Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: CoronavirusVideosCotubeBlitzerwarner

Topthemen

Britische Kommunalwahlen: Ohrfeige für die Konservativen

Kommunalwahlen als Stimmungsbarometer: Die regierenden Tories in Großbritannien haben heftige Einbußen einstecken müssen. Aber auch Labour bekam sein Fett weg. Viele Wähler sind genervt vom Brexit.



Theresa May
Nach der Wahlschlappe werden in der Konservativen Partei die Rufe nach einem schnellen Rücktritt von Premierministerin May lauter.   Foto: Aaron Chown/PA Wire » zu den Bildern

Bei den britischen Kommunalwahlen sind die regierenden Konservativen wegen des Brexit-Streits massiv abgestraft worden. Sie verloren 1335 Sitze im Vergleich zu den Wahlen 2015.

Auch die größte Oppositionspartei Labour musste bei den Abstimmungen in weiten Teilen Englands und Nordirlands Verluste hinnehmen. Klare Gewinner sind die EU-freundlichen Liberaldemokraten. Die Grünen und einige unabhängige Kandidaten konnten ebenfalls zulegen.

«Das Bild ist klar», räumte Premierministerin Theresa May am Freitag bei einer Parteiveranstaltung in Wales ein. «Dies ist eine schwierige Zeit für unsere Partei und die Wahlergebnisse sind ein Symptom hierfür.» Ein Mann rief May zu: «Warum treten Sie nicht zurück?»

Die frühere Entwicklungshilfeministerin Priti Patel sagte angesichts des Debakels für die Tories: «May ist ein Teil des Problems. Wir können einfach nicht so weitermachen. Wir brauchen einen Wechsel.»

Insgesamt ging es bei den Kommunalwahlen um mehr als 8000 Sitze lokaler Gremien. Gewählt wurde in 248 englischen Bezirken. In einigen davon ging es darum, alle Sitze neu zu vergeben, in anderen stand nur ein Teil zur Wahl. In Nordirland wurden die Gremien in allen elf Bezirken des Landesteils komplett neu besetzt. In sechs mittelgroßen und kleineren Städten wurden zudem neue Bürgermeister bestimmt. In Schottland, Wales und auch in London wurde nicht gewählt.

Nach Auszählung aller Bezirke verlor Labour 86 Sitze. Die EU-feindliche Partei Ukip verbuchte 145 Sitze weniger, die Liberaldemokraten gewannen hingegen 704 dazu.

Politikwissenschaftler John Curtice von der Universität Strathclyde in Glasgow sprach von einer Bestrafungsaktion der Wähler: «Die Labour-Partei verliert dort, wo sie historisch stark ist. Und die Konservativen verlieren dort, wo sie historisch stark sind.» Außenminister Jeremy Hunt nannte die Verluste bei Twitter eine «Ohrfeige ins Gesicht der beiden großen Parteien».

Eigentlich hätte Großbritannien die Europäische Union bereits Ende März verlassen sollen. Die Brexit-Frist wurde inzwischen bis zum 31. Oktober verlängert, nachdem May dreimal im Parlament mit ihrem Austrittsabkommen gescheitert war. Das Unterhaus in London ist nach wie vor in Sachen EU-Austritt heillos zerstritten.

Labour-Chef Jeremy Corbyn hatte lange Zeit nicht klar Position zum Brexit bezogen, was ihm starke Kritik einbrachte. Am Freitag warf er der Konservativen Partei und den Liberaldemokraten vor, gemeinsam für einen jahrelangen Sparkurs zu Lasten der Bevölkerung verantwortlich zu sein. Die Liberaldemokraten waren von 2010 bis 2015 Koalitionspartner der Konservativen unter Premierminister David Cameron, was sie etliche Wähler und Mitglieder gekostet hat.

Der Politikwissenschaftler Curtice warnte in Interviews, dass sich die Liberaldemokraten angesichts ihres angeschlagenen Images nicht zu früh freuen sollten. «Sie sollten lieber billigen als teuren Champagner trinken - vielleicht sogar lieber Prosecco.» Der Chef der Liberaldemokraten, Vince Cable, jubelte hingegen, dass nach den Konservativen und Labour die Liberaldemokraten wieder eine größere Rolle spielten. «Die Drei-Parteien-Politik ist zurück», twitterte er.

Die neu gegründete Brexit-Partei des Ex-Ukip-Chefs Nigel Farage durfte noch nicht an den Kommunalwahlen teilnehmen. Sie führt bereits Wochen nach ihrer Gründung die Umfragen zur Europawahl Ende Mai an.

Überschattet wurden die Kommunalwahlen vom Rauswurf des Verteidigungsministers Gavin Williamson am Mittwoch. Regierungschefin May wirft Williamson vor, Medienvertretern sensible Informationen aus einem Treffen des nationalen Sicherheitsrats gesteckt zu haben. Williamson wies dies strikt zurück. Seine Nachfolgerin ist die bisherige Entwicklungshilfeministerin Penny Mordaunt.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
03. 05. 2019
22:04 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Außenminister Brexit Conservative Party David Cameron England Europäische Union Jeremy Corbyn Jeremy Hunt Kommunalwahlen Labour Party Nigel Farage Parteiveranstaltungen Politikwissenschaftler Premierminister Theresa May Twitter Verteidigungsminister Vince Cable Wähler
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Parlamentswahl in Großbritannien

14.12.2019

Boris Johnson: Der große Zampano sahnt bei den Wählern ab

Mit Donald Trump gehört Boris Johnson zu den großen politischen Populisten der Gegenwart. Dem britschen Wahlvolk präsentiert er sich erfolgreich als Retter - aus einem Schlamassel, den er selbst maßgeblich mit zu verantw... » mehr

Brexit

04.09.2019

Boris Johnson in der Brexit-Zwickmühle

Die britische Politik hat sich mit dem geplanten EU-Austritt in eine Sackgasse manövriert, aus der es kaum einen Ausweg zu geben scheint. Premierminister Boris Johnson hat die Fronten noch weiter verhärtet. » mehr

Premierminister Johnson

08.09.2019

Brexit-Chaos: Welche Möglichkeiten Boris Johnson noch hat

Neuwahl, Rücktritt oder doch noch ein Deal mit der EU? Der britische Premierminister Boris Johnson steckt in der Klemme. Kann er sich aus dem Brexit-Schlamassel noch einmal befreien? » mehr

Boris Johnson

25.05.2019

Nach Mays Abschiedsrede: Wer wird nächster Premierminister?

Die Tage der britischen Premierministerin Theresa May sind gezählt. Am 7. Juni will sie ihr Amt als Parteichefin abgeben. Dann beginnt das offizielle Auswahlverfahren für einen Nachfolger. Doch das Rennen hat längst bego... » mehr

Protest in London

03.09.2019

Schicksalswoche im Brexit-Streit: Wie es weitergehen kann

Nach der Entscheidung Boris Johnsons, das britische Parlament in eine Zwangspause zu schicken, kämpfen die Gegner eines No-Deal-Brexits gegen die Zeit. Was könnte als nächstes passieren? » mehr

Labour-Kandidat

12.12.2019

Jeremy Corbyn: Neuer Robin Hood oder gefährlicher Zauderer?

Oh, Jeremy Corbyn!» - noch vor zwei Jahren schallte dem britischen Labour-Chef der eigene Name zehntausendfach entgegen beim Glastonbury-Festival, einer Art Woodstock im Südwesten Englands. Corbyn wurde gefeiert wie ein ... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Lagerhalle in Geiselwind brennt völlig aus Geiselwind

Lagerhalle brennt völlig aus | 23.06.2020 Geiselwind
» 31 Bilder ansehen

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen Redwitz an der Rodach

BMW und Motorrad stoßen auf der B 173 zusammen | 23.06.2020 Redwitz an der Rodach
» 8 Bilder ansehen

Motorradunfall bei Sonnefeld

Motorradunfall bei Sonnefeld | 23.06.2020 Sonnefeld
» 7 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
03. 05. 2019
22:04 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.