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Hintergründe

Missbrauch in der katholischen Kirche

In vielen Ländern kommen seit Jahren Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche an den Tag. Geistliche haben Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht, die etwa als Schüler oder Ministranten in ihrer Obhut waren.



Missbrauchsskandal
Viele Täter wurden von ihren Vorgesetzten gedeckt und zum Teil weiter an Positionen eingesetzt, wo sie Kontakt zu Kindern und Jugendlichen hatten.   Foto: Jochen Lübke

Der Missbrauchskandal zog Kreise: Viele Täter wurden von ihren Vorgesetzten gedeckt und zum Teil weiter an Positionen eingesetzt, wo sie Kontakt zu Kindern und Jugendlichen hatten. Einige Brennpunkte:

DEUTSCHLAND: Laut einer Studie im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz sollen zwischen 1946 und 2014 mindestens 1670 Kleriker 3677 Minderjährige missbraucht haben. In der Untersuchung benennen Wissenschaftler problematische Strukturen in der katholischen Kirche, die Missbrauch nach wie vor befördern könnten - etwa den Zölibat und eine ausgeprägte klerikale Macht einzelner Geistlicher.

IRLAND: Irland gehört zu jenen Staaten, in denen Priester und Ordensschwestern Kinder und Frauen über Jahrzehnte massiv quälten und missbrauchten. Mehrere Bischöfe in dem großteils katholischen Land traten zurück. Papst Franziskus verurteilte bei einem Besuch den Missbrauch scharf - und bat um Vergebung. Auch Vorgänger Benedikt XVI. hatte um Entschuldigung gebeten, Kritiker warfen ihm allerdings Vertuschung vor. Die Schuldigen seien unter seinem Pontifikat nicht ausreichend zur Verantwortung gezogen worden.

USA: Zuletzt wurde bekannt, dass im Staat Pennsylvania mehr als 300 Priester des Kindesmissbrauchs bezichtigt werden. Sie sollen sich in den vergangenen 70 Jahren an Tausenden Kindern vergangen haben. Die Kirchenoberen hatten laut Staatsanwaltschaft teils trotz Kenntnis der Vorgänge nicht durchgegriffen. Ähnliche Anschuldigungen gegen Kirchenvertreter gab es zuvor über das ganze Land verteilt.

AUSTRALIEN: Die Zahl der Opfer sexuellen Missbrauchs wird über die Jahrzehnte auf etwa 60.000 geschätzt - in Einrichtungen der Kirche, aber auch in Schulen oder Sportvereinen. Besonders prominent ist der Fall des Kurienkardinals George Pell: der vormalige Papstvertraute soll auf früheren Posten in Australien Jungen missbraucht haben. Er streitet alle Vorwürfe ab.

ÖSTERREICH: Vor allem ab 2010 rückte der sexuelle Missbrauch durch Kirchenvertreter in den Fokus. Die Kirche richtete später eine Stiftung für ihre Opfer ein. Der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn kritisierte kürzlich: «Wo Menschen sind, gibt es immer Fehlverhalten. Aber es gibt natürlich Strukturen und Systeme, die Missbrauch begünstigen.»

POLEN: In dem zu 90 Prozent von Katholiken bewohnten Land wird immer wieder über Missbrauchsvorwürfe gegen Priester berichtet, eine umfassende Aufarbeitung von Seiten der Kirche gab es aber bisher nicht. 2018 löste allerdings ein Kinofilm («Kler» (Klerus)) über pädophile Priester eine große Debatte zum Thema aus. Die polnische Bischofskonferenz entschuldigte sich bei den Opfern und kündigte an, nun entsprechende Daten sammeln zu wollen.

BELGIEN: Die belgische Bischofskonferenz hat gerade erst ein 400-Seiten-Dossier zum Umgang mit Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche des Landes veröffentlicht. Von Hunderten Opfern, die sich bei kirchlichen Stellen gemeldet hätten, ist darin die Rede. Gleichwohl hätten wohl viele ihre schlimmen Erfahrungen für sich behalten.

AFRIKA: Sexueller Missbrauch in kirchlichen Institutionen ist in Afrikas Öffentlichkeit bislang kein großes Thema - politische und wirtschaftliche Probleme dominieren die Berichterstattung. Es wird davon ausgegangen, dass die wenigen bekannten Fälle nur die oberste Spitze eines Eisbergs sind.

SÜDAMERIKA: Auch Besuche des argentinischen Papstes in Lateinamerika sind für Franziskus keine Heimspiele. Das Vertrauen in die Kirche ist vielerorts geschwunden, vor allem Missbrauchsskandale haben das Bild des Vatikans erschüttert. Der Pontifex bat die Gläubigen mehrfach um Verzeihung - zugleich halten sich aber Berichte, dass er selbst in seiner Zeit an der Spitze der argentinischen Kirche mutmaßliche Täter geschützt haben soll.

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dpa

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Veröffentlicht am:
21. 02. 2019
14:50 Uhr

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21. 02. 2019
14:50 Uhr



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