Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 30 Jahre WiedervereinigungCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Computer

Schwieriger Kampf gegen gefälschte Online-Bewertungen

Das Internet mit seinem endlosen Warenangebot - traumhaft, aber auch unübersichtlich. Praktisch, dass andere mit ihren Erfahrungen Angebote bewerten können. Doch gerade Bewertungen mit Lobpreis oder vernichtender Kritik können gefälscht sein.



Online-Bewertung
Gefälschte Online-Bewertungen sind für Kunden oft kaum zu erkennen.   Foto: Wolfram Steinberg

Die Lage traumhaft, das Essen fantastisch und die Zimmer vorbildlich sauber - wer möchte in so einem Hotel nicht Urlaub machen? Umso schlimmer das Erwachen, wenn sich die verheißungsvolle Buchung als Fehlgriff erweist.

Hier könnten Online-Bewertungen helfen, theoretisch. Denn woher weiß man, dass die nicht gefälscht wurden? Das sei für normale Kunden kaum zu erkennen, glaubt die Juristin Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern. Wie viel wirklich gefälscht wird, lasse sich nicht sagen.

Problematisch ist nach Ansicht Halms, dass die Regeln für Bewertungen und die Sicherheitsvorkehrungen so vielfältig sind, wie die Portale. Die einen suchen auf mehreren Wegen nach Fälschungen, andere seien da zurückhaltend. Verbraucherschützer fänden deshalb feste Regeln gut: Wer darf bewerten? Nach welchen Kriterien muss ich mich richten? Und wie sorgen Online-Portale dafür, dass Fake-Bewertungen gar nicht erst öffentlich werden?

Große Anbieter sehen sich bei der Sicherheit als Vorreiter. Bei Jameda (München) sucht ein Algorithmus automatisch nach verdächtigen Inhalten, wenn Patienten Kommentare zu Ärzten abgeben. Außerdem gebe es 15 Leute, die zusätzlich prüften, erklärt Geschäftsführer Florian Weiß. Ähnlich sieht es bei Portalen wie der Seite Kununu aus Österreich aus, auf der Arbeitgeber bewertet werden können.

Die Urlaubsseite Holidaycheck aus München sortiert im Schnitt 10 bis 15 Prozent der Bewertungen aus, etwa weil Nutzer eine falsche E-Mail-Adresse angeben oder weil Inhalte zum Beispiel beleidigend oder rassistisch sind. Auch Manipulationsversuche seien darunter, im unteren einstelligen Prozentbereich, erklärt Georg Ziegler, der bei Holidaycheck den Bereich leitet, der unter anderem für Bewertungen und Hoteldaten zuständig ist.

Doch auch das System des zum Medienkonzern Burda gehörenden Urlaubsportals war angreifbar. Erst durch die Recherche eines Journalisten sei man auf einen Fall von Fälschungen aufmerksam geworden, gab Ziegler zu. Holidaycheck verklagte daraufhin die Firma Fivestar Marketing aus dem zentralamerikanischen Kleinstaat Belize. Sie soll Top-Bewertungen an Gastwirte verkauft haben, so der Vorwurf. Am 16. August soll das Urteil in dem Zivilprozess vor dem Landgericht München fallen.

Tricks, die für Laien erst recht nicht zu erkennen sind, glaubt Halm. Fälscher arbeiteten inzwischen professionell und agierten nicht mehr aus dem Hinterzimmer. Und sie lernen dazu: «Wenn wir davor warnen, wie gefälschte Bewertungen erkennbar sind, wird darauf natürlich auch reagiert und diese Fehler werden dann künftig ausgemerzt», erklärt die Verbraucherschützerin. Auch bei der Technik sei man mit den Fälschern in einem Wettbewerb.

Trotzdem ist es vielen Internet-Nutzern extrem wichtig, was andere sagen. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Bayern haben zwar drei Viertel der Kunden das Gefühl, dass sie Bewertungen nicht vertrauen können. Gewünscht sind sie trotzdem: Nach dem Preis seien Kommentare anderer Käufer die zweitwichtigste Orientierungshilfe.

Kein Wunder, dass viele Verkäufer findig sind, wenn es darum geht, möglichst gut dazustehen und mitunter Anreize für gute Bewertungen geben. Verbraucherschützer berichten von kostenlosen Testprodukten oder von der Aufnahme in Produkttester-Clubs. «Solche Tester können sich durch die Aufnahme geschmeichelt fühlen», schreibt die Verbraucherzentrale Bayern. «Außerdem bangen sie bei zu vielen schlechten Bewertungen vielleicht um ihren Status beim Händler.» Das müsse eigentlich gekennzeichnet werden, «wird es aber nicht immer».

Außerdem sind die Anreize oft subtiler, etwa wenn Hotels den Gästen ein gratis Frühstück versprechen, wenn sie eine Bewertung abgeben. «Man fühlt sich einfach genötigt, dann da eine Art Dankeschön, ein Entgegenkommen zu zeigen», sagt die Wirtschaftspsychologin Sarah Diefenbach von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Wer sich im Dschungel aus Sternen, Erfahrungsberichten und Bewertungen zurecht finden will, dem bleibt nach Ansicht von Verbraucherschützerin Halm deshalb nur eines: «Ein gesundes Misstrauen bewahren».

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
17. 07. 2019
16:49 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitgeber FC Bayern München Gastwirte Gefahren Gerichtsklagen Kunden Ludwig-Maximilians-Universität München Sicherheitsvorkehrungen Verbraucherschützer Wirtschaftspsychologen Zentralamerika Zivilprozesse
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Facebook

13.05.2020

Facebook: Entschädigung für traumatisierte Inhalte-Prüfer

In den USA klagten Menschen, die Inhalte für Facebook prüfen, gegen das Online-Netzwerk, weil die Arbeit mit Gewalt und schlimmen Bildern sie krank gemacht habe. Facebook will sie jetzt entschädigen. » mehr

Ex-Entwickler von Google-Roboterwagen

05.03.2020

Millionenstrafe für Ex-Entwickler von Google-Roboterwagen

In einem spektakulären Streit im Silicon Valley um wichtiges Know-how für autonome Fahrzeuge droht dem Ex-Entwickler von Google Anthony Levandowski eine Millionenstrafe. Offen bleibt allerdings, ob er wirklich an Google ... » mehr

Hotel

06.06.2019

Justiz nimmt gekaufte Internet-Bewertungen unter die Lupe

«Lage top, Frühstück super» - vor dem Urlaub ist für viele der Blick auf die Hotelbewertung Standard. Doch was, wenn der Gastwirt die gute Note bei einer darauf spezialisierten Bewertungsfirma einfach kauft? Ist das erla... » mehr

WeChat

20.09.2020

Richterin stoppt Vorgehen der US-Regierung gegen WeChat

Die chinesische Kommunikations-App WeChat wird vorerst für amerikanische Nutzer verfügbar bleiben. Eine Richterin in Kalifornien setzte die Sanktionen der US-Regierung am Sonntag mit einer einstweiligen Verfügung aus. » mehr

Online-Spiel «Fortnite»

22.08.2020

Apple will im «Fortnite»-Streit hart bleiben

Apple befürchtet, dass sein App-Store-Geschäft bröckelt, wenn der iPhone-Konzern den Machern des populären Online-Games «Fortnite» ihren Verstoß gegen die Regeln der Plattform durchgehen ließe. » mehr

Künstliche Intelligenz

28.09.2020

Expertenkommission bewertet «Künstliche Intelligenz» positiv

Bundestagsabgeordnete und Sachverständige haben zwei Jahre über Chancen und Gefahren «Künstlicher Intelligenz» beraten. Sie bewerten die Technologie eher positiv. Eine Umfrage zeigt zugleich: Die Skepsis gegenüber «KI» i... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Lastwagen-Unfall auf der B 303 bei Ebersdorf Ebersdorf

Lastwagen-Unfall auf der B 303 bei Ebersdorf | 20.10.2020 Ebersdorf
» 9 Bilder ansehen

Unfall bei Eschenau

Unfall bei Eschenau | 20.10.2020 Ebern
» 6 Bilder ansehen

HSC 2000 Coburg - Nordhorn-Lingen 26:29 Coburg

HSC 2000 Coburg - Nordhorn-Lingen 26:29 | 18.10.2020 Coburg
» 94 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
17. 07. 2019
16:49 Uhr



^