Lade Login-Box.
Topthemen: BlitzerwarnerGlobe-TheaterStromtrasseHSC 2000 Coburg

Brennpunkte

Zehntausende bei «Gelbwesten»-Protest in Frankreich

Mit Zugeständnissen und einer «nationalen Debatte» will Frankreichs Regierung die «Gelbwesten» besänftigen. Doch die demonstrieren weiter. Erneut gingen Zehntausende im Land auf die Straßen. Und ihre Wut scheint auch den Ärmelkanal überquert zu haben.



Tränengas
Teilnehmer einer Demonstration der «Gelbwesten» gehen in Bourges hinter ihren Barrikaden in Deckung, als Polizisten Tränengas einsetzen.   Foto: Rafael Yaghobzadeh/AP » zu den Bildern

Kurz vor Beginn einer «nationalen Debatte» zur Lösung der «Gelbwesten»-Krise sind in Frankreich erneut Zehntausende Menschen aus Protest gegen die Regierung auf die Straßen gegangen.

Rund 84.000 «Gelbwesten» seien im ganzen Land gezählt worden - weit mehr als am vergangenen Wochenende, wie französische Medien unter Berufung auf das Innenministerium berichteten. Es war bereits das neunte Protestwochenende in Folge. In London fand die Bewegung Nachahmer. Tausende demonstrierten am Samstag in der britischen Hauptstadt gegen die Regierung von Premierministerin Theresa May.

In Paris und anderen französischen Städten kam es ab dem Nachmittag zu Spannungen zwischen Polizei und Protestierenden. Von gravierenden Ausschreitungen wurde jedoch vorerst nichts bekannt. Einige Demonstranten hätten in der Hauptstadt nahe dem Triumphbogen Wurfgeschosse in Richtung von Polizisten geschleudert, sagte eine Polizei-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Die Sicherheitskräfte hätten daraufhin Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt.

In Paris wurden wieder zahlreiche Menschen im Zusammenhang mit den «Gelbwesten»-Protesten festgenommen. Sie hätten verbotene Waffen getragen oder sich einer Gruppe angeschlossen, die möglicherweise Gewalttaten begehen werde, hieß es bei der Polizei. Laut Staatsanwaltschaft wurden bis zum Abend mehr als 100 Menschen in Paris in Polizeigewahrsam genommen.

Auch in anderen Städten versammelten sich «Gelbwesten». In Bourges gingen nach Angaben der örtlichen Präfektur bis zum Nachmittag etwa 5000 Menschen auf die Straße. Ihr Protest lief zunächst überwiegend friedlich ab. Ab dem Nachmittag suchten sie jedoch den Angaben zufolge die Konfrontation mit den Sicherheitskräften. Die Stadt im Zentrum Frankreichs stand unter besonderer Beobachtung der Sicherheitsbehörden, nachdem es dort Online-Aufrufe zu Massenprotesten gegeben hatte.

In Bordeaux im Südwesten des Landes schossen Demonstranten Feuerwerkskörper in Richtung der Sicherheitskräfte, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Die Einsatzkräfte spritzten aus Schläuchen Wasser auf die «Gelbwesten». In Rouen in Nordfrankreich hätten «Gelbwesten» Journalisten des Senders LCI angegriffen, schrieb Innenstaatssekretär Laurent Nunez auf Twitter und verurteilte die Tat.

Die Bewegung scheint rund zwei Monate nach ihrem Beginn neue Kraft zu schöpfen. Es gingen an diesem Samstag über 30.000 Menschen mehr auf die Straßen als vergangene Woche - trotz Zugeständnissen der Regierung und eines angekündigten härteren Kurses in der Sicherheitspolitik. Rund um Weihnachten waren die Teilnehmerzahlen gesunken.

Die Hoffnungen von Präsident Emmanuel Macron und seiner Regierung ruhen nun auf einer «nationalen Debatte», die die «Gelbwesten» besänftigen und am Dienstag beginnen soll. In den kommenden Wochen sollen dabei die Bürger zu Wort kommen und Reformvorschläge äußern.

Die «Gelbwesten»-Bewegung hatte Macron in die bislang schwerste Krise seiner Amtszeit gestürzt. Seit Mitte November demonstrieren immer wieder Zehntausende gegen die Reformpolitik des Staatschefs und gegen eine als zu niedrig empfundene Kaufkraft. Immer wieder gab es Randale.

Die Wut aus Frankreich scheint mittlerweile auch den Ärmelkanal überquert zu haben. Tausende Demonstranten protestierten nach dem Vorbild der «Gelbwesten» in London gegen die britische Regierung. Sie forderten angesichts des Brexits ein Ende der Sparpolitik und eine Neuwahl. Dem Aufruf der Kampagne «The People's Assembly Against Austerity» folgten auch Politiker und Gewerkschafter aus weiten Teilen des Landes. Etwa 5000 bis 10.000 Demonstranten hätten teilgenommen, sagte eine Sprecherin der Veranstalter der Deutschen Presse-Agentur.

Auch Vertreter der Gelbwesten-Bewegung aus Frankreich nahmen an der Demonstration in London teil. «Alle europäischen Länder sollten sich diesem Kampf gegen die Sparpolitik anschließen», sagte ein Teilnehmer aus Frankreich der britischen Nachrichtenagentur PA.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 01. 2019
21:38 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Britische Regierungen Christophe Castaner Demonstranten Demonstrationen Deutsche Presseagentur Emmanuel Macron Französische Regierungen Polizei Theresa May Twitter Wut Ärmelkanal
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
«Gelbwesten» versammeln sich

23.03.2019

Zehntausende bei «Gelbwesten»-Protesten in Frankreich

Erneut haben Anhänger der «Gelbwesten»-Bewegung in Paris und anderen französischen Städten demonstriert. In der Vorwoche war es vor allem in der Hauptstadt zu schweren Ausschreitungen gekommen. » mehr

Paris

06.01.2019

Gewalt bei «Gelbwesten»-Demos: Macron ruft zum Dialog auf

Es sind nicht mehr so viele Menschen wie im November, die in gelben Warnwesten gegen Präsident Macron protestieren. Aber bei den ersten Protesten im neuen Jahr gibt es in Frankreich wieder Gewalt. » mehr

Wasserkanonen

16.03.2019

Paris: Wohnhaus geht bei «Gelbwesten»-Protest in Flammen auf

Wer die «Gelbwesten» schon abgeschrieben hatte, hat sich möglicherweise geirrt. Wieder einmal ist Paris Schauplatz von Straßenkämpfen. Ein letztes Aufbäumen? » mehr

Gallier

01.05.2019

Gewalt und Hunderte Festnahmen bei Protesten in Frankreich

Ausschreitungen überschatten den 1. Mai in Paris. Gewerkschaftschef Martinez greift die Polizei scharf an, Rechtspopulistin Le Pen macht die Mitte-Regierung für die Auseinandersetzungen verantwortlich. » mehr

Weitere Proteste in Frankreich

06.12.2018

Neue Krawalle in Frankreich erwartet

Eskaliert die Lage - so wie am vergangenen Wochenende? Oder wird es gar noch schlimmer? Was Frankreich am Samstag bei erneuten Protesten der «Gelben Westen» erwartet, ist ungewiss. Die französische Regierung rechnet alle... » mehr

«Gelbwesten»-Proteste in Paris

22.04.2019

Randale bei «Gelbwesten»-Protesten in Paris

Dass Autos samstags in Paris in Flammen aufgehen - das überrascht schon fast niemanden mehr. Doch am Osterwochenende sorgt ein anderer Vorfall bei den «Gelbwesten»-Protesten für Entrüstung. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Kutschunfall in Weisbrunn

Kutschunfall in Weisbrunn | 21.08.2019 Weisbrunn
» 13 Bilder ansehen

Fränkische Weinkönigin besucht die Haßberge

Fränkische Weinkönigin besucht die Haßberge | 21.08.2019 Haßberge
» 8 Bilder ansehen

Jubiläumsfeier "75 Jahre Befreiung in der Normandie"

Jubiläumsfeier "75 Jahre Befreiung in der Normandie" | 21.08.2019 Trun/Ebern
» 8 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 01. 2019
21:38 Uhr



^