Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Topthemen

Fridays-for-Future-Fest: Mit Wir-Gefühl gegen die Klimakrise

Seit Monaten streiken sie freitags für eine Zukunft mit besserem Klima. Doch die Zukunft der jungen Klimabewegung ist ungewiss. Bei einem Sommerkongress in Dortmund wollen die Aktivisten Luft holen für den langen Atem, den sie wohl brauchen werden.



fff-Sommerkongress in Dortmund
Teilnehmer des «Sommerkongresses» der Fridays for Future Bewegung stehen im Dortmunder Revierpark.   Foto: Guido Kirchner

In den Ferien kann man nicht die Schule schwänzen - und so tut die Klimabewegung Fridays for Future das Gegenteil, um Aufmerksamkeit zu erregen: Während andere Altergenossen ihren Urlaub genießen, arbeiten sie an der Zukunft ihres Protests.

Wie soll es weitergehen, jetzt wo der Klimawandel in breiter Öffentlichkeit diskutiert wird, aber außer politischen Absichtserklärungen noch keine Erfolge erzielt wurden? Wie kann man dafür sorgen, dass den Protestlern nicht die Luft ausgeht, wenn das mediale Interesse abflaut? Muss man radikaler werden in den Aktionsformen oder stärkere Allianzen mit etablierten Organisationen eingehen?

Entscheidungen zu diesen oder anderen Fragen werden ausdrücklich nicht getroffen, betonen die Organisatoren des Sommerkongresses in Dortmund immer wieder. Stattdessen gehe es ums Vernetzen, Informieren, Austauschen und Bestärken. Mehr als 1500 junge Menschen zwischen 10 und 28 Jahren haben sich angemeldet bei diesem Treffen mit Arbeitskreisen und jeder Menge Sommerlager-Wir-Gefühl.

47 Großzelte sind am Rande eines weitläufigen Dortmunder Parks aufgebaut. An einer anderen Ecke stehen bunte Zelte wie auf einem Festival-Gelände - nur mit weniger Müll. In der Großküche unter freien Himmel schnippeln Helfer Zwiebeln, in riesigen Töpfen dahinter schmort veganes Chili. Eigentlich hatten die Organisatoren den Hungrigen versprochen, dass alles diesmal schneller gehen soll als beim ersten Abendessen. Doch in Schlangen an der Essensausgabe ist Geduld gefragt. Und so singen sie, skandieren ihre Protestparolen gegen Kohlekonzerne und SUV-Fahrer oder spielen Karten.

Wer satt ist, hat meist Sinnvolles zu tun: Zwei Schulen am Rande des Parks werden während des Kongresses trotz Ferienzeit zum Lernort. Die Teilnehmer sollen hier inhaltliches wie methodisches Rüstzeug bekommen. Es gibt Podiumsgespräche, Vernetzungstreffen und weit über 200 Arbeitsgruppen.

Wie man aus einem Einkaufswagen und ein paar Holzbalken einen klimaneutralen Lautsprecherwagen für die Demo baut, zeigen einige Aktivisten auf dem Pausenhof. Mehr als 30 junge Leute hängen drinnen an den Lippen des leidenschaftlichen Forstwirts und Buchautors Peter Wohlleben, der über den Wald in der Klimakrise berichtet. Ein paar Klassenzimmer weiter erklärt Online-Video-Produzent Christoph Krachten die Grundlagen einer erfolgreichen Youtube-Arbeit.

«Das meiste passiert aber wahrscheinlich nebenbei», sagt Jakob Blasel. Der Abiturient gehört zum vielköpfigen Organisations-Team, das den Kongress seit Monaten vorbereitet hat. Ursprünglich hatte das Treffen die Bewegung durch die befürchtete Sommerflaute bringen sollen. «Ganz ehrlich dachte ich vor vier Monaten, die Bewegung wäre nach den Sommerferien tot», sagt er.

Jetzt sind er und seine Mitstreiter guter Hoffnung, dass es gelingen kann, zum 20. September mehr Leute denn je auf die Straße zu bringen. An dem Tag, an dem auch das Klimakabinett in Berlin seine Ergebnisse vorstellen will, hat die Bewegung zum Generalstreik aufgerufen. Der Protest soll dann nicht mehr allein von den jungen Leuten getragen werden. Dieses Mal sollen auch Erwachsene ihre Verantwortung wahrnehmen, erklären die Aktivisten.

Protestforschern zufolge stehen Fridays for Future wichtige Weichenstellungen bevor: Erschöpfe sich die Bewegung im freitäglichen Streikritual, so drohe es «allen Beteiligten langweilig zu werden - den Medien inklusive», findet der Soziologe Dieter Rucht. Die Bewegung müsse auch jenseits klimapolitischer Fragestellungen Position beziehen, findet er - auch wenn das Konfliktpotential berge. Auch an anderer Stelle sieht er Nachbesserungsbedarf: Auch nach mehreren Monaten des Bestehens seien Entscheidungsabläufe und Zuständigkeiten innerhalb der Bewegung «diffus und intransparent».

Angesprochen auf solche Kritik zeigen sich die Aktivisten ungerührt. Die lose Struktur habe sich bisher bewährt, das Thema sei nicht mehr kleinzukriegen, sind sie überzeugt. Und was ist mit den Kritikern, die bemängeln, dass Fridays for Future mit ihren gut gebildeten, häufig aus Akademikerhaushalten stammenden, freundlichen jungen Leuten nur eine Elite abbilde?

«Das ist eine berechtigte Beobachtung, aber kein berechtigter Vorwurf», sagt Blasel. Sie handelten immerhin. Und während einige das ignorierten, manche es sogar verachteten, zeigten sich viele andere begeistert. Die Bewegung sei sich breiter Unterstützung sicher, berichtet Organisatorin Helena Marschall. Das habe auch die Vorbereitung gezeigt. Wo immer sie sich und ihr Anliegen vorstellten, gab es Hilfsangebote: Ein Großteil des Essens sei gespendet, ebenso die Holzschnitzel für das Kompostklo. «Wir erfahren überall klasse Solidarität». An diesem Freitag wollen sie wie üblich auch in Dortmund auf die Straße gehen, andere mitreißen und überzeugen.

Veröffentlicht am:
02. 08. 2019
08:32 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abiturientinnen und Abiturienten Demonstrationen Erwachsene Kritiker Protestierer Schulhöfe Schulschwänzer Sozialer oder politischer Protest Soziologinnen und Soziologen Öffentlichkeit
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Proteste

18.10.2019

«Furie und Feuer»: Kataloniens Separatisten werden radikaler

Die Forderung nach einer Unabhängigkeit Kataloniens bewegt seit Jahren die Gemüter. Jetzt ist die Abspaltungsbewegung wieder in aller Munde - denn wegen der Justizurteile gegen ihre Anführer sind viele in der Region rich... » mehr

Blockade in Berlin

07.10.2019

Störung statt Klima-Blockade in Berlin

Die Ankündigung klang bedrohlich: Klimaaktivisten wollten Berlin, wie andere Städte auch, blockieren. Was Autofahrer am Montag in der Hauptstadt erlebten, dürfte viele aber nicht geschockt haben. » mehr

Proteste

28.07.2019

Demonstranten fordern die Macht heraus

Für den Kreml sind die bevorstehenden Regionalwahlen in Russland ein wichtiger Stimmungstest. Viele Moskauer befürchten aber Manipulationen schon im Vorfeld und gehen auf die Straße. Wird das zu einem Problem für die Sta... » mehr

Festgenommen

27.07.2019

Demonstranten fordern die Macht heraus

Für den Kreml sind die bevorstehenden Regionalwahlen in Russland ein wichtiger Stimmungstest. Viele Moskauer befürchten aber Manipulationen schon im Vorfeld und gehen auf die Straße. Wird das zu einem Problem für die Sta... » mehr

Bedrohlich

19.08.2019

Trump warnt China vor Gewalt in Hongkong

Nach einem Wochenende mit friedlichen Protesten sehen manche in Hongkong eine gewisse Entspannung. US-Präsident Trump sendet trotzdem eine klare Warnung Richtung Peking. Die Protestbewegung will weitermachen. » mehr

Proteste in Hongkong

18.08.2019

Mit Kind und Regenschirm - Hunderttausende trotzen Peking

Wie geht es weiter in Hongkong? Nach den Massenprotesten vom Wochenende ist zumindest klar, dass die Demokratiebewegung gegen Peking immer noch großen Rückhalt hat. Aber der reichste Mann der Stadt gibt den Leuten neue R... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Coburger Weihnachtsbaum 2019

Anlieferung Coburger Weihnachtsbaum | 18.11.2019 Coburg
» 19 Bilder ansehen

BBC Coburg - Gießen 46ers Rackelos 101:78 (58:34) Coburg

BBC Coburg - Gießen 46ers Rackelos 101:78 (58:34) | 17.11.2019 Coburg
» 46 Bilder ansehen

Rathaussturm in Steinberg Steinberg

Rathaussturm in Steinberg | 16.11.2019 Steinberg
» 8 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
02. 08. 2019
08:32 Uhr



^