Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Computer

Fake News bei Facebook und Twitter: EU fordert Bericht

Falsche Informationen über die Krankheit Covid-19 können gefährlich sein. Die EU-Kommission nimmt deshalb soziale Netzwerke in die Pflicht, bei denen Fake News sich oft rasend schnell verbreiten. Auch eine Entwicklung in Deutschland bereitet der Behörde Sorgen.



Die Logos verschiedener sozialer Netzwerke
Die Logos von WhatsApp (obere Reihe l-r), Twitter und Telegram.   Foto: Silas Stein/dpa/Symbolbild/Archiv

Die EU fürchtet anhaltende Fake-News-Kampagnen rund ums Coronavirus und will soziale Netzwerke deshalb stärker in die Pflicht nehmen.

Nach einem Plan der EU-Kommission sollen Plattformen wie Facebook und Twitter künftig monatlich Berichte über ihren Kampf gegen Desinformationen vorlegen. Zudem werden die Unternehmen zu einer engeren Zusammenarbeit mit unabhängigen Faktenprüfern aufgefordert.

«Während der Coronavirus-Pandemie ist Europa von Desinformationskampagnen überschwemmt worden, die ihren Ursprung sowohl innerhalb als auch außerhalb der EU hatten», kommentierte EU-Kommissionsvizepräsidentin Vera Jourova. Um diese zu bekämpfen, müsse man «alle relevanten Akteure von Online-Plattformen bis hin zu Behörden mobilisieren und unabhängige Faktenprüfer und Medien unterstützen».

Als Beispiel für eine besorgniserregende Entwicklung nannte Jourova die steigende Zahl von Impfgegnern in Deutschland. Das Thema Impfung scheine das nächste Schlachtfeld von Verbreitern von Falschinformationen zu werden, sagte sie. Einer Studie zufolge sei die Impfbereitschaft in Deutschland in weniger als zwei Monaten um fast 20 Prozentpunkte gesunken.

Relevant ist das Thema Desinformation für die EU vor allem wegen gesellschaftlicher Gefahren. Sie muss fürchten, dass die Falschinformationen zu schwindendem Vertrauen in Regierungen und Medien sowie zu einer Schwächung des europäischen Einflusses in der Welt führen könnten. Hinter einem Teil der Kampagnen stecken nach Angaben der EU-Kommission China und Russland.

Die Liste der in der Corona-Krise verbreiteten Falschnachrichten ist lang. So behaupten Verschwörungstheoretiker immer wieder, dass der Microsoft-Gründer Bill Gates hinter dem Coronavirus stecke und ein Komplott mit der EU schmiede, um die gesamte Menschheit überwachen zu können.

Weitere Beispiele für Fake News sind Berichte, dass die EU Partnerländer nicht bei der Krisenbewältigung unterstütze, dass die Krise als Vorwand für Massenimpfungen benutzt werden solle oder dass der neue Mobilfunkstandard 5G die Ursache für Corona sei.

All das schwächt nach Ansicht der EU-Kommission den sozialen Zusammenhalt, gefährdet die Demokratie und die Gesundheit der Menschen. «Desinformation in Zeiten der Coronavirus-Pandemie kann töten», sagte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell und verwies auf die Behauptung, das Trinken von Bleichmittel könne gegen das Coronavirus helfen.

Konkret sollen die sozialen Netzwerke, auf denen sich Lügen oft rasend schnell verbreiten, nun in monatlichen Berichten detaillierte Daten vorlegen, wie sie vertrauenswürdige Inhalte fördern und Fake News eindämmen.

Die Plattformen würden zwar bereits Links zu Informationen der Weltgesundheitsorganisation WHO bereitstellen und Werbung für gefälschte und überteuerte Medizinprodukte löschen. Aber es müsse mehr getan werden, sagte Jourova. Um die Einschränkung von Meinungsfreiheit gehe es nicht. «Ich möchte kein Wahrheitsministerium schaffen», sagte die Tschechin.

Facebook, Google, Twitter und Mozilla hatten bereits im Herbst 2018 zugesagt, stärker gegen Falschinformationen im Netz vorzugehen, und einen entsprechenden freiwilligen Verhaltenskodex unterschrieben. Mittlerweile habe sich auch Tiktok angeschlossen, sagte Jourova am Mittwoch. Mit Whatsapp sei man im Gespräch. Microsoft hat sich bereits 2019 angeschlossen. Der Bericht soll unter anderem in geplante Vorhaben der EU-Kommission wie ein Gesetz für digitale Dienste einfließen. Dies ist ein Kernanliegen der Behörde. Es soll gemeinsame Spielregeln für die Anbieter im Internet festlegen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
10. 06. 2020
18:17 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bill Gates Demokratie Digitale Dienste Digitaltechnik Europäische Kommission Europäische Union Facebook Google Impfungen Medizinprodukte Microsoft Mobilfunkstandards Mozilla Regierungen und Regierungseinrichtungen Soziale Netzwerke Twitter Weltgesundheitsorganisation
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Apple Entwicklerkonferenz

22.06.2020

Was von Apples Entwicklerkonferenz WWDC zu erwarten ist

Google und Facebook ließen in diesem Jahr ihre Entwicklerkonferenzen ausfallen, Apples WWDC-Event findet digital statt. Neben den üblichen Vorstellungen neuer Funktionen könnte auch eine große Erneuerung bei den Mac-Comp... » mehr

Tiktok

08.09.2020

Tiktok tritt EU-Kodex gegen Hassrede im Internet bei

Die chinesische Video-App Tiktok will sich im Kampf gegen Online-Hassrede einem freiwilligen Verhaltenskodex der Europäischen Union anschließen. Somit würden sich neun Unternehmen - unter ihnen Facebook, Microsoft, Youtu... » mehr

Rundfunkrat

14.07.2020

Europa braucht eigene Digital-Infrastruktur

Giganten aus den USA und China dominieren das Internet: Konzerne wie Facebook, Amazon, Google, Netflix und Alibaba. «Höchste Zeit» für eine europäische Alternative, mahnen Experten in einem neuen Vorstoß. » mehr

Margrethe Vestager

18.09.2020

EU: Mit Supercomputern ins «digitale Jahrzehnt»

Europäische Cloud, europäische E-Identität, neue Supercomputer: Die EU-Kommissionschefin von der Leyen will digital hoch hinaus. Nun wird ihre Behörde konkret. » mehr

Tiktok

18.09.2020

Keine Downloads von Tiktok mehr in den USA nach Sonntag

Der Deal um Tiktok war für Präsident Donald Trump doch nicht gut genug: Am Sonntag sollen Download-Plattformen die App in den USA löschen. Mitte November würde sie für alle US-Nutzer aufhören, zu funktionieren - wenn es ... » mehr

Videokonferenz-App Zoom

12.06.2020

Zoom blockiert auf Pekings Wunsch - und erntet Kritik

Chinas Staatssicherheit setzt Zoom unter Druck. Trotz Kritik will die US-Plattform Nutzer in China weiter von Videokonferenzen aussperren, wenn ihre Aktivitäten dort politisch als «illegal» eingestuft werden. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Busfahrer streiken in Coburg Coburg

Streik der Busfahrer in Coburg | 25.09.2020 Coburg
» 10 Bilder ansehen

ICE kollidiert mit Schafherde Sonneberg

ICE kollidiert mit Schafherde | 23.09.2020 Sonneberg
» 23 Bilder ansehen

Parking Day in Coburg

Parking Day in Coburg | 18.09.2020 Coburg
» 23 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
10. 06. 2020
18:17 Uhr



^