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Hintergründe

Was wir wissen - was wir nicht wissen

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern nannte es einen «Akt des Terrors»: Der Anschlag auf zwei Moscheen in der Stadt Christchurch ist eine der blutigsten Gewalttaten in der jüngeren Geschichte des Landes.



Trauer in Christchurch
Ein Poster gegen Rassismus ist auf einer Mauer an einem provisorischen Denkmal für die Opfer im Botanischen Garten von Christchurch zu sehen.   Foto: Mick Tsikas/AAP

WAS WIR WISSEN

DIE OPFER: Dem Anschlag fielen mindestens 50 Menschen zum Opfer, die meisten in den beiden Moscheen in Christchurch, einige auch vor den Gebäuden. Unter den Toten sind auch Kinder: Einer inoffiziellen Liste zufolge war das jüngste Opfer 3 Jahre alt, das älteste 77 Jahre. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind alle Getöteten Muslime. Viele von ihnen stammen aus asiatischen Ländern. Nach offiziellen Angaben sind unter den Toten mindestens neun Pakistaner und fünf Menschen mit indischer Staatsbürgerschaft. Auch Flüchtlinge, etwa aus Syrien, wurden Opfer des Anschlags. Darüber hinaus gab es 50 Verletzte, von denen am Sonntag noch mehr als 30 in Krankenhäusern behandelt wurden. Einige schwebten noch in Lebensgefahr.

DER TÄTER: Als mutmaßlicher Täter wurde ein 28-jähriger Australier festgenommen. Der Mann lebte seit mehreren Jahren in Neuseeland und wohnte zuletzt in der Stadt Dunedin. Er sitzt nun unter dem Vorwurf des Mordes in Haft. Ihm droht lebenslange Haft. Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass er die Tat alleine beging. Vier andere Personen, die zwischenzeitlich festgenommen wurden, stehen demnach nicht in Zusammenhang mit dem Anschlag.

DAS VIDEO: Der Täter zeigte den Angriff live auf Facebook aus der Ich-Perspektive in einem 17-minütigen Video. Dabei trug er einen Tarnanzug. Nach der Tat sagt der Angreifer, er bedauere, die Moschee nicht noch abgebrannt zu haben. Facebook teilte mit, das Ursprungsvideo sowohl auf Facebook als auch auf Instagram gesperrt zu haben. In den 24 Stunden danach wurden den Angaben zufolge 1,5 Millionen Videos der Tat gelöscht oder beim Hochladen blockiert. Die Ermittler forderten die Öffentlichkeit dazu auf, die Aufnahmen nicht im Internet zu verbreiten.

DIE REAKTION DER POLIZEI: Laut Neuseelands Polizeichef Mike Bush war die erste Streife sechs Minuten nach dem ersten Notruf an der Al-Nur-Moschee. Binnen zehn Minuten traf die erste bewaffnete Spezialeinheit ein. Überwältigt werden konnte der Mann aber erst, nachdem er in der zweiten Moschee acht weitere Menschen umgebracht hatte und mit dem Auto auf der Flucht war. Dies geschah laut Polizei 36 Minuten nach dem ersten Anruf.

DIE KAMPFSCHRIFT: Kurz vor den Anschlägen veröffentlichte der Täter ein 74-seitiges Pamphlet. Er legt darin seine rechtsextreme Motivation dar und kündigt eine Tat in Moscheen in Christchurch an. Der in Neuseeland lebende Australier beschreibt sich in dem Text als Europäer und erklärt seinen Hass gegen Ausländer. Muslime und Immigranten bezeichnet er als «Invasoren», sich selbst als Rassisten. Er habe zudem kurz Kontakt mit dem norwegischen rechtsextremen Massenmörder Anders Behring Breivik gehabt. Das Gefängnis im norwegischen Skien und Breiviks Anwalt erklärten dazu, dies sei nahezu unmöglich. Im Büro von Premierministerin Ardern ging eine E-Mail mit dem angehängten Schreiben neun Minuten vor dem Beginn der Anschläge ein - zu spät, um die Tat zu verhindern. Medien und andere Politiker zählten ebenfalls zu den Adressaten.

DIE FOLGEN: Als Konsequenz aus dem Anschlag will Neuseeland das Waffenrecht verschärfen. «Unsere Waffengesetze werden sich ändern», kündigte Ardern an. Der Täter hatte fünf Schusswaffen dabei, halbautomatische Gewehre und Schrotflinten. Er hatte seit November 2017 einen Waffenschein und war auch Mitglied in einem Schützenverein.

WAS WIR NICHT WISSEN

DIE WEITEREN HINTERGRÜNDE: Die Polizei äußerte sich bislang nicht genauer. Begründet wird dies mit laufenden Ermittlungen.

DIE GENAUE IDENTITÄT DER OPFER: Noch sind nicht alle Getöteten identifiziert worden. Laut Premierministerin Ardern sollen die Leichname der Toten bis spätestens Mittwoch freigegeben werden.

MÖGLICHE IDEOLOGISCHE VERBINDUNGEN ZUM BALKAN: Das Tatvideo zeigt auf den Schusswaffen die Namen von Schlachten in Europa gegen die Araber oder die Osmanen, darunter mehrere auf dem Balkan. Im Video ist zudem vor der Tat ein serbisch-nationalistisches Kampflied zu hören. Nach Angaben der bulgarischen Justiz war der Mann 2016 und 2018 unter anderem in Serbien, Bosnien-Herzegowina und Bulgarien. In welchem Maße ihn das beeinflusst hat, ist noch nicht klar.

Veröffentlicht am:
17. 03. 2019
15:25 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
17. 03. 2019
15:25 Uhr



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