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Hintergründe

Trump in Vietnam: Friedensstifter oder Drückeberger?

US-Präsident Trump ist auf Friedensmission in Vietnam, beim Gipfel in Hanoi will er den nordkoreanischen Diktator Kim zur Abrüstung bewegen. Währenddessen braut sich in Washington ein Unwetter zusammen: Trumps Ex-Anwalt Cohen sagt über seinen früheren Boss aus.



USA-Nordkorea-Gipfel
Auf dem Weg zu «Freund» Kim: Die Autokolonne von US-Präsident Donald Trump in Hanoi.   Foto: Kyodo

Dass es an der Heimatfront brennen würde, wenn er in Vietnam ist, das konnte Donald Trump schon vor seiner Reise ahnen. Bis Donnerstag will der US-Präsident Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bei einem Gipfel in Hanoi zur atomaren Abrüstung drängen.

Trump meint, dass er dafür den Friedensnobelpreis verdienen würde. Während Trump in Asien ist, sagt sein Ex-Anwalt Michael Cohen vor dem Kongress in Washington aus. Nach Cohens Worten hat sein früherer Boss eher nicht das Zeug zum Nobelpreisträger. In seiner vorbereiteten Aussage beschreibt Cohen Trump so: «Er ist ein Rassist. Er ist ein Hochstapler. Er ist ein Betrüger.»

Da ist zum Beispiel die alte Geschichte von Trumps Fersensporn, die angesichts seiner Vietnam-Reise wieder eine gewisse Brisanz gewinnt. Schon in der Vergangenheit gab es Zweifel daran, ob Trump tatsächlich an einem schmerzhaften Auswuchs am Fußknochen litt, die ihm während des Vietnam-Krieges die Ausmusterung beschert haben soll. In seinem vorab öffentlich gewordenen Eingangsstatement erweckt Cohen nun den Eindruck, Trump habe sich vor der Einberufung gedrückt. Für Trump wäre das peinlich, geriert er sich doch als großer Patriot.

Unvergessen ist auch, dass Trump 2015 US-Senator John McCain verspottete, der als Kriegsgefangener in Vietnam gefoltert worden war. «Er ist kein Kriegsheld», sagte Trump damals. «Ich mag Menschen, die nicht gefangen genommen wurden.» Cohen gibt nach seiner vorbereiteten Aussage nun unter Eid an, Trump habe ihm in der Debatte um seinen angeblichen Fersensporn gesagt: «Denkst Du, ich bin blöd, ich wäre doch nicht nach Vietnam gegangen.» An die Adresse Trumps fügt Cohen in seinem Statement hinzu: «Ich finde es ironisch, Präsident Trump, dass Sie gerade jetzt in Vietnam sind.»

Dass Trump ein großes Ego hat, würde wohl nicht einmal er selber bestreiten. Wie gigantisch es ist, beschreibt Cohen nun - immer vorausgesetzt, seine Aussage stimmt, denn eine weiße Weste hat er nicht: Im August bekannte Cohen sich vor Gericht wegen Verstößen gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung und anderer Anklagepunkte schuldig. Im November räumte er ein, den Kongress bei einem Bauprojekt Trumps in Moskau belogen zu haben - nach seinen Worten, um Trump zu schützen. Im Mai muss Cohen für drei Jahre ins Gefängnis.

Zu Trumps Ego erzählt Cohen jedenfalls folgende Geschichte, für die der Ex-Anwalt - dem die Lizenz entzogen wurde - nach eigenen Angaben Belege hat: Trump habe ihn angewiesen, einen Strohmann zu finden, der bei einer Versteigerung für ein Porträtbild Trumps bieten würde. «Das Ziel war, dass sein Porträt, das als letztes versteigert werden sollte, den höchsten Preis aller Porträts an diesem Nachmittag erzielt.» Das Bild sei für 60.000 Dollar unter den Hammer gekommen. Trump habe dann die gemeinnützige Trump-Stiftung angewiesen, dem Strohmann das Geld zu erstatten, habe das Bild aber selber behalten.

Trumps Stiftung war bereits in der Vergangenheit ins Visier der Justizbehörden geraten, erst im Dezember hatte der Anwalt der Stiftung deren Auflösung zugestimmt. «Die Trump-Stiftung war kaum mehr als ein Scheckbuch, um unternehmerischen und politischen Interessen von Herrn Trump zu dienen», hatte die New Yorker Staatsanwaltschaft damals kritisiert. Einer der Vorwürfe: Trump habe mit Stiftungsgeldern nicht nur offene Rechtsansprüche gegen sein Feriendomizil in Florida beglichen und seine Hotels beworben, sondern auch Dinge für den persönlichen Gebrauch gekauft.

Trump - im früheren Leben Baumagnat - prahlt damit, was für ein cleverer Geschäftsmann er ist. Deals seien seine «Kunstform», meint er. Glaubt man Cohen, wären Geschäftsleute womöglich besser beraten, Deals mit Trump zu vermeiden. Der Ex-Anwalt sagt, zu seinen Aufgaben habe gehört, Inhaber von oftmals kleinen Firmen anzurufen, denen Trump Geld geschuldet habe - um ihnen zu sagen, dass sie nicht oder nicht wie vereinbart bezahlt würden. Wenn er seinem Boss danach Erfolg gemeldet habe, «hat er sich tatsächlich daran ergötzt».

Zu Trumps Vermögen sagt Cohen, sein Ex-Boss habe Angaben dazu aufgebläht, wenn es seinen Zwecken gedient habe - etwa dafür, einen möglichst hohen Platz auf der Reichenliste des Magazins «Forbes» zu ergattern. Wenn es allerdings darum gegangen sei, Steuern zu zahlen, habe Trump sein Vermögen kleingerechnet. Auch dafür will Cohen Belege haben. Cohen wollte dem Kongress außerdem Kopien von Briefen übergeben, in denen er Schulen und Colleges in Trumps Auftrag gedroht habe, sollten sie seine Noten veröffentlichen. Trump selber hat übrigens 2013 damit geprahlt, sein IQ sei «einer der höchsten».

Einen der wiederkehrenden Vorwürfe gegen Trump wiederholt nun auch Cohen: Nämlich jenen, dass Trump ein Rassist sei, was der Präsident stets empört zurückweist. Cohen sagt, Trumps öffentliche Äußerungen, die in der Vergangenheit als rassistisch gebrandmarkt wurden, seien harmlos verglichen mit dem, was er privat von sich gebe. So habe Trump ihm etwa gesagt, dass Schwarze ihn nie wählen würden, weil sie zu dumm seien. Trump habe ihn außerdem gefragt, ob er ein Land kenne, das von einem Schwarzen regiert werde und das kein «Drecksloch» sei.

Dass Cohen nach seinen Angaben im Auftrag Trumps illegale Schweigegeldzahlungen an den Pornostar Stormy Daniels und an das frühere Playmate Karen McDougal veranlasst hat, war bereits bekannt. Cohen wollte dem Kongress nun eine Kopie eines Schecks über 35 000 Dollar von Trumps persönlichem Konto übergeben, den Trump selber unterzeichnet haben soll - am 1. August 2017, als er schon Präsident war. Cohens Darstellung zufolge war das eine der Raten, mit der Trump ihm die 130.000 Dollar Schweigegeld für Daniels zurückerstattete.

Pikant: Cohen sagt nicht nur, dass Trump tatsächlich eine Affäre mit Daniels hatte, was der Präsident (übrigens auch im Fall McDougals) bestreitet. Der Ex-Anwalt sagt auch, dass er im Auftrag Trumps dessen Ehefrau Melania über die Affäre belogen habe. «Die First Lady belogen zu haben, bedauere ich am meisten.» Nicht nur die Schweigegeldzahlungen im Wahlkampf sind für Trump heikel: Cohen sagt auch, Trump habe vorab von der Veröffentlichung gehackter E-Mails der Demokraten durch Wikileaks vor der Wahl 2016 gewusst.

Wenn es überhaupt einen Lichtblick für Trump in Cohens Aussage gibt, dann diesen: Cohen hat nach seinen Angaben keine Beweise dafür, dass es 2016 Geheimabsprachen zwischen Trumps Wahlkampflager und Vertretern Russlands gab. Das ist Gegenstand der Untersuchungen von FBI-Sonderermittler Robert Mueller. Cohen kooperiert mit Muellers Team. In einem Tweet im Dezember hatte Trump seinen Ex-Anwalt in Gangster-Manier als «Ratte» bezeichnet.

Als das US-Portal Politico Cohens vorbereitete Aussage am Mittwoch vorab veröffentlichte, war Trump in Hanoi mit den vietnamesischen Gipfel-Gastgebern zugange. Danach griff er zu seiner üblichen Strategie, was Cohens Vorwürfe angeht: Auf Twitter nannte Trump Cohen einen Lügner, dem es nur darum gehe, seine Haftzeit zu verringern.

Das wird allerdings nicht reichen, um die negativen Schlagzeilen zu Hause zu verdrängen. Dafür dürfte Trump nun ausgerechnet auf den nordkoreanischen Machthaber Kim setzen, mit dem er am Mittwochabend in Hanoi zusammenkam. Ein Erfolg beim Gipfel würden Trump vielleicht nicht den Friedensnobelpreis, aber doch einen politischen Erfolg bescheren. Trump stünde für den Moment nicht als ein von Affären geplagter Präsident da, sondern womöglich gar als echter Staatsmann.

Veröffentlicht am:
27. 02. 2019
14:27 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
27. 02. 2019
14:27 Uhr



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