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Ein Stecker für alle Handys? EU-Kommission vor Entscheidung

Diese Änderung würde fast jeden treffen: Noch in diesem Jahr könnte die EU-Kommission festlegen, dass Handys künftig einheitliche Ladebuchsen haben sollen. Es gibt aber auch Argumente gegen eine Vereinheitlichung.



iPhone-Ladekabel
Das Ladekabel eines iPhones.   Foto: Silas Stein/dpa

Die EU-Kommission brütet gerade über einen Eingriff in den Elektronik-Markt mit weltweiter Wirkung - und möglichen Auswirkungen für fast jeden Haushalt in Deutschland.

Soll sie strikt vorschreiben, dass Smartphones künftig eine einheitliche Ladebuchse haben müssen? Oder doch lieber eine weichere Lösung wählen?

Ein harter Kurs hätte zwei Dinge zur Folge: Die schnelle Dominanz des USB-C-Steckers, der sich gerade ohnehin in neuen Android-Telefonen ausbreitet - und einen Konflikt mit Apple. Der iPhone-Konzern will seinen hauseigenen Lightning-Anschluss behalten und hält die heutige Lösung, dass man Kabel mit verschiedenen Steckern in die Standardbuchsen der Ladegeräte stecken kann, für völlig ausreichend.

Die Ladegeräte-Frage schwelt in EU-Institutionen schon lange. Vor mehr als zehn Jahren brachte die Kommission das Thema erstmals auf den Plan. 14 Hersteller - unter ihnen auch Apple - einigten sich in einer Selbstverpflichtung auf einen einheitlichen Standard für Handy-Netzteile. Bei den Buchsen in Smartphones und Tablet-Computern blieben von einst mehreren Dutzend Typen noch drei übrig: USB-C, Apples Lightning sowie Micro-USB, das in Android-Smartphones früher Standard war, jetzt aber eher nur noch in günstigen Geräten vorkommt.

Das Europaparlament forderte die EU-Kommission nun auf, bis Ende Juli Vorgaben für einheitliche Ladetechnik in Handys, Tablets, E-Book-Readern und ähnlichen Geräten zu machen. Das solle für weniger Elektroschrott sorgen - und zugleich Nutzern das Leben erleichtern. Der freiwillige Ansatz habe die Erwartungen nicht erfüllt, heißt es auch aus der Kommission. Daher wolle man nun härter durchgreifen.

Zunächst einmal veröffentlichte die Kommission eine Studie, die ausführlich verschiedene Szenarien analysiert: Einheitliche Buchsen, die Koexistenz von zwei Systemen mit Adaptern, Verpflichtung lediglich zu kompatiblen Ladegeräten. Statt einer Handlungsempfehlung wird ein Pro- und Contra-Labyrinth präsentiert. «Es gibt keine optimale Lösung, alle Optionen haben ihre Nachteile», schränken die Autoren ein. Am Ende laufe es auf eine «politische Entscheidung» hinaus, die auch Risiken und Unsicherheiten in Betracht ziehen müsse.

In der Studie heißt es, dass die Kombination aus einheitlichen Buchsen an den Handys und kompatiblen Ladegeräten den meisten Komfort für Verbraucher biete. Doch das Ausmaß der positiven Umwelt-Effekte sei unklar. Zudem gebe es das Risiko, dass die Vorschrift künftige Innovationen bei der Entwicklung von Ladesystemen abwürgen könnte - auch wenn die Autoren das eher für eine theoretische Gefahr halten.

Das EU-Parlament verwies darauf, dass durch Ladegeräte 51 000 Tonnen Elektroschrott jährlich entstünden. Bisherige Absichtserklärungen rütteln allerdings nicht daran, dass neue Smartphones oder Tablets stets mit Ladegerät und Kabel verkauft werden - obwohl sich in den Haushalten immer mehr davon türmen.

Die Hersteller verweisen darauf, dass die Verbraucher ein Netzteil im Gerätekarton erwarteten. Zudem könnten sie damit die Sicherheit der Kunden garantieren, die sonst vielleicht zu günstiger und potenziell gefährlicher Ladetechnik greifen würden. Ein solches Risiko sehen auch die Autoren der von der Kommission veröffentlichten Studie. Die aus Umweltsicht radikalste Lösung, die Ladegeräte aus den Handy-Verpackungen zu verbannen, dürfte damit vom Tisch sein.

Rein technisch gesehen bietet USB-C tatsächlich die Chance, erstmals mit einem einzigen Ladegerät und Kabel alle möglichen Geräte von Handys und Kameras über Smarthome-Technik und Tablets bis hin zu Notebooks zu laden. Dafür müssen allerdings Chips an den Akkus und in den Ladegeräten untereinander abstimmen, wie stark der Ladestrom ist.

Die EU-Studie kommt deshalb zu dem Schluss, dass man bei der Ausweitung der Einheitslösung auf weitere Gerätekategorien vorsichtig vorgehen müsse, damit die Anbieter keine unnötigen Kosten hätten. Aus der Kommission heißt es zugleich, bei der weiteren Gesetzgebung könnte der Umfang erweitert werden - etwa auf Tablets oder E-Reader. Und da Hersteller Geräte nicht nur für eine Region bauen, würde ein Stecker-Zwang automatisch global greifen.

Apple argumentiert, dass eine Standard-Ladebuchse die Verbraucher mit der Zeit zwingen würde, im Haushalt vorhandene Lightning-Kabel zu ersetzen - und damit einen negativen Effekt für die Umwelt mit einer «beispiellosen Menge Elektroschott» hätte. Zudem gibt der Konzern zu bedenken, dass sich weder Lightning noch USB-C etabliert hätten, wenn vor zehn Jahren wie geplant das technisch einfachere Micro-USB als Standard festgeschrieben worden wäre.

Apple hatte die iPhones 2012 auf Lightning umgestellt - zwei Jahre bevor USB-C auf den Markt kam. Neue iPhone-Ladegeräte haben bereits einen USB-C-Ausgang, auch wenn das Kabel mit einem Lightning-Stecker endet. Zugleich bekamen das iPad Pro und alle Macbooks inzwischen USB-C-Buchsen. Lightning-Buchsen nehmen etwas weniger Platz im Gerät ein, was dünnere Smartphones erlaubt.

Unklar ist, ob die Kommission auch vorschreiben könnte, dass Smartphones grundsätzlich eine Ladebuchse haben müssen. Einige Anbieter präsentierten bereits Modelle, die allein kabellos aufgeladen werden und auf Ladebuchsen verzichten. Analysten spekulieren auch über Apple-Pläne in diese Richtung.

Aus Sicht von Verbraucherschützern ist das der falsche Weg. Zumindest kurzfristig hält Anec, ein europäischer Verband, der sich für Standardisierung einsetzt, den USB-C-Stecker als Norm für die beste Wahl. Eine Lösung mit Adaptern unterstützen die Verbraucherschützer ausdrücklich nicht. Zudem fordern sie, dass die Ladegeschwindigkeit harmonisiert werden sollte - dann entfiele auch ein Argument, warum jedem Handy ein Ladegerät beiliegen müsste.

Bei der Industriegruppe USB-IF heißt es, USB-C-Stecker blieben auf Jahre zukunftssicher, weil das Format noch auf mindestens einen großen Leistungssprung ausgelegt sei. Zugleich hält USB-IF-Präsident Jeff Ravencraft nichts davon, Anbietern einen Standard aufzuzwingen. «Wir unterstützen keine Versuche, Technologie-Innovationen per Gesetz vorzuschreiben. Das funktioniert einfach nicht», sagt er.

Was also wird die EU-Kommission tun? Die Brüsseler Behörde will im dritten Quartal 2020 einen Vorschlag vorlegen. Dabei könnte es auf einen sogenannten delegierten Rechtsakt hinauslaufen, über den die EU-Staaten und das Parlament anschließend nicht mehr verhandeln müssten. Dann könnte es ziemlich schnell gehen. Festlegen will sich die Kommission aber noch nicht.

Veröffentlicht am:
04. 03. 2020
12:59 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
04. 03. 2020
12:59 Uhr



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