Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 30 Jahre WiedervereinigungCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Computer

Facebook sperrt Konten eines rechtsextremen Netwerks

Ein Werbeboykott setzt Facebook unter Druck. Werbekunden fordern Durchgreifen gegen Hassbotschaften. Jetzt geht das Unternehmen in den USA gegen rechten Terror vor. Kritikern geht das nicht weit genug.



Facebook
Die regierungsfeindliche Gruppe werde ab sofort als «gefährliche Organisation» eingestuft und von allen Plattformen verbannt, teilt Facebook mit.   Foto: Christophe Gateau/dpa

Facebook hat auf seinen Plattformen rund 320 Konten, mehr als 100 Gruppen und 28 Seiten des rechtsextremen «Boogaloo»-Netzwerks aus den USA gesperrt.

Die regierungsfeindliche Gruppe werde ab sofort als «gefährliche Organisation» eingestuft und von allen Plattformen verbannt, teilte Facebook am Dienstag (Ortszeit) mit. Auch Posts, die Unterstützung für die Organisation äußerten, würden künftig gelöscht, hieß es. Facebook war zuletzt - auch durch einen Werbeboykott - unter Druck gekommen, härter gegen hasserfüllte und rassistische Inhalte vorzugehen.

Bei dem Netzwerk handelt es sich demnach um Gruppen, die sich lose an der rechtsextremen Boogaloo-Bewegung anlehnen und mitunter auch deren Namen nutzen. «Es bemüht sich aktiv darum, für Gewalt gegen Zivilpersonen, Sicherheitskräfte, Beamte und Regierungsinstitutionen zu werben», erklärte Facebook. Daher seien 220 Facebook-Accounts und 95 Konten bei Instagram gelöscht worden. Zudem seien 400 weitere Gruppen und 100 Seiten gelöscht worden, die auch gegen Facebooks Richtlinien verstießen und ähnliche Inhalte wie das Netzwerk verbreitet hätten. Boogaloo-Inhalte, in denen zu Gewalt aufgerufen werde, würden immer gelöscht, erklärte Facebook.

Die Anhänger der Bewegung, die sich selbst auch als Boogaloo Bois bezeichnen, treten in den USA in der Öffentlichkeit oft schwer bewaffnet und mit Hawaiihemden bekleidet auf. Sie verbreiten die Verschwörungserzählung, dass eine linke Regierung ihnen das Verfassungsrecht auf Waffenbesitz streitig machen werde.

Facebook war wegen seines von vielen als zögerlich empfundenen Umgangs mit problematischen Inhalten zuletzt immer mehr in die Defensive geraten. Zahlreiche Firmen - darunter bekannte Namen wie Coca-Cola, Unilever und Starbucks - kündigten an, ihre Werbung in sozialen Netzwerken infolge der Debatte um Hassbotschaften bis auf weiteres auszusetzen. In Deutschland kündigten unter anderem die Dax-Konzerne Volkswagen, SAP, Siemens, Adidas, Henkel, Bayer, Fresenius und Beiersdorf an, bis auf weiteres keine Anzeigen bei Facebook mehr zu schalten.

Facebook-Politikchef Nick Clegg schrieb am Mittwoch in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», das Unternehmen investiere jedes Jahr mehrere Milliarden Dollar in Mitarbeiter und Technologien, um die Plattform sicherer zu machen. «Wir haben die Zahl der Menschen, die für die Sicherheit unserer Plattformen zuständig sind, verdreifacht auf mittlerweile mehr als 35 000 Personen.» Facebook sei Vorreiter beim Einsatz Künstlicher Intelligenz, um hasserfüllte Inhalte in großem Maßstab zu entfernen, betonte Clegg.

Kritiker wenden ein, dass Facebook trotz der jüngsten Maßnahmen in den USA beim Kampf gegen Hassbotschaften und Extremismus weltweit noch viel Arbeit vor sich hat. Zudem gibt es noch die Fälle, in denen eigentlich legitime Quellen wie US-Präsident Donald Trump nach Ansicht vieler Beobachter die Grenzen zu Gewaltverherrlichung oder manipulativer Darstellung überschreiten. Facebook war zuletzt dafür kritisiert worden, dass das Unternehmen - anders als etwa Twitter - nicht gegen umstrittene Posts von Trump vorgegangen war.

Zudem steht Facebook in den USA auch für den Umgang mit rassistischen Inhalten in der Kritik. Der Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz Ende Mai und die darauffolgenden Proteste haben der Debatte zu Rassismus in den USA deutlich Schwung verliehen.

Am Montag hatte die Online-Plattform Reddit neue Schritte zur Bekämpfung von Hassbotschaften und Gewaltverherrlichung bekanntgegeben und dabei auch eine bei vielen Trump-Unterstützern beliebte Gruppe («The_Donald») geschlossen. Zunächst wurden rund 2000 Gruppen gesperrt. Auch die Streamingplattform Twitch sperrte einen Account von Trumps Wahlkampfteam vorübergehend.

© dpa-infocom, dpa:200701-99-627091/4

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
01. 07. 2020
17:50 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Adidas AG Beiersdorf AG Dax-Konzerne Donald Trump Facebook Gewalt Gewaltverherrlichung Nick Clegg Präsidenten der USA Rassismus Rechtsradikalismus Rechtsterrorismus Reddit SAP AG Siemens AG Starbucks Terrorismus Twitter Unilever Verbannung Volkswagen AG Zivilbevölkerung
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Online

29.06.2020

Reddit will Hass bekämpfen und sperrt große Pro-Trump-Gruppe

Die Online-Plattform Reddit will die Verbreitung von hasserfüllten Inhalten bekämpfen und hat daher eine bei vielen Unterstützern von US-Präsident Donald Trump beliebte Gruppe geschlossen. » mehr

Twitch

30.06.2020

Twitch sperrt Account von Trumps Wahlkampfteam

Hass und Hetze sollen in Sozialen Medien blockiert werden. Davon ist auch immer häufiger US-Präsident Donald Trump betroffen. Nun fliegt sein Wahlkampfteam auch von der Streamingplattform Twitch - vorerst. » mehr

US-Präsident Trump

06.08.2020

Corona-Falschinformationen: Facebook löscht Trump-Video

Es ist noch gar nicht lange her, dass sich Facebook mit seiner Zurückhaltung gegenüber Posts des US-Präsidenten Kritik einzog. Offenbar geht der Konzern nun konsequenter gegen «Fake News» vor. » mehr

Unilever

26.06.2020

Unilever und Honda stoppen Werbung bei Facebook

Facebook und Twitter stehen wegen einer Flut an Hasskommentaren, Propaganda, Spam und Fake News schwer in der Kritik. Ein Werbeboykott soll die Online-Plattformen zu entschlossenerem Handeln drängen. » mehr

Twitter

16.10.2020

Twitter ändert Regeln nach Kontroverse um Artikel-Blockade

Knapp drei Wochen vor der US-Wahl ist eine Kontroverse um den Umgang von Twitter mit einem Zeitungsartikel über Joe Biden entbrannt. Der Kurznachrichtendienst kündigt eine Änderung der Regeln an. Und ein Vertrauter Trump... » mehr

«QAnon»

15.10.2020

Auch Youtube geht gegen QAnon-Verschwörungstheorien vor

Twitter hatte bereits im Juli QAnon-Anhänger ausgesperrt und mehrere Tausend Accounts blockiert. Facebook zog Anfang Oktober nach und nun folgt auch Youtube. Googles Videoplattform will künftig mehr Inhalte von QAnon ent... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Lastwagen-Unfall auf der B 303 bei Ebersdorf Ebersdorf

Lastwagen-Unfall auf der B 303 bei Ebersdorf | 20.10.2020 Ebersdorf
» 9 Bilder ansehen

Unfall bei Eschenau

Unfall bei Eschenau | 20.10.2020 Ebern
» 6 Bilder ansehen

HSC 2000 Coburg - Nordhorn-Lingen 26:29 Coburg

HSC 2000 Coburg - Nordhorn-Lingen 26:29 | 18.10.2020 Coburg
» 94 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
01. 07. 2020
17:50 Uhr



^