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Antisemitismusbeauftragter warnt Juden vor Tragen der Kippa

Die kleine kreisförmige Mütze wird von jüdischen Männern als Zeichen ihres Glaubens traditionell den ganzen Tag lang getragen. Doch geht das überall in Deutschland gefahrlos? Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung verneint das - und zieht Kritik auf sich.



Mann mit Kippa
«Ich kann Juden nicht empfehlen, jederzeit überall in Deutschland die Kippa zu tragen. Das muss ich leider so sagen», sagt der Antisemitismusbeauftragte Felix Klein.   Foto: Fredrik von Erichsen

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung rät Juden davon ab, sich überall in Deutschland mit der Kippa zu zeigen. «Ich kann Juden nicht empfehlen, jederzeit überall in Deutschland die Kippa zu tragen.

Das muss ich leider so sagen», sagte Felix Klein den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Der Publizist Michel Friedman kritisierte die Äußerung am Samstag scharf, auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) widersprach.

Die Kippa, eine kleine kreisförmige Mütze, wird von jüdischen Männern als sichtbares Zeichen ihres Glaubens traditionell den ganzen Tag lang getragen. Das Tragen einer Kopfbedeckung ist nach Angaben des Zentralrats der Juden verpflichtender religiöser Brauch, Basecap oder Hut gehen auch.

Bundesinnenminister Horst Seehofer mahnte zu hoher Wachsamkeit und einem entschlossenen Handeln der Sicherheitsbehörden. «Es wäre nicht hinnehmbar, wenn Juden ihren Glauben in Deutschland verstecken müssten. Der Staat hat zu gewährleisten, dass die freie Religionsausübung ohne Einschränkungen möglich ist», erklärte der CSU-Politiker. «Angesichts der Entwicklung antisemitischer Straftaten müssen wir besorgt und wachsam sein.»

2018 war die Zahl antisemitischer Straftaten bundesweit stark angestiegen. Der jüngste Jahresbericht zur politisch motivierten Kriminalität wies 1799 Fälle aus, 19,6 Prozent mehr als 2017.

Der Antisemitismusbeauftragte Klein forderte gleichzeitig auch Schulungen für Polizisten und andere Beamte im Umgang mit Antisemitismus. Es gibt deswegen viel Unsicherheit. Das Thema gehöre auch in die Ausbildung der Lehrer und Juristen.

Der Zentralrat der Juden warnt immer wieder vor wachsendem Antisemitismus und hat auch vom Tragen der Kippa in Teilen von Großstädten abgeraten. So sagte Zentralratspräsident Josef Schuster im Juli 2017 der «Bild am Sonntag: «In einigen Bezirken der Großstädte würde ich empfehlen, sich nicht als Jude zu erkennen zu geben.» Die Erfahrung habe gezeigt, dass das offene Tragen einer Kippa oder einer Halskette mit Davidstern verbale oder körperliche Bedrohungen zur Folge haben könne.

Der Publizist Michel Friedman bezeichnete die Äußerungen Kleins als «Offenbarungseid des Staates». Friedman verwies auf Artikel 4 des Grundgesetzes, der unter anderem die Religionsfreiheit garantiert. «Anscheinend versagt der Staat, dies allen jüdischen Bürgern im Alltag zu ermöglichen», sagte der 63-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.

Friedman kritisierte: «Wenn ein Beauftragter der Bundesregierung offiziell der jüdischen Gemeinschaft mitteilt, «ihr seid nicht überall in Deutschland vor Judenhass und Gewalt sicher», dann ist das ein Armutszeugnis für den Rechtsstaat und die politische Realität in Deutschland.» Der Staat müsse gewährleisten, dass Juden sich überall angstfrei zu erkennen geben können, sagte der frühere Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland.

«Ich empfehle allen, diese Aussagen sehr ernst zu nehmen», sagte Friedman zu dem Interview von Klein. «Dort, wo Juden nicht sicher und frei leben können, werden es bald auch andere nicht mehr können.» Er forderte Herrn Klein und die Bundesregierung konkret auf, der Öffentlichkeit mitzuteilen, an welchen Orten Juden nicht sorgenfrei leben könnten.

Bayerns Innenminister Herrmann ermutigte dazu, eine Kippa zu tragen. «Jeder kann und soll seine Kippa tragen, egal wo und egal wann er möchte», erklärte Herrmann am Samstag. Die Kippa zu tragen sei Teil der Religionsfreiheit. «Wenn wir vor dem Judenhass einknicken, überlassen wir rechtem Gedankengut das Feld», sagte der CSU-Politiker.

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) zeigte sich besorgt: «Die immer häufigeren Gewalttaten gegen Jüdinnen und Juden sind beschämend für unser Land», sagte sie dem «Handelsblatt». «Rechte Bewegungen greifen unsere Demokratie an und zielen auf unser friedliches Zusammenleben.» Polizei und Justiz seien jedoch wachsam. Wachsam müsse aber auch die gesamte Gesellschaft sein. «Jüdisches Leben müssen wir mit allen Mitteln unseres Rechtsstaats schützen und Täter unmittelbar zur Verantwortung ziehen.»

Mehrere antisemitische Vorfälle hatten zuletzt bundesweite Aufmerksamkeit bekommen. So war im August in Chemnitz ein jüdisches Restaurant mit Flaschen und Steinen angegriffen worden. In Berlin attackierte im April 2017 ein Syrer einen Kippa tragenden Israeli. Der nicht jüdische Israeli filmte dies und stellte die Aufnahme ins Netz. Der Angreifer wurde zu vier Wochen Arrest verurteilt. In Bonn war im vergangenen Jahr ein israelischer Professor, der eine Kippa trug, von einem jungen Deutschen mit palästinensischen Wurzeln attackiert worden.

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dpa

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Veröffentlicht am:
25. 05. 2019
22:07 Uhr

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