Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Computer

Apple Watch: Vom Fashion-Gadget zur Gesundheitsmaschine

Vor fünf Jahren kam die Apple Watch auf den Markt. Nach einem ersten Verkaufsboom kam eine Durststrecke, die Apple schließlich überwand. Es dauerte einige Zeit, bis Apple verstanden hatte, was die Kunden tatsächlich am Handgelenk tragen wollen.



Apple Watch 2015
Vor fünf Jahren startete der Verkauf der Apple Watch.   Foto: picture alliance / dpa

Die Apple Watch startete vor fünf Jahren mit hohen Erwartungen - und zunächst auch schneller Enttäuschung.

Doch der iPhone-Konzern bewies Durchhaltevermögen und machte die Computer-Uhr mit einer Mischung aus Gespür für aktuelle Lifestyle-Trends, technischen Weiterentwicklungen und Preissenkungen zum Erfolg. Das sicherte Apple nicht nur den Platz an Dutzenden Millionen Handgelenken und ein Milliardengeschäft, sondern auch eine Schlüsselposition bei der Preisfrage der Tech-Branche: Was kommt nach dem Smartphone, dem heute mit Abstand wichtigsten Verbrauchergerät?

Im Frühjahr 2015 war ein Erfolg alles andere als absehbar. Niemandem war es bisher gelungen, eine Computeruhr im Massenmarkt zu etablieren. Es gab zwar spezialisierte Sportuhren von Polar, Fitness-Armbänder von Fitbit - und auch schon Smartwatches etwa von Motorola. Letztere teilte sich zwar ein Betriebssystem mit Android-Telefonen, wirkte aber klobig wie ein Eishockey-Puck am Handgelenk. Zu ihren charakteristischen Merkmalen gehörte auch, dass der untere Rand des runden Bildschirms flach abgeschnitten war, wie bei einem platten Reifen. Der Grund war prosaisch: Irgendwo musste man ja die Kontakte des Displays unterbringen. Jenes Flat-Tire-Design sollte selbst teure Android-Uhren noch jahrelang verfolgen.

Vor dem Start von Apples Computer-Uhr schraubten Experten und Medien den Erfolgsdruck in die Höhe: Immerhin was es der erste Vorstoß des Konzerns in eine neue Produktkategorie nach dem iPhone 2007 und dem iPad drei Jahre danach - und auch noch der erste seit dem Tod des visionären Gründers Steve Jobs im Herbst 2011. Als die Watch am 24. April schließlich in den Handel kam, bildete sich eine Schlange vor der Berliner Modeboutique The Corner - einem von nur sechs Geschäften weltweit, in denen das Gerät ohne Online-Vorbestellung gekauft werden konnte. Nach Berechnungen der Marktforschungsfirma IDC legten sich bis Ende des Quartals 3,6 Millionen Nutzer eine Apple Watch zu.

Doch bei weitem nicht alle waren zufrieden. Kritisiert wurde unter anderem, dass die Apps zu langsam starteten und eine Verbindung zum iPhone brauchten. Ausgeklügelte Funktionen wie etwa die Möglichkeit, den Herzschlag auf die Uhr eines Partners zu übertragen, fanden als Spielerei keine Nutzer und wurden gestrichen. Auch die goldene Apple Watch, die mehr als 20 000 Dollar kosten konnte, erwies sich als schlechte Idee. Eine Technik, die schon nach wenigen Jahren quasi obsolet war, passte einfach nicht zum Preis einer Rolex, die man über Generationen ohne Abstriche an der Funktionalität vererben kann.

Im zweiten Quartal 2016 wurden laut Marktforschern noch 1,6 Millionen Apple-Uhren verkauft. Das reichte zwar locker, um die Führung im Smartwatch-Markt zu behalten - aber auch, damit das Gerät zum Flop erklärt wurde. «Ein Jahr nach dem Start ist klar, dass so ziemlich niemand eine Apple Watch braucht», titelte die Newsseite «Quartz».

Apple besann sich auf die Nutzungsszenarien, die sich am meisten durchsetzten: Benachrichtigungen, Navigation und Fitness. Die Uhr erwies als mit ihrem Vibrationsalarm als hilfreich, um eine Nachricht oder E-Mail nicht zu verpassen - oder bei einer Navigation mit der Karten-App darauf hinzuweisen, dass man gleich abbiegen muss. Beim Sport misst sie Puls und Entfernung - das können Fitness-Uhren zwar auch. Bei der zweiten Generation machte Apple aber den Prozessor schneller und steckte in das Gehäuse noch einen GPS-Chip zur Ortung.

Ab der dritten Generation kann die Uhr dank LTE-Funk auch ohne iPhone ins Internet und Telefonate entgegennehmen. Die vierte Auflage der Apple Watch stellte das Trendthema Gesundheit in den Vordergrund. Die Computer-Uhr kann seitdem auch Herzrhythmusstörungen erkennen, ein einfaches EKG aufzeichnen und Stürze erkennen. Seitdem präsentiert Apple-Chef Tim Cook auf den Firmenevents immer wieder medienwirksam Berichte von Kunden, die der Apple Watch quasi ihr Leben verdanken, da ein medizinischer Notstand gerade noch rechtzeitig erkannt wurde.

Bei der fünften Generation im vergangenen Herbst bekam die Uhr schließlich einen Bildschirm, der ständig leuchtet, statt nur beim Heben des Handgelenks anzugehen. Parallel mit den Verbesserungen senkte Apple den Preis älterer Modelle: So kostet die zweieinhalb Jahre alte Serie 3 noch 229 Euro.

Die Strategie führte zum Erfolg: Im vergangenen Jahr setzte Apple nach Berechnungen der Marktforscher von Strategy Analytics gut 30 Millionen seiner Uhren ab - mehr als die Exporte der gesamten Schweizer Uhrenindustrie. Allerdings haben die Schweizer beim Umsatz die Nase vorn, weil der Durchschnittspreis eines typischen Chronometers aus der Alpenrepublik viel höher ist.

Für Apple entwickelte sich die Smartwatch aber vom Beinahe-Flop zum Hit: Die Wearables-Verkäufe halfen dem Konzern zwischendurch auch über die Schwächephase seiner iPhones hinweg. Dem Android-Lager gelang es derweil - ganz anders als bei Smartphones - nicht, mit dem Plattform-Ansatz in wenigen Jahren das Geschäft auszurollen. Obwohl das Google-Betriebssystem den Smartphone-Absatz mit einem Anteil von mehr als 80 Prozent dominiert und auch viele Anbieter von Modeuhren Android-Modelle im Angebot haben, hielt Apple nach IDC-Berechnungen im vergangenen Jahr den Spitzenplatz mit rund 29 Prozent Marktanteil.

Veröffentlicht am:
24. 04. 2020
04:51 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Apple Apple Watch Apple-Chefs Betriebssysteme E-Mail Internet Kunden Marktforscher Motorola Smartwatches Steve Jobs Tim Cook iPad iPhone
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Apple-Laptops

23.06.2020

Apple ersetzt Intel-Chips bei Macs durch eigene Prozessoren

Dank Chips aus eigener Entwicklung konnte Apple die Leistung seiner iPhones und iPads hochschrauben. Nun sollen sie den PC-Platzhirsch Intel aus den Mac-Computern drängen. Software-Entwickler werden sich anpassen müssen.... » mehr

Apple-Event in Cupertino

15.09.2020

Wie Apple den Smartwatch-Markt beherrscht

Bei der Präsentation der Apple Watch wurde die Computeruhr von manchen Beobachtern noch als Gimmick für Nerds belächelt. Sechs Jahre später hat sie mit ihren Fitness- und Gesundheitsfunktionen eine große Nutzer-Basis gew... » mehr

Apples Neuheitenschau

09.09.2020

Apple kündigt Neuheiten-Vorstellung am 15. September an

Corona-bedingt ist die traditionelle Neuheitenschau von Apple schon überfällig. In der kommenden Woche soll es nun soweit sein. Neue iPhones mit 5G dürften aber vorerst nicht dabei sein. » mehr

Jobs präsentiert erstes iPad

23.01.2020

10 Jahre iPad - Vom «Jesus-Tablet» zum Arbeits-Werkzeug

Bei der Vorstellung des ersten iPads vor zehn Jahren war der Hype enorm. Das Tablet von Apple sollte die Ära nach dem Personal Computer einleiten. Doch so leicht lässt sich der PC nicht verdrängen. » mehr

Windows 95 löst vor 25 Jahren den PC-Boom aus

19.08.2020

«Start Me Up»: Windows 95 löst vor 25 Jahren den PC-Boom aus

Besonders sicher und stabil war Windows 95 nicht gerade. Doch die neue Optik und viele Verbesserungen in dem Betriebssystem machten es leichter, am PC zu arbeiten und zu spielen. Bill Gates schwärmt auch 25 Jahre danach ... » mehr

Tim Cook

31.05.2019

Was von Apples Entwicklerkonferenz WWDC zu erwarten ist

Facebook, Google und Microsoft haben mit ihren Entwicklerkonferenzen vorgelegt - nun ist Apple dran: Auf der WWDC verkündet Apple-Chef Tim Cook die Perspektiven für die kommenden Monate. Die Erwartungen an den iPhone-Kon... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

"It'z Jazz around the Globe" in Coburg

"It'z Jazz around the Globe" in Coburg | 26.09.2020 Coburg
» 111 Bilder ansehen

Busfahrer streiken in Coburg Coburg

Streik der Busfahrer in Coburg | 25.09.2020 Coburg
» 10 Bilder ansehen

ICE kollidiert mit Schafherde Sonneberg

ICE kollidiert mit Schafherde | 23.09.2020 Sonneberg
» 23 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
24. 04. 2020
04:51 Uhr



^