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Bericht: BND und CIA hörten mehr als 100 Staaten ab

Staaten in aller Welt verließen sich bei der Verschlüsselung ihrer Kommunikation jahrzehntelang auf ein Unternehmen. Dass dieses zeitweise vom BND und der CIA kontrolliert wurde, wussten sie nicht. Recherchen legen Details über eine geheime Operation offen.



BND
Der BND soll zusammen mit der CIA auch befreundete Länder abgehört haben.   Foto: Symbolbild/Wolfgang Kumm/dpa

Der Bundesnachrichtendienst und der US-Auslandsgeheimdienst CIA haben nach Medienberichten mittels einer Verschlüsselungsfirma über Jahrzehnte hinweg mehr als 100 Staaten ausgespäht.

Das bestätigten von führenden BND- und CIA-Mitarbeitern verfasste Akten, die das ZDF, die «Washington Post» und das Schweizer Fernsehen auswerteten und über die die Medien am Dienstag berichteten. Im Zuge der Recherchen hat der Schweizer Bundesrat bereits eine Untersuchung veranlasst.

Den Berichten zufolge verließen sich Regierungen in aller Welt bei der Verschlüsselung ihrer Kommunikation auf die Schweizer Firma Crypto AG - im Unwissen darüber, dass diese seit 1970 in Besitz der CIA und des BND gewesen sei und die Geheimdienste in der Lage waren, die Verschlüsselung zu knacken.

Der frühere Kanzleramtsminister Bernd Schmidbauer (CDU) bestätigte dem ZDF die Geheimdienstoperation. Der BND habe die Zusammenarbeit mit der CIA demnach aber 1993 beendet.

«Der Bundesnachrichtendienst nimmt zu Angelegenheiten, welche die operative Arbeit betreffen, grundsätzlich nicht öffentlich Stellung», erklärte der BND am Dienstag auf Anfrage.

Der «Washington Post» zufolge weisen die ausgewerteten Unterlagen darauf hin, dass mehr als 120 Länder zwischen den 1950er und den 2000er Jahren Verschlüsselungstechnik der Firma verwendeten. Als die CIA und der BND in Besitz der Firma gewesen seien, hätten sie Millionen daran verdient. Das ZDF zitiert die ausgewerteten Papiere mit den Worten: «Die jährliche Gewinnausschüttung (...) wurde dem BND-Haushalt zugeschlagen, (...) Haushaltsausschuss und Rechnungshof hatten darüber keine Kontrolle.»

«Die zur Diskussion stehenden Ereignisse nahmen um 1945 ihren Anfang und sind heute schwierig zu rekonstruieren und zu interpretieren», teilte das Schweizer Verteidigungsministerium der Deutschen Presse-Agentur in Wien mit. Der Schweizer Bundesrat habe daher am 15. Januar Niklaus Oberholzer, bis Ende 2019 Bundesrichter, damit beauftragt, die Faktenlage zu klären. Oberholzer soll bis Ende des laufenden Jahres Bericht erstatten. Laut Verteidigungsministerium wurde der Bundesrat im «Nachgang der Medienrecherchen» am 5. November 2019 über den Fall informiert.

Der «Spiegel» nannte die Crypto AG in einem Artikel 1996 die «allererste Adresse bei den Heimlichkeitswerkzeugen». Darin berichtete das Magazin auch über «verworrene» Besitzverhältnisse und dass deutsche und amerikanische Geheimdienste im Verdacht stünden, «bis Ende der achtziger Jahre Cryptos Schutzgeräte so manipuliert zu haben, daß [sic!] ihre Codes im Handumdrehen zu knacken waren».

Nach den neuen Recherchen erlangte die Bundesregierung Kenntnis über Menschenrechtsverletzungen, etwa während der Militärdiktatur in Argentinien, wo Tausende Regimegegner verschwanden und zum Beispiel aus Hubschraubern lebendig ins Meer geworfen worden waren. Zu den Kunden der Crypto AG hätten nicht nur Militärjuntas in Lateinamerika, sondern auch der Iran, Indien, Pakistan und der Vatikan gezählt, berichtete die «Washington Post». Sie fasst die Faktenlage so zusammen: Die USA und ihre Verbündeten hätten die «Leichtgläubigkeit» anderer Staaten ausgenutzt, sie ihres Geldes und ihrer Geheimnisse beraubt.

Die Crypto AG sei 2018 in zwei Firmen aufgespalten worden, berichtete das ZDF. Den neuen Geschäftsleitungen lägen über die Zeit davor keine Erkenntnisse vor, hieß es.

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dpa

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Veröffentlicht am:
12. 02. 2020
10:53 Uhr

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12. 02. 2020
10:53 Uhr



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