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Zweiter Gipfel in Hanoi: Trump sieht Fortschritte mit Kim

Der erste Gipfel bannte die Kriegsgefahr, brachte aber nur vage Ergebnisse. Das zweite Treffen des US-Präsidenten mit seinem «Freund» Kim soll endlich die atomare Abrüstung voranbringen. Während sich Trump als Friedensstifter gibt, gerät er daheim in die Defensive.



Trump trifft Kim
Acht Monate nach dem Gipfel in Singapur nun der zweite Teil der Trump&Kim-Show. Der US-Präsident lobt sein Gegenüber für einen «sehr guten Dialog».   Foto: Evan Vucci » zu den Bildern

Das Gipfeltreffen von Donald Trump mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un über Frieden und Abrüstung ist nach Angaben des US-Präsidenten gut vorangekommen.

Nach den ersten, zweistündigen Gesprächen am Mittwoch in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi schrieb Trump auf Twitter: «Sehr guter Dialog». Das Treffen und das Abendessen seien «großartig» gewesen. Am Donnerstag gehe es weiter. Das Weiße Haus kündigte zum Abschluss des zweitägigen Gipfels am Donnerstag sogar eine gemeinsame Erklärung an.

Spekuliert wird, dass die USA und Nordkorea mit der Erklärung nach dem Korea-Krieg (1950-53) offiziell ein Ende des Konflikts verkünden könnten. Mehr als sechs Jahrzehnte danach gilt völkerrechtlich immer noch der Kriegszustand, weil damals nur ein Waffenstillstand geschlossen wurde. Eine solche Friedenserklärung wäre eine wichtige vertrauensbildende Maßnahme, aber auch nur ein erster, symbolischer Schritt für einen Friedensvertrag. Daran müssten eigentlich auch Südkorea und China beteiligt werden.

Die Zeremonie zur Unterzeichnung der Erklärung ist für 14.05 Uhr Ortszeit (8.05 MEZ) vorgesehen. Trump will vor seinem Rückflug in die USA noch eine Pressekonferenz abhalten. Belastet wird Trumps Auftritt in Hanoi durch Vorwürfe seines Ex-Anwalts Michael Cohen , der am Mittwoch vor dem US-Kongress in Washington aussagte.

Zum Auftakt des zweitägigen Treffens in Hanoi hatte Trump dem völlig verarmten Nordkorea einen wirtschaftlichen Aufschwung in Aussicht gestellt, wenn Kim tatsächlich atomar abrüstet. «Ich denke, dass Ihr Land gewaltiges wirtschaftliches Potenzial hat.» Kim entgegnete: «Ich hoffe, dass wir alles erreichen, was die Leute erwarten.»

Es war der zweite Gipfel nach dem historischen Treffen vor acht Monaten in Singapur. Zur Begrüßung gaben sie sich zehn Sekunden lang die Hand. Beide wirkten zunächst ernst und angespannt. Erst langsam lockerte sich die Atmosphäre. Die Erwartungen sind groß: Es geht um den Abbau von Nordkoreas Atomwaffen und Raketen, eine neue Sicherheitsarchitektur in Ostasien und eine Lockerung der strengen Sanktionen gegen den isolierten stalinistischen Staat.

Trump lobte den ersten Gipfel als «großen Erfolg», der jetzt wiederholt werden solle - «gleich oder größer». Nach einem kurzen Zweier-Gespräch kamen beide zu einem Abendessen zusammen, nur mit den Außenministern und Beratern. Kim sagte über die ersten Minuten des Wiedersehens: «Wir haben sehr interessante Gespräche geführt.» Zum Dinner gab es Krabbencocktail, Avocado, Steak, Birne mit Kimchi, dem koreanischen Nationalgericht, sowie Törtchen mit heißer, flüssiger Schokolade im Kern, frischen Beeren und Vanille-Eis.

Anschließend kehrte der US-Präsident ins Hotel zurück - rechtzeitig zur live im Fernsehen übertragenen Aussage seines früheren Anwalts, der schwere Beschuldigungen erhebt. In einer vorab bekannt gewordenen Aussage bezeichnete Cohen den Präsidenten als Betrüger, Hochstapler und Rassisten. Er wollte auch Beweise liefern. Es sei «ironisch», dass Trump während seiner Aussage ausgerechnet in Vietnam sei. Cohen vermittelt den Eindruck, dass Trump sich während des Vietnam-Krieges vor dem Militärdienst gedrückt haben könnte.

Im Mittelpunkt der Gipfelgespräche in dem von massiven Sicherheitskräften abgeriegelten Hotel «Metropole» in Hanoi steht die Forderung der USA nach einer vollständigen und überprüfbaren «Denuklearisierung» Nordkoreas - also einer atomaren Abrüstung des Landes. Kim verlangt Zugeständnisse der USA, wie etwa die Lockerung der strengen Sanktionen. Trump lobte zu Beginn seine persönliche Beziehung zu Kim: «Unser Verhältnis ist sehr besonders.»

Schon vor der Begegnung hatte er geschrieben: «Kim Jong Un und ich werden sehr hart daran arbeiten, etwas bei der Denuklearisierung zustandezubringen und dann Nordkorea zu einem wirtschaftlichen Powerhaus zu machen.» China, Russland, Japan und Südkorea könnten dabei «sehr hilfreich» sein.

Trump hatte zuvor schon die Hoffnung geäußert, dass «großartige Dinge» bei dem «sehr wichtigen Gipfel» geschehen werden. Er stellte dem unter Hunger leidenden Land wirtschaftliche Entwicklung und Wohlstand in Aussicht, sollte es abrüsten. «Das Potenzial ist FANTASTISCH, eine großartige Gelegenheit für meinen Freund Kim Jong Un, wie kaum eine andere in der Geschichte.»

Über die Ergebnisse der Gespräche zwischen Trump und Kim wird kräftig spekuliert. Außer über die Friedenserklärung wurde auch über eine Schließung des wichtigen nordkoreanischen Atomkomplexes Yongbyon sowie die Zulassung von Atom-Inspekteuren, die Einrichtung von Verbindungsbüros und die Wiederaufnahme innerkoreanischer Wirtschaftsprojekte gemutmaßt.

Trotz der bereits in Singapur bekräftigten grundsätzlichen Bereitschaft zur «Denuklearisierung» wird aber kein Durchbruch zur Beseitigung der Atomwaffen und Raketen erwartet. Nordkorea-Experten verweisen immer wieder darauf, dass die Führung in Pjöngjang ihr Atomarsenal als eine Art Lebensversicherung gegen mögliche Angriffe oder Umsturzversuche sieht. Beide Seiten haben nicht einmal ein gemeinsames Verständnis, was mit «Denuklearisierung» gemeint ist.

Nordkorea könnte sich aber zur bereits angebotenen Schließung seines wichtigen Atomkomplexes Yongbyon verpflichten und ausländische Inspekteure zulassen. Dafür verlangt Kim «korrespondierende» Gegenleistungen der USA. Spekuliert wurde, dass die USA im Gegenzug zumindest innerkoreanische Wirtschaftsprojekte zulassen würden.

Konkret geht es um die Wiedereröffnung des Industrieparks in Kaesong sowie die Wiederaufnahme des Reiseprogramms für südkoreanische Touristen im Kumgang-Gebirge in Nordkorea. Die Eröffnung von Verbindungsbüros der USA und Nordkoreas wäre ein erster Schritt für eine Normalisierung der Beziehungen. Beide unterhalten keine diplomatischen Beziehungen.

Im Korea-Krieg wurden schätzungsweise mehr als 3,2 Millionen Menschen getötet. Mit dem Waffenstillstandsabkommen, das den 38. Breitengrad als Grenze zwischen dem kommunistischen Norden und dem westlich orientierten Süden bestätigte, endete der Konflikt nach 37 Monaten.

Die Vorgeschichte geht auf die Kapitulation der Japaner am Ende des Zweiten Weltkriegs zurück, die Korea erobert hatten. Der Süden des Landes wurde von US-Truppen, der Norden von sowjetischen Truppen besetzt. Die Nordkoreaner marschierten am 25. Juni 1950 in den Süden ein. UNO-Truppen unter US-Kommando trieben sie zurück. 1953 wurde der Waffenstillstand von Nordkorea, den USA und China unterzeichnet, das mit «Freiwilligen» an Nordkoreas Seite gekämpft hatte.

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27. 02. 2019
23:09 Uhr

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