Lade Login-Box.
Topthemen: BlitzerwarnerLoewe-InsolvenzNP-FirmenlaufGlobe-TheaterMordfall OttingerStromtrasse

Computer

Briten verhängen Höchststrafe gegen Facebook

Die umstrittene Firma Cambridge Analytica hatte vor Jahren versucht, mit persönlichen Daten von Millionen Facebook-Nutzern Wahlen zu beeinflussen. Dafür wird Facebook nun in Großbritannien belangt. In Deutschland war der US-Konzern dagegen glimpflich davon gekommen.



Facebook
Der Schatten des Chefs: Mark Zuckerberg geht am Firmensitz an einem leuchtenden Facebooklogo vorbei.   Foto: Marcio Jose Sanchez/AP

Die britische Datenschutzbehörde Information Commissioner's Office (ICO) hat gegen Facebook wegen des Datenskandals um die Analysefirma Cambridge Analytica die Höchststrafe von 500.000 Pfund (565.000 Euro) verhängt.

Das Online-Netzwerk habe einen «schweren Verstoß» gegen geltendes Recht zugelassen, erklärte das ICO in London. Weltweit waren nach Berechnungen des ICO rund 87 Millionen Menschen von dem Datenskandal betroffen.

«Facebook hat es versäumt, die Privatsphäre seiner Nutzer vor, während und nach der rechtswidrigen Verarbeitung dieser Daten ausreichend zu schützen», erklärte die britische Datenschutz-Kommissarin Elizabeth Denham. «Ein Unternehmen dieser Größe und mit dieser Expertise hätte es besser wissen und es besser machen sollen.»

Die für Justiz und Verbraucherschutz zuständige EU-Kommissarin Vera Jourová begrüßte in einem Tweet die Entscheidung des ICO: «Gut zu sehen, dass die Durchsetzung funktioniert.» Der Fall zeige aber auch, warum die Europäische Datenschutzgrundverordnung angemessenere Geldbußen einführt habe, die dann auch als Abschreckungsmittel dienen könnten.

Bei dem Datenskandal hatte der Entwickler einer Umfrage-App vor mehr als vier Jahren Informationen von Facebook-Nutzern unrechtmäßig an die Firma Cambridge Analytica weitergereicht, die später unter anderem für das Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump arbeitete.

Dabei ging es nicht nur um die Daten der rund 300.000 Umfrage-Teilnehmer, sondern auch um die ihrer Facebook-Freunde. Der Daten-Zugriff für App-Entwickler ließ diesen breiten Einzug von Informationen von 2007 bis 2014 zu. Cambridge Analytica hat inzwischen den Geschäftsbetrieb eingestellt.

Das ICO bemängelte nun, dass Facebook den App-Entwicklern ohne eine rechtliche Basis Zugang zu den Daten gewährt habe. «Zwischen 2007 und 2014 hat Facebook die personenbezogenen Daten von Nutzern unrechtmäßig verarbeitet, indem es Anwendungsentwicklern ohne hinreichend klare und informierte Zustimmung Zugang zu ihren Daten gewährt hat. Der Zugang wurde auch dann ermöglicht, wenn die Nutzer die App nicht heruntergeladen haben, sondern einfach nur mit Personen befreundet waren, die die App hatten.»

Selbst nachdem der Missbrauch der Daten im Dezember 2015 entdeckt worden sei, habe Facebook nicht genug zur Aufklärung der Affäre und den Schutz der Facebook-Mitglieder getan, kritisierte das ICO. Die Mutterfirma von Cambridge Analytica, die SCL Group, sei erst 2018 von der Facebook-Plattform verbannt worden. Nach den Recherchen des ICO hatte Cambridge Analytica die Daten von über einer Million Menschen in Großbritannien mit der Quiz-App gewinnen können.

In Deutschland wurde Facebook wegen des Datenskandals nicht belangt. Anfang Oktober stellte der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar sein Bußgeldverfahren gegen Facebook in dieser Sache ein. Ein Grund sei, dass die meisten Datenabrufe, um die es ging, schon verjährt gewesen seien, begründeten die Hamburger Datenschützer ihren Schritt. Da auch deutsche Facebook-Nutzer betroffen waren, hatte Caspar zunächst ein Verfahren wegen «Erhebung von Daten ohne Rechtsgrund» und mit einer Bußgeldandrohung von bis zu 300.000 Euro auf den Weg gebracht.

Die App-Entwickler hätten aber nur bis Ende Mai 2015 Zugang zu den Daten gehabt, erklärten die deutschen Datenschützer. Nicht verjährt seien nur die Datenzugriffe im Zeitraum vom 20.05.2015 bis zum 30.05.2015 gewesen.

Ein Facebook-Sprecher erkläre, man prüfe derzeit die Entscheidung des ICO. Bei allem Respekt sei man mit manchen Ergebnissen der Untersuchung nicht einverstanden. Gleichwohl habe man selbst zuvor gesagt, dass Facebook mehr hätten tun sollen, um die Behauptungen über Cambridge Analytica zu untersuchen und schon im Jahr 2015 Maßnahmen zu ergreifen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
25. 10. 2018
14:27 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Datenschützer Datenskandale Donald Trump Facebook Persönliche Daten US-Konzerne
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Sprachassistenten mit Risiken

09.07.2019

Bundestags-Gutachten warnt Eltern vor «Alexa»

Amazons Sprachassistent «Alexa» verfügt über ein Elefantengedächtnis. Die Aufzeichnung der Sprachbefehle und die SpeIcherung in der Cloud wird von Datenschützern kritisch gesehen. Ein Gutachten des Bundestags wirft nun n... » mehr

Facebook

26.01.2019

«Whatstabook»: Facebook will Chat-Dienste verknüpfen

Bei der Übernahme von WhatsApp und Instagram hatte Facebook noch angekündigt, die Dienste weitgehend eigenständig zu lassen. Jetzt soll eine Zusammenlegung der technischen Infrastruktur in Arbeit sein. Das wirft Fragen z... » mehr

Libra

28.06.2019

Die drängendsten Fragen zu Facebooks Digitalwährung Libra

Facebook will die Digitalwährung Libra an den Start bringen und so eine Konkurrenz zu Dollar, Euro und Co. aufbauen. Ökonomen fürchten schon Verwerfungen im globalen Finanzsystem. » mehr

Facebook

09.05.2019

Facebook-Mitgründer will Zerschlagung des Online-Netzwerks

Einer der Mitgründer von Facebook, Chris Hughes, hat sich Forderungen nach einer Zerschlagung des Unternehmens angeschlossen. » mehr

Tim Cook

05.06.2019

Apple setzt voll auf Datenschutz und riskiert mächtig Ärger

Vor Jahren wirkte Apple-Chef Tim Cook mit seinen Plädoyers für den Datenschutz noch wie ein einsamer Rufer in der Wüste. Doch inzwischen erklärt auch die Konkurrenz die Privatsphäre zum Menschenrecht. Auf der Konferenz W... » mehr

Cambridge Analytica

20.12.2018

Cambridge-Analytica-Affäre: Washington DC verklagt Facebook

Im Datenskandal um Cambridge Analytica steigt der Druck auf Facebook in den USA. Der Generalstaatsanwalt des Regierungsbezirks Washington DC zieht vor Gericht. Er will Entschädigungen für Nutzer und Strafen erstreiten. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

DLRG Ebern - Nacht der Wasserrettung

DLRG Ebern - Nacht der Wasserrettung | 17.07.2019 Ebern
» 17 Bilder ansehen

Vernissage Sommerduett

Vernissage Sommerduett | 16.07.2019 Kronach
» 14 Bilder ansehen

Baustart am Brockardt-Areal steht an

Baustart am Brockardt-Areal | 16.07.2019 Coburg
» 12 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
25. 10. 2018
14:27 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".