Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Topthemen

IS reklamiert Sri-Lanka-Anschläge für sich

Sri Lankas Regierung vermutete ein internationales Netzwerk hinter den Anschlägen einheimischer Terroristen. Nun hat der Islamische Staat die Taten für sich reklamiert. Aber auch Versäumnisse der Regierung haben eine Rolle gespielt.



Trauer
Eine sri-lankische Familie trauert in Colombo neben den Särgen von drei Familienmitgliedern, die alle Opfer der Bombenanschläge am Ostersonntag wurden.   Foto: Eranga Jayawardena/AP » zu den Bildern

Zwei Tage nach den Anschlägen auf Kirchen und Hotels in Sri Lanka hat die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) eine Bekennernachricht veröffentlicht.

Das IS-Sprachrohr Amak berichtete am Dienstag in den sozialen Netzwerken, die Angreifer seien IS-Kämpfer gewesen. Sri Lankas Premierminister Ranil Wickremesinghe sagte, es habe schon zuvor der Verdacht bestanden, dass die Attentäter Verbindungen zum IS gehabt haben könnten.

Indessen stieg die Zahl der Todesopfer auf 321. Die Polizei führte dies darauf zurück, dass mehr Menschen ihren Verletzungen erlegen seien.

Einige der Angreifer seien im Ausland gewesen, erklärte Wickremesinghe bei einer Pressekonferenz am Dienstag, ohne die Verbindungen zum IS zu bestätigen. Nach Einschätzung der Regierung Sri Lankas waren die Anschläge als Vergeltung für den Anschlag auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März gedacht, wie Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene im Parlament des Inselstaates erklärte. Dazu machte Amak keine Angaben.

Kämpfer des Islamischen Staates hätten «Bürger der Koalition und die christliche Gemeinschaft» attackiert, so das Sprachrohr. Mit «Bürgern der Koalition» bezeichnet der IS Staatsbürger von Ländern, die der internationalen Anti-IS-Koalition angehören, die die Terrormiliz in Syrien und im Irak bekämpft. Sri Lanka gehört der Koalition nicht an. Touristen in den angegriffenen Hotels könnten gemeint sein.

Die Echtheit der Bekennernachricht ließ sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Sie wurde über die üblichen Kanäle in den sozialen Netzwerken verbreitet, in denen der IS auch in der Vergangenheit Anschläge für sich reklamiert hatte. Später veröffentlichte Amak noch Bilder, die angeblich die Attentäter von Sri Lanka zeigten - allesamt in schwarzen Roben und mit vermummten Gesichtern.

Sieben sri-lankische Selbstmordattentäter hatten sich am Ostersonntag nahezu zeitgleich in drei Kirchen in mehreren Städten und drei Luxushotels in der Hauptstadt Colombo in die Luft gesprengt. Einige Stunden später gab es zwei weitere Explosionen in einem kleinen Hotel und einer Wohngegend in Vororten Colombos.

Unter den Toten waren nach Regierungsangaben vom Dienstag 37 Ausländer. Laut Unicef kamen auch 45 Kinder ums Leben. Mehr als 500 Verletzte wurden nach Angaben der Polizei in Krankenhäusern behandelt. 42 Menschen waren laut Polizei in Gewahrsam.

Wickremesinghe bestätigte einen Bericht, wonach es einen weiteren Anschlagsversuch auf ein Hotel gegeben hatte, der fehlschlug. Er sagte außerdem, dass noch einige Verdächtige auf der Flucht seien. Manche von ihnen seien im Besitz von Sprengstoff.

Der Dienstag war zum nationalen Trauertag erklärt worden. Er hatte mit drei Schweigeminuten begonnen, sowie mit Inkrafttreten eines öffentlichen Notstands. Im Laufe des Tages fanden zahlreiche Bestattungen und auch Massenbeerdigungen statt. Schwarze und weiße Fahnen waren allgegenwärtige Symbole der Trauer in dem südasiatischen Inselstaat.

Immer wieder platzte aber die Angst in die Andachten hinein - etwa, als plötzlich überall berichtet wurde, es würden ein Laster mit Sprengstoff und drei Motorroller in Colombo gesucht. Schon am Tag zuvor hatte der Fund einer Bombe in einem Auto in der Nähe einer Kirche für eine Panik gesorgt.

Und es wurde auch Politik gemacht, am ersten Sitzungstag im Parlament nach der Tragödie. Der frühere Präsident Mahinda Rajapaksa, der den 26-jährigen Bürgerkrieg 2009 mit aller Härte beendet hatte, sagte dort, in seiner Amtszeit seien solche Anschläge nicht vorgekommen. Geschmacklos nannten das einige in sozialen Medien. Beobachter sahen darin Kalkül im Wahlkampf um das Präsidentenamt. Bis Ende des Jahres steht eine Wahl an.

Politische Querelen hatten auch womöglich dazu beigetragen, dass die Anschläge trotz vorab vorliegender Hinweise mit detaillierten Informationen nicht verhindert wurden - Hinweise, die aus Indien stammten, wie Wickremesinghe bekanntgab. «Wir tragen die Verantwortung, es tut uns sehr leid», hatte Kabinettssprecher Rajitha Senaratne am Montag im Namen der Regierung gesagt.

Wie schon Senaratne am Vortag, kritisierte Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene am Dienstag im Parlament, dass Premierminister Ranil Wickremesinghe und einige Minister nicht über die vorab vorliegenden Hinweise über die Anschlagspläne informiert worden seien. Wäre er informiert gewesen, hätten die Anschläge zumindest zum Teil verhindert werden können, meinte Wickremesinge.

Hintergrund sind Spannungen zwischen den in einer Koalition regierenden Parteien von Wickremesinghe und Staatspräsident Maithripala Sirisena, dem als Verteidigungsminister die Sicherheitskräfte unterstehen. Sirisena hatte Wickremesinghe Ende vergangenen Jahres überraschend entlassen und ersetzt. Wickremesinghe gewann aber den Machtkampf und blieb im Amt.

Dicke Freunde werden Sirisena und Wickremesinghe wohl nicht mehr. Nun müssen sie aber zusammenarbeiten, um das schlimmste Blutvergießen in ihrem Land seit dem Bürgerkrieg aufzuarbeiten, und nach Versäumnissen das Vertrauen der Bevölkerung in ihre Institutionen zurückzugewinnen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
23. 04. 2019
20:49 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Attentäter Ausländer Auswärtiges Amt Bürger CDU FDP Interpol Islamischer Staat Kinder und Jugendliche Mahinda Rajapaksa Maithripala Sirisena Markus Grübel Polizei Ranil Wickremesinghe Regierungen und Regierungseinrichtungen Selbstmordattentäter Terroristen Terrormilizen Terrororganisationen und Terrorgruppen Todesopfer UNICEF Volker Kauder
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Beerdigung nach Explosion auf Hochzeit

18.08.2019

Afghanistan zwischen Massengräbern und dem Traum vom Frieden

Eigentlich soll es in Afghanistan bald Frieden geben. Die USA und die Taliban stehen vor einer Einigung. Doch der blutige Anschlag auf eine Hochzeit zeigt: Es gibt Leute, die kein Interesse an einem Ende des Blutvergieße... » mehr

Gelandet

14.11.2019

Aus der Türkei abgeschobene Familie in Berlin gelandet

Die Türkei weist eine siebenköpfige Familie nach Deutschland aus. Sie wird dem salafistischen Milieu zugerechnet, die Türkei nennt sie «ausländische Terroristenkämpfer». Wie es mit ihnen nach der Landung in Berlin weiter... » mehr

Trümmer

27.10.2019

Trumps Triumph: Der gefürchtetste Terrorist der Welt ist tot

Unter Abu Bakr al-Bagdadi stieg der Islamische Staat zur weltweit mächtigsten Terrormiliz auf. Nun verkündet US-Präsident Trump, Al-Bagdadi sei bei einer US-Operation «wie ein Hund» gestorben. Sein Tod trifft den IS schw... » mehr

Rauchschwaden

11.10.2019

Eskalation an der türkischen Grenze

Es schlagen Geschosse ein, Rauchwolken steigen zum Himmel - nach dem türkischen Einmarsch in Syrien beschießt die Kurdenmiliz YPG immer wieder Grenzorte. Auf beiden Seiten fliehen Menschen. » mehr

Anschlagsserie in Sri Lanka

23.04.2019

Blutspur: Anschläge auf Christen und Touristen

Immer wieder sind in den vergangenen Jahren Christen und Urlauber Opfer von Bombenanschlägen und Selbstmordattentätern geworden. Oftmals traf es allerdings auch Einheimische, die in der Nähe touristischer Hotspots oder a... » mehr

Türkei will IS-Anhänger abschieben

14.11.2019

Was bedeutet die Rückkehr von IS-Anhängern nach Deutschland?

Die Bundesregierung versichert: durch die Abschiebung von IS-Anhängern aus der Türkei steigt die Terrorgefahr nicht. Wie viele deutsche IS-Kämpfer und Unterstützerinnen zurückkommen werden, ist noch offen. Viele sind noc... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Anlieferung Coburger Weihnachtsbaum

Anlieferung Coburger Weihnachtsbaum | 18.11.2019 Coburg
» 5 Bilder ansehen

BBC Coburg - Gießen 46ers Rackelos 101:78 (58:34) Coburg

BBC Coburg - Gießen 46ers Rackelos 101:78 (58:34) | 17.11.2019 Coburg
» 46 Bilder ansehen

Rathaussturm in Steinberg Steinberg

Rathaussturm in Steinberg | 16.11.2019 Steinberg
» 8 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
23. 04. 2019
20:49 Uhr



^