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Schlaglichter

Urlaubsgrüße aus der Sonne - alles nur vorgegaukelt

Sonne satt am Traumstrand: Offenbar flunkern deutsche Urlauber ganz gerne, wenn es um Reiseerlebnisse geht. Das hat eine Umfrage ergeben.



Die Daheimgebliebenen neidisch machen mit Nachrichten aus dem strahlenden Sonnenschein unter sattgrünen Palmen? Dank Fotobearbeitung ist es heute kein Problem, den Urlaub aufzuhübschen. Archivfoto: Friso Gentsch/dpa
Die Daheimgebliebenen neidisch machen mit Nachrichten aus dem strahlenden Sonnenschein unter sattgrünen Palmen? Dank Fotobearbeitung ist es heute kein Problem, den Urlaub aufzuhübschen. Archivfoto: Friso Gentsch/dpa  

Mein Gott, Zilla": Die entsetzte Reaktion ihrer Großmutter wurde später zum Titel der Bachelor-Arbeit von Zilla van den Born. Fünf Wochen lang hatte die holländische Grafikdesign-Studentin - ganz im Dienste der Wissenschaft - vor einigen Jahren Freunde und Familienmitglieder getäuscht: Durch Laos, Kambodscha und Thailand gab die damals 25-Jährige vor zu reisen - während sie in ihrem Zimmer in Holland saß, Bilder von sich vor exotische Hintergründe montierte und diese dann auf Facebook veröffentlichte. Ein einziger digitaler Schwindel. "Ich wollte zeigen, dass die ideale Welt, die wir uns im Internet erschaffen, nicht existiert. Wir wissen, dass Fotos von Models mit Photoshop bearbeitet werden, aber wir sind uns nicht bewusst, dass alles, was wir täglich im Internet hochladen, ja auch irgendwie manipuliert ist", sagte die junge Frau damals im Interview mit dem Spiegel . "Warum fotografiert niemand den Regen während des Urlaubs, das schmutzige Hotelzimmer oder die lange Warteschlange? Durch die Auswahl der Bilder wird eine geschönte Realität vorgegaukelt - ich habe das durch meine Arbeit auf die Spitze getrieben."

Kosten und Wetter

Zwei Wochen Traumwetter und das zum Schnäppchenpreis? Wenn Urlauber ihre Reise mit Superlativen loben, können die Daheimgebliebenen durchaus skeptisch sein. Eine aktuelle Umfrage vom Online-Reiseservice Opodo unter 2000 Reisenden hat ergeben, dass ein Viertel der Befragten bei den Kosten für den Urlaub lügt - und sie deutlich nach unten korrigiert. Ebenfalls ein Viertel der Teilnehmer schwärmt nach der Rückkehr von Wärme und Sonnenschein, obwohl das Wetter im Urlaubsort alles andere als perfekt gewesen ist.

Mit Flunkereien dieser Art will, so vermutet der Reiseanbieter, wohl so mancher Heimkehrer hämische Kommentare von Freunden und Kollegen vermeiden. Immerhin hätten fast 80 Prozent der Befragten angegeben, dass das Wetter eines der entscheidenden Kriterien bei der Wahl ihres Urlaubsortes sei.

Obwohl der Umfrage nach sechs von zehn Urlaubern besonderen Wert auf ein breites kulturelles Angebot legen, macht sich offenbar nur ein kleiner Teil der Befragten tatsächlich die Mühe, sich unter die Einheimischen zu mischen: 15 Prozent der Befragten sprechen nach dem Urlaub zwar gerne fachmännisch über Land, Kultur und Leute, hat aber - so heißt es - von den landestypischen Sitten höchstens in Form von kulinarischen Themenabenden im Hotel etwas mitbekommen. Und wer, wie 60 Prozent der Umfrage-Teilnehmer, vor Freunden und Bekannten schon lange vor der Abreise über geplante Unternehmungen spricht, fühlt sich wohl unter Druck - und schwärmt im Nachhinein möglicherweise lieber vom erlebnisreichen Aktiv-Urlaub, als zuzugeben, wie bequem die Liegestühle im Ressort waren ...

Notlügen für die Ruhe

Trotz der riesigen Vorfreude auf freie Tage erwähnt knapp ein Drittel den geplanten Urlaub nur beiläufig - wer sich interessiert, kann seine Neugier heute ohnehin in vielen Fällen in den sozialen Netzwerken stillen, wo Freunde und Kollegen an Stränden oder in den Bergen posieren und bei den Daheimgebliebenen das Fernweh wecken. Ein Widerspruch?

Denn immerhin zeigt die Umfrage auch, dass jeder Achte vor seiner Abreise vorsorglich schlechte Erreichbarkeit als Notlüge vorschiebt, um zumindest in der Urlaubszeit ein wenig abzutauchen.

Im Hotel angekommen sinkt die Hemmschwelle für solche Ausreden wohl sogar noch weiter: 41 Prozent geben an, dass sie flunkern, um Ruhe vor anderen Gästen zu haben, Urlaubsflirts abzuwehren oder anhänglichen Mitreisenden zu entfliehen.

Apropos Urlaubsflirts: Auch die sind, natürlich, ein Grund für die ein oder andere kleinere Unwahrheit. Getreu dem Motto "Was im Urlaub passiert, bleibt im Urlaub" gibt knapp ein Drittel in der Umfrage an, Romanzen strikt auf Reiseort und Reisedauer zu beschränken - und sagt beim ein oder anderen Detail nicht die Wahrheit, um für den Konterpart in den sozialen Medien nicht auffindbar zu sein.

Doch ein Doppelleben führen die Deutschen im Urlaub nicht: Nur knapp ein Fünftel hat laut Umfrage offenbar das Bedürfnis, fernab des Alltags eine ganz andere Seite von sich auszuleben. Und: Mehr als die Hälfte - 53 Prozent der Befragten - gab an, ehrlich zu sein. Begründung: In den sozialen Netzwerken käme die Wahrheit sowieso ans Licht.

Eine Woche Funkstille

Wirklich? Zilla van der Born, die holländische Studentin, hat es immerhin geschafft, selbst ihre eigene Mutter fünf Wochen lang an der Nase herumzuführen. Mehrmals hat sie sogar ihre Wohnung im asiatischen Stil umdekoriert, um nachts mit ihrer Familie zu skypen - der Zeitumstellung wegen. "Ich habe Souvenirs verschickt, asiatisches Essen gekocht und war für einen dunkleren Teint im Solarium", erzählt sie im Interview. Als die Lüge aufflog, sprach die Frau Mama eine Woche lang nicht mehr mit ihr.

Autor
Alexandra Paulfranz

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Veröffentlicht am:
16. 09. 2018
16:32 Uhr

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16. 09. 2018
16:32 Uhr



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