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Zahl der Verkehrstoten auf Tiefstand - Anstieg bei Pedelecs

Der Trend zu immer weniger schweren Verkehrsunfällen hat sich 2019 fortgesetzt. Die Zahlen seien aber nach wie vor zu hoch, kritisieren Experten und Verbände. Für eine Gruppe von Radfahrern zeigt die Statistik zudem eine besorgniserregende Entwicklung.



Verkehrsunfall
Ein Motorrad liegt nach einem Unfall auf der Straße.   Foto: David Young/dpa

Noch nie seit Beginn der Statistik sind in Deutschland so wenige Menschen bei Unfällen im Straßenverkehr ums Leben gekommen wie im vergangenen Jahr.

Die Zahl der Verkehrstoten sank um 6,6 Prozent auf 3059, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden unter Berufung auf vorläufige Zahlen mitteilte. Mit rund 384 000 Fällen wurden auch 3,0 Prozent weniger Menschen verletzt. Einen starken Anstieg verzeichnet die Statistik allerdings bei Unfällen von Pedelecs.

Insgesamt starben bis einschließlich November 114 Fahrer solcher Räder mit elektrischer Unterstützung, dies entspricht einem Plus von 32,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der Schwerverletzten stieg um rund ein Fünftel auf 2452, wie das Bundesamt mitteilte.

Es handele sich um die Fortsetzung einer Entwicklung, die bereits seit Jahren anhält, sagte der Unfallforscher Siegfried Brockmann vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Hintergrund sei, dass vor allem ältere Menschen die Räder nutzten, bei denen ein elektrischer Motor das Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern unterstützt. Brockmann schlug vor, diese Höchstgrenze an die körperliche Leistung zu koppeln.

Abhilfe würden zudem breitere und sicherere Radwege schaffen, auch im Bereich von Kreuzungen müssten Radfahrer besser geschützt werden, sagte der Experte. Die bisher angebotenen Sicherheitskurse für Senioren müssten attraktiver werden. Brockmann riet zudem dringend zum Tragen eines Helms. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) forderte eine grundlegende Umgestaltung der Innenstädte zugunsten des Radverkehrs.

Die Zahl der Verkehrstoten sinkt seit Jahrzehnten - mit kleinen Ausreißern. Eine bundesweite Statistik wird seit 1953 geführt. 2018 war ein Anstieg auf 3275 im Vorjahresvergleich verzeichnet worden, Grund waren unter anderem mehr getötete Fahrradfahrer.

Die Zahlen heizten die Diskussion um Tempolimits nochmals an. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) erklärte bei Twitter, alles dafür tun zu wollen, die «Vision Zero» (null Verkehrstote) zu erreichen. Dies gelte insbesondere für Radfahrer. Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Cem Özdemir (Grüne), forderte Schutz für alle Verkehrsteilnehmer. Dazu nötig seien Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in der Stadt, sichere Radwege sowie Zonen, in die kein Lastwagen ohne Abbiegeassistent fahren dürfe.

Der VCD forderte zusätzlich Tempolimits auf Landstraßen von 80 und auf Autobahnen von 120 Stundenkilometern. Scheuer lehnt ein Tempolimit auf Autobahnen ab. Ein Vorschlag des Umweltausschusses der Länderkammer für eine generelle Beschränkung von 130 Kilometern pro Stunde fand auch im Bundesrat zuletzt keine Mehrheit.

Unfallforscher Brockmann kritisierte, die Bundesregierung habe das Ziel von 40 Prozent weniger Verkehrstoten bis zum Jahr 2020 ausgegeben. «Davon sind wir noch weit entfernt, das wären rund 2200.» Nötig wären mehr Verkehrskontrollen und höhere Bußgelder, die «lächerlich niedrig» seien. Die letzten Erhöhungen etwa für Falschparker hätten das System zudem aus dem Lot gebracht.

Die Polizei erfasste 2019 mit rund 2,7 Millionen erneut mehr Unfälle, der Anstieg betrug knapp zwei Prozent. Die Zahlen liegen für das Gesamtjahr vor, möglich seien aber noch einzelne Nachmeldungen der Polizei, sagte ein Sprecher des Bundesamts. Die seit vergangenem Sommer in vielen Städten umherflitzenden E-Scooter sind noch nicht extra ausgewiesen. Ab wann dies der Fall sein werde, sei noch unklar, sagte der Sprecher.

Den bisher vorliegenden detaillierteren Ergebnissen von Januar bis November 2019 zufolge gab es den stärksten Rückgang bei getöteten Fahrern von Motorrädern, Mopeds und Motorrollern - mit minus 15,1 Prozent. Auch weniger Fußgänger hatten tödliche Unfälle, die Zahl ging um knapp sieben Prozent zurück.

Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen meldeten dem Bundesamt mehr Verkehrstote als im Vorjahr. Sonst sanken die Zahlen am stärksten in Bayern, Sachsen und Nordrhein-Westfalen. Gemessen an der Einwohnerzahl sei das Risiko, im Straßenverkehr zu sterben, in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern am höchsten gewesen.

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dpa

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Veröffentlicht am:
27. 02. 2020
16:26 Uhr

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27. 02. 2020
16:26 Uhr



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