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Telefónica: Staatliche Mobilfunkgesellschaft nicht notwendig

Der Bundesregierung geht der Ausbau der Mobilfunknetze zu langsam voran. Deshalb hat sie die Gründung einer staatlichen Gesellschaft angekündigt, die den Ausbau vorantreiben soll. In der Branche hält man das nicht für eine gute Idee.



Markus Haas
Markus Haas ist Vorstandsvorsitzender bei Telefónica Deutschland.   Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Zur Beseitigung von Funklöchern in Deutschland muss nach Einschätzung von Telefónica Deutschland keine staatlichen Mobilfunk-Infrastrukturgesellschaft gegründet werden.

Diese Gesellschaft besitze keine eigenen Frequenzen, weil alle Frequenzen an die Netzbetreiber verkauft worden seien oder für die Industrie vorgehalten würden, sagte der Vorstandsvorsitzende des Providers, Markus Haas, der Deutschen Presse-Agentur. «Deshalb ist mir noch gar nicht klar, wie die staatliche Gesellschaft eigentlich genau den Ausbau gestalten will.»

In der Bundesregierung hatte sich vor allem das für die digitale Infrastruktur zuständige Verkehrsministerium unter Andreas Scheuer (CSU) für die Gründung einer Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft (MIG) stark gemacht. Über die MIG solle der Bund Sendemasten in Regionen errichten, in denen der Ausbau für die privaten Netzbetreiber nicht rentabel sei. Die Netzbetreiber sollen diese dann mieten.

Der Telefónica-Manager räumte ein, dass es Standorte gebe, die wirtschaftlich aufgrund der sehr geringen Nutzer unattraktiv seien und die keiner ausbauen wolle. Nur in so einem Fall müsse man über Unterstützungsmodelle reden. «Ich glaube allerdings, dass man das auch im Rahmen eines bundesweiten Mobilfunk-Förderprogramms hätte regeln können», betonte Haas.

Die Herausforderungen bestünden außerdem nicht nur in der Finanzierung, sondern auch in der Tatsache, dass die Provider an bestimmten Standorten entweder gar nicht bauen dürften oder die Baugenehmigungsverfahren sehr langwierig seien. «Mit diesen ganz praktischen Problemen hätte auch eine staatliche Gesellschaft zu kämpfen. Jetzt soll eine Behörde mit rund 100 Mitarbeitern aufgebaut werden. Diese Mitarbeiter werden die Netze aber nicht selber bauen, sondern nur verwalten.» Hier sei dann wiederum die Expertise der Netzbetreiber gefragt.

Telefónica Deutschland investiere für den Ausbau der Mobilfunknetze bis zum Jahr 2022 in Summe vier Milliarden Euro, sagte Haas. «In diesem Jahr konzentrieren wir uns mit den Investitionen darauf, 4G, also LTE, zu Ende auszubauen und mit 5G in den fünf größten deutschen Städten zu starten.» 2021 und 2022 werde man den 5G-Ausbau deutlich beschleunigen.

Beim 5G-Ausbau sei allerdings bislang noch nicht klar, welche Hersteller letztendlich den geplanten Sicherheitstest des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) für 5G bestehen werden. «Deshalb ist es aus unserer Sicht entscheidend, dass hier politisch zügig Fakten geschaffen werden und die Zertifizierung beginnen kann.» Im Kernnetz setzt Telefónica auf den europäischen Anbieter Ericsson - dessen Komponenten auch zertifiziert werden müssen. Im Zugangsnetz plane man mit einem Mix aus 50 Prozent europäischen und 50 Prozent globalen Herstellern. «Wir setzen hier vorbehaltlich politischer Entscheidungen auf Nokia und Huawei.»

Beim 5G-Ausbau benötigt Telefónica nach Angaben von Haas kaum neue Standorte. «Häufig müssen wir an einem 4G-Standort nur eine 5G-Antenne ergänzen.» Bei den 4G-Ausbauverpflichtungen arbeite sein Unternehmen «hart daran, dass wir in der Nachspielzeit die Auflagen erfüllen. Das sind 7600 Standorte, die wir noch bauen müssen.» Die Bundesnetzagentur hatte bei der jüngsten Überprüfung der Ausbauverpflichtungen bei Telefónica den größten Nachholbedarf festgestellt. Darauf habe sein Unternehmen reagiert, sagte Haas. Allein im vergangenen Jahr habe Telefónica mehr als 8000 4G-Sender in Betrieb genommen. «Das zeigt, wie massiv wir unseren 4G-Ausbau vorantreiben. Wir sind gut aufgestellt, auch im Vergleich zum Wettbewerb.»

Im industriellen Umfeld wird nach Einschätzung von Haas der neue 5G-Standard zunächst den deutlich größeren Unterschied machen als im privaten Bereich. «Wenn man über 5G eine Fertigungshalle komplett mobil steuern kann - vom Akkubohrer bis zur Lackiermaschine -, dann sprechen wir von einer Revolution bei Themen wie Qualitätsmanagement oder auch der Projektdokumentation.» Das könne einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass die Industrie in Deutschland noch digitaler und effizienter produzieren könne.

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dpa

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Veröffentlicht am:
11. 06. 2020
05:50 Uhr

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11. 06. 2020
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