Lade Login-Box.
Topthemen: NP-FirmenlaufMordfall OttingerHSC 2000 CoburgBBC CoburgStromtrasse

Brennpunkte

Wen überfahren? Moralisches Dilemma auch bei autonomen Autos

Ebenso wie Fahrer können auch autonome Autos vor Dilemma-Situationen kommen, wenn ein Unfall unausweichlich ist. Wie sollen sie programmiert werden? Forscher haben eine riesige Umfrage ausgewertet.



Autonomes Fahren
Ein selbstfahrendes Fahrzeug des Typs Jeep wird bei der Consumer Electronics Show präsentiert.   Foto: Britta Pedersen

Auch autonome Fahrzeuge können in ein Entscheidungsdilemma kommen. Wie sollen sie vor einem Unfall lenken, wenn es auf jeden Fall zu einem Schaden kommt. Antworten haben US-Forscher mit einer weltweiten Umfrage gefunden.

Demnach würde eine Mehrheit eher Kinder als Ältere verschonen sowie eher Menschen als Tieren ausweichen. Das Ergebnis weise allerdings größere kulturelle Unterschiede auf, schreiben die Forscher um Iyad Rahwan vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge im Journal «Nature».

Die Internet-Umfrage mit dem Titel «Moral Machine» sorgte weltweit für Schlagzeilen. Die große Beteiligung machte es den Forschern möglich, fast 40 Millionen Entscheidungen in Dilemma-Situationen zu analysieren. Allerdings war die Befragung nicht repräsentativ; so waren etwa junge Männer überproportional vertreten.

Rahwan und Kollegen begründen ihre Befragung mit der Bedeutung für die Akzeptanz autonomer Fahrzeuge in der Bevölkerung: «Selbst wenn sich die Ethiker einig wären, wie autonome Fahrzeuge moralische Dilemmata lösen sollten, wäre ihre Arbeit nutzlos, wenn die Bürger ihrer Lösung nicht zustimmen würden.»

In einem konkreten Fallbeispiel versagten die Bremsen des Fahrzeugs. Die Befragten mussten sich entscheiden, ob drei ältere Menschen, die bei Rot über die Straße gehen, überfahren werden sollen oder ob der Wagen gegen eine Betonwand gelenkt werden soll. Dies hätte den Tod der Insassen, darunter ein Junge, zur Folge.

Insgesamt mussten die Teilnehmer neun Entscheidungen in unterschiedlichen Situationen treffen, darunter: Fahrzeuginsassen oder Fußgänger, Männer oder Frauen, Jüngere oder Ältere, Sportliche oder Unsportliche, Menschen mit höherem oder niedrigerem sozialen Status.

Bei der Auswertung nach Ländern ergaben sich drei große Gruppen: westliches, östliches und südliches Cluster. Die Entscheidungen in vielen asiatischen Ländern (östliches Cluster) weichen von den anderen Gruppen dadurch ab, dass sie nicht die jüngeren Menschen verschonen würden. Stattdessen gilt in diesen Ländern der Respekt vor den älteren Mitgliedern der Gemeinschaft.

Das südliche Cluster (Mittel- und Südamerika) unterscheidet sich vom westlichen Cluster (Europa, Nordamerika) unter anderem dadurch, dass die Mittel- und Südamerikaner sehr viel öfter eingreifen würden als auf das Lenken zu verzichten.

Die Ergebnisse der «Moral Machine» weichen teilweise von den Regeln ab, die die deutsche Ethik-Kommission in ihrem Bericht «Autonomes und vernetztes Fahren» im Juni 2017 niedergelegt hat. So heißt es in Regel 9: «Bei unausweichlichen Unfallsituationen ist jede Qualifizierung nach persönlichen Merkmalen (Alter, Geschlecht, körperliche oder geistige Konstitution) strikt untersagt.»

In derselben Regel steht drei Sätze weiter: «Die an der Erzeugung von Mobilitätsrisiken Beteiligten dürfen Unbeteiligte nicht opfern.» Den Ergebnissen der Studie zufolge hat ein Großteil der Befragten weltweit andere moralische Vorstellungen.

Grundsätzlich finde sie das Ziel der Autoren richtig, eine Debatte über die «ethische Programmierung» von selbstfahrenden Autos anzustoßen, bevor diese auf den Straßen fahren, kommentiert Silja Vöneky von der Universität Freiburg die Studie. «Wir sollten aber nicht glauben, dass wir alle Normen und Prinzipien neu erfinden oder ändern müssen, nur weil es um eine neue Technik geht.» Dilemmasituationen habe es schon vorher gegeben und mit den Menschenrechten existierten bereits rechtlich bindende ethische Prinzipien.

Armin Grunwald vom Karlsruher Institut für Technologie warnt sogar vor den Schlussfolgerungen der Studie: «Weder aus Spielen noch aus Umfragen kann etwas über die ethische Zulässigkeit von Normen gelernt werden. Ansonsten könnte nach jedem schweren Verbrechen eine Umfrage gemacht werden, die mit ziemlicher Sicherheit für die Einführung der Todesstrafe ausgehen würde.» Grunwald gehörte der Ethik-Kommission an, die den Bericht «Autonomes und vernetztes Fahren» verfasst hat.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
24. 10. 2018
21:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Auto Berichte Ethikkommissionen Fahrzeuge und Verkehrsmittel Karlsruher Institut für Technologie Massachusetts Institute of Technology Nature Sozialer Status Technische Normen und Standardisierung US-Forscher Umfragen und Befragungen Unfallsituationen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Fußgänger

11.04.2019

Allianz stellt Studie zur Sicherheit von Fußgängern vor

Der Versicherungskonzern Allianz stellt heuteeine Studie zur Sicherheit von Fußgängern im Straßenverkehr vor. Obwohl immer weniger Menschen zu Fuß unterwegs sind, verunglücken jährlich 30.000 von ihnen allein in Deutschl... » mehr

Wolf

22.05.2019

Abschuss von Wölfen wird einfacher

Wenn es um Wölfe geht, ist fast alles umstritten: Wie viele in Deutschland leben, wie viele hierzulande leben sollten, wann und wo sie abgeschossen werden dürfen. Jetzt gibt es einen Kabinettsbeschluss zur «Lex Wolf». Ab... » mehr

Gottesdienst in Straubing

02.05.2019

Zahl der Kirchenmitglieder halbiert sich bis 2060

Bei Mitgliedern und Finanzen gehen die beiden großen Konfessionen düsteren Zeiten entgegen. Das haben sich katholische und evangelische Kirche jetzt bescheinigen lassen. Einen Lichtblick sieht eine Untersuchung dennoch. » mehr

Polizeieinsatz

05.05.2019

Clan-Fehden eskalieren in Köln und Ruhrgebiet

Verfolgungsjagd im Ruhrgebiet, Schlägerei in Köln: Gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen und innerhalb von Großfamilien haben der Polizei in Nordrhein-Westfalen viel Arbeit gemacht. » mehr

Rentner

16.04.2019

Reiche Rentner leben länger

Die Lebenserwartung in Deutschland steigt - aber nicht in allen Bevölkerungsschichten gleichermaßen. Erheblichen Einfluss hat, ob man arm ist oder reich. Und diese Schere klafft immer weiter auseinander, haben Forscher e... » mehr

Tauentzienstraße

26.04.2019

Tod nach mutmaßlichem Autorennen: Suche nach Fahrern

Zwei Männer sollen sich in Moers ein illegales Autorennen geliefert haben. Es kommt zu einer Kollision mit dem Auto einer unbeteiligten Frau. Sie ist jetzt tot. Wo sind die beiden Männer? » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Re: Gartenmarkt Mitwitz

Gartenmarkt in Mitwitz | 24.05.2019 Mitwitz
» 49 Bilder ansehen

"Fridays for Future" in Coburg Coburg

"Fridays for Future" in Coburg | 24.05.2019 Coburg
» 24 Bilder ansehen

Kreismusikfest und Jubiläum des Musikvereins Weißenbrunn

Kreismusikfest und Jubiläum des Musikvereins | 19.05.2019 Weißenbrunn
» 36 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
24. 10. 2018
21:00 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".