Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Topthemen

Nach 737-Absturz: Auswertung der Flugschreiber kann beginnen

Wieso ist die Boeing in Äthiopien abgestürzt? Lag es am gleichen Problem wie bei dem Crash in Indonesien? Die US-Luftfahrtbehörde spricht jetzt von Ähnlichkeiten bei den Unglücken. Französische Experten nehmen sich nun die Flugschreiber der Maschine vor.



Flugschreiber
Der Koffer mit den Flugschreibern der abgestürzten Boeing 737 Max 8 wird in die französische Luftsicherheitsbehörde BEA gebracht.   Foto: Christophe Ena/AP » zu den Bildern

Der Absturz einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien hat weltweit zu einer Furcht vor neuen Zwischenfällen geführt und den US-Hersteller in große Bedrängnis gebracht. Jetzt kann die akribische Klärung der Unglücksursache beginnen.

Die beiden Flugschreiber der verunglückten Ethiopian-Airlines-Maschine kamen am Donnerstag in Frankreich an. Die sogenannten Blackboxes zeichnen den Sprechfunk im Cockpit und alle Flugdaten auf, weswegen sie für die Klärung der Unglücksursache entscheidend sein könnten.

Vom Pariser Flughafen Charles de Gaulle wurden die Flugschreiber direkt zur französischen Luftsicherheitsbehörde gebracht, wie das in einem Vorort ansässige Bureau d'Enquêtes et d'Analyses (BEA) mitteilte.

Bei dem Absturz am Sonntag in Äthiopien waren alle 157 Menschen an Bord der relativ neuen Maschine ums Leben gekommen. Es war der zweite tödliche Crash einer neuen Boeing 737 Max 8 innerhalb weniger Monate, weshalb seit Montag zahlreiche Länder als Vorsichtsmaßnahme ihren Luftraum für Maschinen dieses Typs gesperrt hatten. Am Mittwochabend zog schließlich auch das Herstellerland USA nach. Damit bleiben die rund 370 seit 2017 ausgelieferten Maschinen am Boden.

Für den Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing ist die Stilllegung der Flotte ein Debakel. Der Aktienkurs ist seit Montag drastisch gesunken, es drohen wohl auch Entschädigungsforderungen der Airlines, die nun Flüge streichen oder andere Maschinen chartern müssen.

Mindestens so schwer wiegt der Imageschaden. Manche Experten sahen in der Entscheidung Äthiopiens, die Blackboxes in Europa analysieren zu lassen, auch ein Misstrauensvotum gegen Boeing. Für gewöhnlich werden die Flugschreiber nach Unglücken ins Land des Flugzeugherstellers geschickt, was in diesem Fall die USA gewesen wären.

Die US-Luftsicherheitsbehörde NTSB teilte am Donnerstag mit, es würden drei Experten nach Frankreich geschickt, um den Kollegen dort bei der Untersuchung der Flugschreiber zu helfen. Dies sei ein Routinevorgang, da es sich um ein in den USA hergestelltes Flugzeug handle. Alle Informationen zu dem Unglück würden aber allein von äthiopischen Behörden kommuniziert, hieß es weiter.

In ihrer Begründung des Startverbots für die Flugzeuge der Max-Reihe von Boeing verwies die US-Luftfahrtbehörde FAA auf neue Erkenntnisse zum Absturz in Äthiopien, die auf Ähnlichkeiten zum Crash eines baugleichen Flugzeugs im vergangenen Oktober in Indonesien hinwiesen.

Diese Informationen erforderten weitergehende Untersuchungen, ob es sich möglicherweise um dieselbe Absturzursache gehandelt habe, hieß es. Bis einschließlich Dienstag hatten FAA und Hersteller Boeing ein Flugverbot noch abgelehnt. Angesichts von Flugverboten in Europa, Kanada sowie weiten Teilen Asiens und steigendem politischen Druck in Washington war die Position aber offenbar kaum mehr zu halten.

In der FAA-Anordnung heißt es, die Untersuchungen am Wrack der Maschine in Äthiopien hätten am Mittwoch neue Informationen zutage gefördert. Gekoppelt mit Satellitendaten zur Flugbahn nach dem Start in Addis Abeba wiesen sie «einige Ähnlichkeiten» zum Absturz in Indonesien auf. Die FAA rechnet nun offenbar mit einer längeren Stilllegung der Maschinen.

Die Behörde zieht mit dem Startverbot für die 737 Max erst zum dritten Mal eine gesamte Baureihe eines Flugzeugtyps in den USA vorübergehend aus dem Verkehr. Boeing erklärte indes, die zeitweise Stilllegung sei eine reine Vorsichtsmaßnahme. «Boeing hat weiterhin volles Vertrauen in die Sicherheit der 737 Max.»

Bei dem Crash der Boeing 737 Max 8 der indonesischen Lion Air waren im Oktober 189 Menschen gestorben. Experten vermuten, dass eine von Boeing für das Flugzeug neu entwickelte Steuerungssoftware eine entscheidende Rolle bei dem Absturz gespielt hat.

In Deutschland ist von dem Startverbot vor allem der Reisekonzern Tui betroffen, der bislang 14 Boeing 737 Max 8 im Einsatz hatte und weitere bestellt hat. Die Flieger waren vor allem in Großbritannien und den Benelux-Staaten im Einsatz.

Tui rechnet jedoch nicht mit größeren Flugausfällen. «Wir müssen zwar 15 Maschinen ersetzen, deswegen aber keine 15 Flugzeuge anmieten», sagte Tuifly-Sprecher Aage Dünhaupt. Der Konzern will Flüge umbuchen, Ersatzkapazitäten nutzen, aber auch Maschinen anmieten. Zuvor hatte das Unternehmen die Ausfallkosten auf rund drei Millionen Euro pro Woche geschätzt.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
14. 03. 2019
23:04 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Airbus GmbH American Airlines Auswärtiges Amt Boeing Boeing 737 CNN Charles de Gaulle Deutsche Presseagentur Dianne Feinstein Donald Trump Experten Fluggesellschaften Flugschreiber Flugzeugbauer Flugzeuge Flüge Gerät McDonnell Douglas Mitt Romney New York Stock Exchange (NYSE) Richard Blumenthal Schließungen Twitter Unglücksursachen United Airlines
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Boeing 737 Max 8

12.03.2019

EU-Luftraum für Boeing 737 Max 8 nach Absturz gesperrt

Nach zwei tödlichen Flugzeugabstürzen innerhalb weniger Monate wird Boeings 737-Max-Serie vom Verkaufsschlager zum Krisenfall. Der Luftraum über Europa ist für die Maschinen ab sofort gesperrt. Auch weltweit ziehen Airli... » mehr

Boeing 737 Max 8 in China

11.03.2019

«Safety first»: Schlimmer Verdacht nach Boeing-Absturz

Nach dem Flugzeugabsturz in Äthiopien mit 157 Toten hat die Suche nach der Unglücksursache eingesetzt. Ein schlimmer Verdacht drängt sich auf. Denn vor wenigen Monaten gab es bereits einen Unfall mit der relativ neuen Bo... » mehr

Flugschreiber

18.03.2019

Äthiopien: «Klare Ähnlichkeiten» mit Crash in Indonesien

Der Druck auf Flugzeughersteller Boeing steigt weiter. Die Daten der Blackboxes deuten nach dem jüngsten Absturz auf Ähnlichkeiten mit dem Crash in Indonesien im Oktober hin. Unterdessen wurden bei einem Trauergottesdien... » mehr

Boeing 737 Max

04.04.2019

Boeings 737 Max - Verkaufshit mit Imageproblem

Boeings 737-MAX-Reihe ist ein wirtschaftlicher Hoffnungsträger des US-Flugzeugbauers. Laut Unternehmensangaben ist die Reihe ein Verkaufshit mit weltweit etwas mehr als 5000 Bestellungen und über 100 Abnehmern. » mehr

Boeing 737 Max 8

14.03.2019

Enormer Vertrauensverlust: Absturz hat globale Auswirkungen

Der Boeing-Absturz in Afrika wirbelt die Welt der Luftfahrt durcheinander. Nicht nur der US-Flugzeughersteller gerät unter Druck, die Auswirkungen des Unglücks sind global. Es geht um viel Vertrauen - erst nach einigem Z... » mehr

Donald Trump

16.04.2019

Donald Trump - der Brandbekämpfer aus dem Weißen Haus

Eigentlich hat Donald Trump alle Hände voll zu tun mit den Angelegenheiten seiner Regierung: Dauerstreit mit den Demokraten, Kämpfe um die Migrationspolitik, dazu jede Menge außenpolitische Baustellen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Schwerer Unfall bei Ebensfeld Ebensfeld

Schwerer Unfall in Ebensfeld | 14.11.2019 Ebensfeld
» 9 Bilder ansehen

Festakt 30 Jahre Mauerfall in Ludwigsstadt

Festakt 30 Jahre Mauerfall | 13.11.2019 Probstzella
» 25 Bilder ansehen

Neugestaltung Bahnhof Coburg

Neugestaltung Bahnhof Coburg | 13.11.2019 Coburg
» 6 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
14. 03. 2019
23:04 Uhr



^