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Hintergründe

Von der Leyen: Das politische Comeback des Jahres

Immer ein Lächeln: Mit Selbstdisziplin und Zähigkeit hat Ursula von der Leyen Stürme im Verteidigungsministerium überstanden. Nimmt sie mit Themen wie Sicherheit und militärischer Zusammenarbeit Kurs auf Europa?



Ursula von der Leyen
Ein Wechsel von der Leyens nach Brüssel könnte das politische Comeback des Jahres werden.   Foto: Fabian Sommer

Aus dem politischen Minenfeld der deutschen Verteidigungspolitik ganz an die Spitze nach Brüssel: Ursula von der Leyen (60) ist als Chefin der EU-Kommission nominiert. Über einen möglichen Wechsel der CDU-Politikerin in ein hohes EU-Amt wurde seit Tagen spekuliert.

Dass die Verteidigungsministerin nun gleich Nachfolgerin von Kommissionschef Jean-Claude Juncker werden könnte, ist aber eine handfeste Überraschung - und auch Ergebnis des schwierigen Personalpokers der europäischen Regierungschefs.

Ein Wechsel von der Leyens nach Brüssel könnte das politische Comeback des Jahres werden. Die promovierte Ärztin ist seit 2013 Verteidigungsministerin - als erste Frau in Deutschland. Sie wäre auch erste Kommissionspräsidentin. Und sie hat politisch schwere Zeiten hinter sich.

Affären setzten die Ministerin in vergangenen Monaten politisch enorm unter Druck. Stichworte sind die marode «Gorch Fock», die Berater-Affäre um den Einsatz externer Fachleute bei der Modernisierung der Bundeswehr, die schlechte Einsatzbereitschaft militärischen Großgeräts oder Pannen der Flugbereitschaft.

Protest gegen die Personalie kam umgehend von der SPD. «Von der Leyen ist bei uns die schwächste Ministerin. Das reicht offenbar, um Kommissionschefin zu werden», giftete der SPD-Politiker Martin Schulz über Twitter.

Doch nicht alles, was in Berlin zum Skandal oder Skandälchen taugt, wird auch von den Partnern in Nato und EU als Versagen gedeutet. Im Kreise der Nato-Partner genießt von der Leyen mit ihren Plänen für die militärische Zusammenarbeit in Europa Ansehen. Aus Frankreich kam, so ist zu hören, große Unterstützung, wenn nicht gar die Initiative, sie als Kandidatin ins Amt zu heben.

Von der Leyen wurde in Brüssel geboren und hat dort bis 1971 die «Europäische Schule» besucht. Dass sie fließend Französisch spricht und mit ihrer französchen Amtskollegin Kollegin Florence Parly in der zweiten Muttersprache vor die TV-Kameras treten konnte, kann im neuen Job nur von Vorteil sein.

Das Portal «Politico» berichtete aus Brüssel, der französische Präsident Emmanuel Macron habe Kanzlerin Angela Merkel vorgeschlagen, doch von der Leyen für die Spitze der Kommission und die französische Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, an die Spitze der Europäischen Zentralbank zu setzen.

Dabei bringt von der Leyen einiges an sicherheitspolitischer und auch internationaler Erfahrung mit. Auftritte wie auf der Berliner Sicherheitskonferenz, wo sie im vergangenen Jahr für eine «Armee der Europäer» und eine immer engere Verzahnung von Streitkräften und Rüstungsindustrien für ein Friedensprojekt warb, konnten schon als Bewerbungsrede verstanden werden.

«Ziel ist: Wenn die nächste Krise kommt, und wer weiß, wo sie ist und wie sie kommt, dass wir als Europäer in der Lage sind zu entscheiden, zu handeln und dann tatsächlich auch die richtigen Schritte zu tun», sagte von der Leyen. Und warb noch am gleichen Tag auch für neue Entscheidungswege einer gemeinsamen Außenpolitik: In der EU müssten Mehrheitsentscheidungen möglich werden, damit nicht einzelne Ländern Entscheidungen blockieren könnten.

Ihren Weg ist die Tochter des früheren niedersächsischen Regierungschefs Ernst Albrecht über die Jahre diszipliniert und kämpferisch gegangen. Mit einem Notendurchschnitt von 0,7 im Abitur konnte sie als Musterschülerin gelten. Dann folgte das Medizinstudium mit Doktortitel und schließlich die Karriere in der Politik, die sie trotz ihrer Verpflichtungen als Mutter von sieben Kindern durchzog. Seit 2003 war sie Sozialministerin in Niedersachsen, ab 2005 Bundesfamilienministerin und von 2009 Arbeitsministerin.

Dann das Militär. Sie machte die Modernisierung der unter ihren Vorgängern bis in die Einsatzunfähigkeit runtergesparten Bundeswehr zu ihrem Programm und setzte dabei auf den Einsatz von Beratern, für die ein dreistelliger Millionenbetrag ausgegeben wurde - teils am Vergaberecht vorbei. Ein Untersuchungsausschuss will das aufklären. Auch rechtsextreme Umtriebe in der Bundeswehr machten Schlagzeilen.

Von der Leyen hat auch den schnellen gesellschaftlichen Wandel in die Streitkräfte hineingetragen. Sie forcierte eine stärkere Rolle von Frauen, der Umgang mit Homosexualität wurde ein Thema und vieles, was sich mit dem Thema «Gender» zusammenfassen lässt. In dem konservativen Umfeld der Streitkräfte war ein Murren oder gar stiller Groll vernehmbar, aber womöglich könnte in Europa eine Mischung aus Sicherheitspolitik und gesellschaftlicher Modernität zünden.

Ein Überblick: Wie es bei den EU-Spitzenämtern weitergeht

Veröffentlicht am:
03. 07. 2019
19:22 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
03. 07. 2019
19:22 Uhr



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