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KI-Experte Boos empfiehlt Schwerpunkt «autonomes Fahren»

Beim Thema Digitalisierung scheint Deutschland im internationalen Vergleich weit abgeschlagen. Das hat auch der Digitalrat der Bundesregierung bislang nicht ändern können. Nun meldet sich ein Mitglied des Beratergremiums zu Wort.



BMW - autonom fahrendes Fahrzeug
Ein autonom fahrendes Fahrzeug von BMW fährt auf einer Teststrecke bei der Eröffnung des BMW-Entwicklungszentrums «Campus Autonomes Fahren».   Foto: Matthias Balk

Deutschland sollte sich nach Einschätzung des renommierten Computerwissenschaftlers Chris Boos bei seinen Digitalisierungsbemühungen auf das Thema «autonomes Fahren» fokussieren.

«Wir brauchen ein Thema, hinter dem sich alle versammeln können» sagte der KI-Experte, der als Mitglied des Digitalrats die Bundesregierung berät, dem Nachrichten-Portal «t-online.de». Boos zog einen Vergleich zur Ankündigung des damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy, einen Menschen auf den Mond zu schicken. «Unser Moonshot ist das autonome Fahren.»

Boos hob die Bedeutung der Automobilwirtschaft hervor: «Ohne die Autoindustrie geht in diesem Land nämlich gar nichts. Deren einzige Kennzahl sind derzeit noch verkaufte Autos. In Zukunft wird es aber um gefahrene Kilometer gehen. Das ändert alles.»

Bislang treiben vor allem Unternehmen in den USA und in China die Entwicklung autonom fahrender Autos voran.

Boos betonte, für die meisten Menschen symbolisiere das Auto Wirtschaftsstärke und persönliche Freiheit. Man könne aber noch viel mehr hinter dem Thema versammeln - «Nachhaltigkeit zum Beispiel». «Momentan nutzen wir unsere Autos nur während zwei Prozent ihrer «Lebenszeit». Durch autonomes Fahren könnten wir viel besser mit den Ressourcen umgehen.»

Der KI-Experte forderte von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Bereich Digitalisierung mehr Mut zur Veränderung: «Uns geht es viel zu gut. Es gibt keine großen Probleme mehr. Deswegen ist keiner motiviert, etwas rabiat zu ändern.» Der Staat könne nicht allein die Digitalisierung vorantreiben, es brauche auch Engagement von Unternehmen und ein Umdenken in der Gesellschaft.

Kritisch sieht Boos den Föderalismus beim Aufbau des geplanten Online-Bürgerportals: «Es ergibt keinen Sinn, dass jedes Bundesland sein eigenes Bürgerportal entwickelt», sagte der Unternehmer. «Stattdessen bräuchte es ein zentrales Portal für alle Bundesbürger und alle Vorgänge zwischen den Menschen und dem Staat. Dafür müssten aber viele Beteiligte erst einmal ihre Einstellung ändern.»

Der Digitalrat der Bundesregierung aus zehn Experten wurde im August 2018 eingesetzt. Er soll die Regierung praxisnah beraten und antreiben. Dabei geht es um Projekte wie eine Strategie für Künstliche Intelligenz (KI), den Digitalpakt Schule, die Einführung eines Bürgerportals und die Digitalisierung der Verwaltung.

Boos gründete 1995 das auf Künstliche Intelligenz spezialisierte Unternehmen Arago. Der studierte Computerwissenschaftler baute mit Aragos AI HIRO eine KI-Plattform für Unternehmen auf. Boos arbeitet zudem als strategischer Unternehmens- und Politikberater sowie als Investor.

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dpa

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Veröffentlicht am:
10. 07. 2019
14:37 Uhr

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dpa

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10. 07. 2019
14:37 Uhr



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