Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Brennpunkte

Witwe von IS-Terrorist Cuspert in Hamburg festgenommen

Die Töchter tief verschleiert, der kleine Sohn im Kampfanzug mit Pistole. So fotografierte Omaima A. ihre Kinder im «Kalifat» des IS. Warum sich die einstige Weggefährtin von Deso Dogg 2016 zur Rückkehr nach Deutschland entschloss, klärt jetzt der Generalbundesanwalt.



Witwe von IS-Terrorist festgenommen
Vermummte Polizisten führen die Witwe des IS-Terroristen Denis Cuspert zu einem Hubschrauber der Bundespolizei.   Foto: Telenewsnetwork

Drei Jahre nach ihrer Rückkehr aus dem Herrschaftsgebiet des IS hat die Polizei in Hamburg die Witwe des Berliner Gangsterrappers und späteren IS-Terroristen Denis Cuspert (alias Deso Dogg) festgenommen.

Omaima A. (35), deren Wohnhaus am Montag durchsucht wurde, soll am Dienstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes vorgeführt werden. Sie hat den Ermittlungen zufolge zwei der bekanntesten deutschen IS-Terroristen als Hausfrau den Rücken freigehalten, ihre Kinder nach der Ideologie der Extremistengruppe Islamischer Staat erzogen und Waffen besessen.

Laut einem arabischen TV-Bericht lebte Omaima A. zuletzt unverschleiert in einem Reihenhaus in Hamburg. Wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte, besteht der dringende Verdacht, dass sie 2015 mit ihren drei Kindern nach Syrien ausgereist war, wo sie Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) wurde.

Weshalb und auf welchem Weg Omaima A. später zurück nach Deutschland kam, liegt noch im Dunkeln. Laut Haftbefehl verließ sie nach Streitigkeiten mit Denis Cuspert - und um ihr viertes Kind in Deutschland zur Welt zu bringen - das Territorium des IS. Omaima A. besitzt die deutsche und die tunesische Staatsbürgerschaft.

Für Wirbel hatte ihr Fall bereits im vergangenen April gesorgt. Da war der arabische Fernsehsender Al-An in den Besitz eines Handys von Omaima A. gekommen. In einem TV-Beitrag zeigt der Sender zahlreiche Bilder, die sie mit dem Frankfurter Salafisten Nader H. zeigen, mit dem sie Anfang 2015 von der Türkei in die syrische IS-Hochburg Al-Rakka gereist war. Er soll nur wenige Wochen nach ihrer Ankunft in Syrien bei einem Luftangriff in Kobane ums Leben gekommen sein. Laut Generalbundesanwalt erhielt Omaima A. als Witwe Geld vom IS.

Später heiratete sie nach islamischem Recht Denis Cuspert, der ein Freund des Getöteten war. Mit ihm soll sie in Homs gelebt haben. Cuspert wurde Medienberichten zufolge im Januar 2018 in Syrien bei einem Luftangriff getötet.

Cuspert hatte seine Karriere als Rapper Deso Dogg aufgegeben und sich 2014 dem IS angeschlossen. In den USA stand er auf der Terrorliste. Der Sohn einer Deutschen und eines Ghanaers hatte sich als ausländischer Kämpfer der IS-Miliz angeschlossen, außerdem war der Berliner in mehreren Propaganda-Videos der Terrormiliz aufgetreten.

Dass Omaima A. in Syrien war, ist den deutschen Behörden schon länger bekannt. Ein Foto von ihrem Handy zeigt einen Brief vom Jobcenter in Frankfurt am Main vom April 2015. Darin wird Omaima A. mitgeteilt, dass sie ab sofort keine staatlichen Leistungen mehr erhalten wird. Die Begründung: «Ausreise nach Syrien».

Die Bundesanwaltschaft wirft der Deutsch-Tunesierin nicht nur die IS-Mitgliedschaft vor, sondern auch der Verletzung ihrer Fürsorge- und Erziehungspflicht. Außerdem habe sie gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen und für den IS geworben.

Omaima A. lebte dpa-Informationen zufolge zuletzt im Süden ihrer Geburtsstadt Hamburg. Schon vor ihrer Abreise nach Syrien soll sie dort als Spendensammlerin für fanatische Islamisten aufgetreten sein. Die Fotos auf ihrem Handy legen nahe, dass sie bereits 2011 der salafistischen Ideologie anhing. Medienberichten zufolge präsentierte sie sich nach ihrer Rückkehr auf später gelöschten Accounts in sozialen Netzwerken als Eventmanagerin und Übersetzerin.

Der FDP-Innenpolitiker Benjamin Strasser kritisierte die Dauer der Ermittlungen: «Wie kann es sein, dass Vorwürfe, die schon länger im Raum stehen, so lange geprüft werden, bis es zu einer Anklageerhebung kommt? Oder sind die Sicherheitsbehörden erst durch die mediale Berichterstattung auf Omaima A. aufmerksam geworden?» Sollte dies der Fall sein, «dann lässt das für den Radarschirm bei IS-Rückkehrern nicht Gutes befürchten», erklärte er. Auf eine Frage der Abgeordneten Cansu Özdemir (Linke) hatte der Hamburger Senat im April mitgeteilt, Omaima A. sei nicht als islamistische Gefährderin eingestuft.

Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft erklärte dazu: «Es hatte sich erst in jüngster Zeit ein dringender Tatverdacht ergeben.» Es gebe eben Fälle, in denen die Ermittlung von Beweismitteln schlichtweg mehr Zeit in Anspruch nehme.

Dass die Justiz zunächst nicht handelte, könnte theoretisch aber auch einen anderen Grund haben. Vielleicht wollten die Hamburger Sicherheitsbehörden erst herausfinden, ob polizeilich gesuchte Islamisten im In- und Ausland Kontakt zu Omaima A. aufnehmen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
09. 09. 2019
17:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Ausländer Bundesanwaltschaft Bundesgerichtshof Haftbefehle Hausfrauen IS-Terroristen Islam Islamischer Staat Islamisten Islamistischer Fundamentalismus Kinder und Jugendliche Kriegswaffenkontrollgesetz Polizei Terrormilizen YouTube
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Mordfall Lübcke

08.07.2019

Mordfall Lübcke: Erwog Stephan E. die Tat lange vorher?

Seine Aussage hat er widerrufen. Trotzdem zweifeln die Ermittler nach dem Mord an Regierungspräsident Lübcke nicht an dem umfangreichen Geständnis von Stephan E. Nun werden Details daraus öffentlich. » mehr

Gefängnistür

16.05.2019

Ex-Islamistenführer Sven L. kommt auf Bewährung frei

Während sich seine einstigen Gefolgsleute noch vor Gericht verantworten müssen, kommt Ex-Islamistenführer Sven L. auf freien Fuß. Er hat seine Strafe verbüßt und sich vom Salafismus distanziert. Dennoch muss er bald erne... » mehr

Anschlag vor Krankenhaus in Afghanistan

19.09.2019

Viele Tote nach Lkw-Bombe und US-Luftschlag in Afghanistan

Afghanistan erlebt gerade, was Experten nach dem Abbruch der Gespräche zwischen den USA und den Taliban prophezeit haben. Die Gewalt eskaliert. » mehr

Terroranschlag Breitscheidplatz

04.10.2019

Streit um Drohvideos des Weihnachtsmarkt-Attentäters

Ein Aufnahme, in dem Anis Amri eine Pistole in der Hand hat, soll nach dem Anschlag von einem ausländischen Geheimdienst an den BND weitergeleitet worden sein. Nun mehren sich in Berlin die Forderungen, das bisher unbeka... » mehr

Mutmaßliches IS-Mitglied festgenommen

17.04.2019

Mutmaßliches IS-Mitglied in Hamburg festgenommen

Die Bundesanwaltschaft hat ein mutmaßliches Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Hamburg festnehmen lassen. Der Zugriff erfolgte durch Beamte des Landeskriminalamtes, wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe... » mehr

Massenpanik bei Aschura-Fest im Irak

10.09.2019

Mehr als 30 Pilger sterben bei Massenpanik im Irak

Das Aschura-Fest gehört zu den wichtigsten Festen der schiitischen Muslime. Dabei ziehen riesige Menschenmassen durch die Straßen. In der irakischen Stadt Kerbela wollte die Masse zu einer Grabmoschee. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

25 Jahre Eigenständigkeit Untermerzbach

25 Jahre Eigenständigkeit Untermerzbach | 21.10.2019 Untermerzbach
» 13 Bilder ansehen

Ausstellung "Bunte Palette" Steinwiesen

Ausstellung "Bunte Palette" | 20.10.2019 Steinwiesen
» 32 Bilder ansehen

HC Elbflorenz Dresden - HSC 2000 Coburg 28:32 (13:16) Dresden

HC Elbflorenz Dresden - HSC 2000 Coburg 28:32 (13:16) | 20.10.2019 Dresden
» 141 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
09. 09. 2019
17:00 Uhr



^