Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

Computer

Huawei: Können Android in Smartphones schon jetzt ersetzen

Hat US-Präsident Donald Trump mit seinem Vorgehen gegen Huawei die Dominanz des Google-Systems Android im Smartphone-Markt untergraben? Huawei will nun sein eigenes System als weltweite Alternative zu Android etablieren. Das ist allerdings keine einfache Aufgabe.



Huawei
Mit Harmony OS könnte Huawei eine vollwertige Alternative zu Android etablieren.   Foto: Mark Schiefelbein/AP

Huawei ist nach eigenen Angaben schon jetzt in der Lage, in seinen Smartphones das Google-System Android durch eigene Software zu ersetzen.

Der chinesische Smartphone-Anbieter und Netzwerk-Ausrüster stellt sein Betriebssystem mit dem Namen Harmony OS vor, dass auch in Computern, Tablets, Smartwatches, Autos und anderer vernetzter Technik laufen soll.

Für Huawei könnte das eigene System zum Lebensretter werden: Dem Konzern droht der Verlust des Zugangs zu Android, weil er von US-Präsident Donald Trump unter Hinweis auf Sicherheitsbedenken auf eine schwarze Liste gesetzt wurde. Die Android-Sperre wurde zunächst bis Ende August ausgesetzt - wie es danach weitergeht, ist offen.

Die Entwicklung könnte das heutige Betriebssystem-Duopol aus Android von Google und iOS von Apple im Smartphone-Markt aufbrechen. Huawei machte deutlich, dass Harmony OS eine vollwertige Alternative zu Android werden soll. «Wir wollen ein globales Betriebssystem etablieren, das nicht nur von Huawei genutzt wird», sagte Huawei-Manager Richard Yu.

Die Software wird deshalb genauso wie das Google-System quelloffen für alle zugänglich sein. Das hatte seinerzeit den Aufstieg von Android zum meistbenutzten Smartphone-System mit mehr als 80 Prozent Marktanteil beflügelt. Auch in China laufen die meisten Smartphones mit Android - wenn auch im Gegensatz zum Westen ohne Google-Dienste.

Vorerst sei die Priorität von Huawei aber, Android zu nutzen, um das Ökosystem aus Apps und anderen Diensten nicht aufzuspalten, versicherte Yu auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz des Konzerns. «Aber wenn wir in der Zukunft keinen Zugang mehr dazu haben sollten, können wir sofort auf Harmony OS umsteigen», sagte Yu. Und Huawei könne das in wenigen Tagen bewältigen. «Von Android auf Huawei OS umzusteigen, ist nicht so schwierig. Eigentlich ist es sogar sehr einfach.» Zunächst sei aber geplant, Harmony OS in vernetzten Lautsprechern, Computer-Uhren und Bordcomputern in Autos einzusetzen.

China ist der größte Smartphone-Markt der Welt - und das US-Vorgehen gegen Huawei hatte dort vor dem Hintergrund des Handelskonflikts zwischen den beiden Ländern auch eine Patriotismus-Welle beim Technik-Kauf ausgelöst. So wäre es denkbar, dass auch andere chinesische Smartphone-Anbieter auf ein einheimisches Betriebssystem umsteigen. Huawei ist beim Smartphone-Absatz die weltweite Nummer zwei nach Samsung, unter anderem auch dank der starken Position im Heimatmarkt.

Ein neues Betriebssystem zu etablieren, ist aber eine extreme Herausforderung. Die Schwierigkeit besteht vor allem darin, genügend App-Entwickler für die neue Plattform zu gewinnen. Schon jetzt ist klar, dass zum Beispiel Android-Apps für Harmony angepasst werden müssten. In der Vergangenheit ist selbst der Software-Gigant daran gescheitert, sein Windows-Betriebssystem für Smartphones erfolgreich zu machen. Die App-Entwickler fokussierten sich stattdessen auf iOS und Android. Andere Alternativen wie Firefox OS, webOS von Palm/HP oder das Blackberry-System wurden aus dem Markt gedrängt.

Ein zusätzliches Problem für Huawei im Westen wäre auch der Verlust des Zugangs zu vorinstallierten Google-Diensten auf den Smartphones, die in den USA und Europa populär sind. Denn hierzulande werden die Android-Geräte nahezu immer mit Apps wie Google Maps oder Gmail verkauft.

Harmony OS ist auch insofern ein Neuanfang, dass es im Gegensatz zu den meisten heutigen Plattformen nicht auf Betriebssystemen wie Unix oder Linux basiere, betonte Huawei. Der Konzern entwickelte es mit der Vision, dass die Software auf dem Gerät selbst relativ schmal sein kann, während ein großer Teil der Arbeit über schnelle Netze an Rechenzentren abgegeben wird. Harmony OS repräsentiere damit wahrhaft die nächste Generation von Betriebssystemen «für alle Szenarien», schwärmte Yu. Den sogenannten Microkernel-Ansatz, bei dem das Betriebssystem auf die wichtigsten Funktionen reduziert ist, verfolgt laut Medienberichten auch Google bei einer neuen Software mit dem Namen Fuchsia.

Huawei will die Entwickler unter anderem damit locken, dass Harmony-Apps ohne größeren Aufwand auf verschiedensten Geräten laufen sollen und das System diverse Programmiersprachen unterstützt. Die Anpassung an verschiedene Bildschirmgrößen und Bedienkonzepte soll weitgehend automatisiert werden.

Laut Yu begann die Entwicklung von Harmony bereits vor zwei Jahren. Medienberichten zufolge war das System zunächst für vernetzte Technik im sogenannten Internet der Dinge gedacht. In China wird Harmony unter dem Namen Hongmeng OS erscheinen.

Huawei war von Trump Mitte Mai unter Hinweis auf Sicherheitsbedenken auf eine schwarze Liste gesetzt worden. Damit wurde dem Unternehmen der Zugang zu Technologie von US-Konzernen und dem amerikanischen Markt weitgehen versperrt. Die Aussicht, dass Huawei-Smartphones keine Updates des Android-Betriebssystems mehr bekommen, ließ zeitweise auch die Verkäufe in Europa einbrechen - auch wenn sich der Absatz inzwischen nach Angaben des Konzerns weitgehend erholt hat.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 08. 2019
10:35 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Apple Betriebssysteme Computer Donald Trump Google Google Maps Huawei Microsoft Präsidenten der USA Samsung Group Smartphones Smartwatches Software Tablet PC US-Konzerne iOS
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Apple-Laptops

23.06.2020

Apple ersetzt Intel-Chips bei Macs durch eigene Prozessoren

Dank Chips aus eigener Entwicklung konnte Apple die Leistung seiner iPhones und iPads hochschrauben. Nun sollen sie den PC-Platzhirsch Intel aus den Mac-Computern drängen. Software-Entwickler werden sich anpassen müssen.... » mehr

Corona-Warn-App

15.06.2020

Was kann die Corona-Warn-App leisten?

Über eine Corona-Warn-App wird seit Monaten diskutiert, in dieser Woche soll sie zum Herunterladen zur Verfügung stehen. Sie wirft aber viele Fragen auf, weil in einigen Bereichen Neuland betreten wird. » mehr

Chip-Hersteller Intel

09.06.2020

Bericht: Apple steht kurz vor einem Chip-Wechsel bei Macs

Über das Thema wurde schon lange spekuliert. Nun wendet sich Apple beim Mac einem Bericht zufolge nach vielen Jahren von Intel Prozessoren ab und wechselt auf Chips aus der eigenen Produktion. » mehr

Svenja Schulze

02.03.2020

Wie Schulze Digitalisierung grün machen will

Jede Google-Anfrage, jedes YouTube-Video, jedes Foto auf WhatsApp verbraucht Strom - nicht nur über Handy oder Computer, sondern auch in Rechenzentren. Umweltministerin Schulze warnt vor den Folgen der Digitalisierung fü... » mehr

Huawei

26.03.2020

Huawei: Keine Absatzkrise bei Smartphones durch Corona

Die weltweite Coronavirus-Pandemie wird nach Einschätzung von Huawei nicht zu einer sinkenden Nachfrage nach Smartphones, Tablet Computern und Laptops führen. » mehr

Apple Entwicklerkonferenz

22.06.2020

Was von Apples Entwicklerkonferenz WWDC zu erwarten ist

Google und Facebook ließen in diesem Jahr ihre Entwicklerkonferenzen ausfallen, Apples WWDC-Event findet digital statt. Neben den üblichen Vorstellungen neuer Funktionen könnte auch eine große Erneuerung bei den Mac-Comp... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Lkw bleibt in Unterführung stecken

Lkw bleibt in Unterführung stecken | 09.07.2020 Coburg
» 13 Bilder ansehen

Lagerhalle in Geiselwind brennt völlig aus Geiselwind

Lagerhalle brennt völlig aus | 23.06.2020 Geiselwind
» 31 Bilder ansehen

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen Redwitz an der Rodach

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen | 23.06.2020 Redwitz an der Rodach
» 8 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 08. 2019
10:35 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.