen könne das Opfer beweisen und plausibel machen, warum der psychische Druck zu Krankheiten, Alpträumen und einem Trauma führte.

Die App biete neben der Dokumentation auch konkrete Hilfsfunktionen. Ein schriller Alarmton etwa könne Passanten aufmerksam machen, wenn der Täter aggressiv werde.

Die Aufnahmen des Stalking-Opfers seien verschlüsselt und könnten nur von ihm mit seinem persönlichen Code-Schlüssel entschlüsselt werden. Um die Daten runterzuladen bedürfe es einer PIN, welche das Opfer beim Weißen Ring abrufen könne. «Das Opfer hat aber immer das letzte Wort, ob es damit zur Polizei will, zum Rechtsanwalt oder auch, ob es die Aufnahmen löschen will.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
26. 12. 2019
10:20 Uhr

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Veröffentlicht am:
26. 12. 2019
10:20 Uhr



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